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Ruhmeshalle Superpunk - Wasser Marsch!

Für den ganz großen Durchbruch waren Superpunk nicht gemacht. 2012 machen sie Schluss, nach 15 Jahren und 5 Alben. Aber jede Beziehung hinterlässt diese eine Kiste mit Erinnerungen. Bei ihnen ist es der Klassiker "Wasser Marsch!".

Von: Jutta Buck

Stand: 25.05.2012 | Archiv

Superpunk | Bild: tapete records

Wir schreiben das Jahr 2001: Ein Ding namens Hamburger Schule ist grad immer noch der heiße Scheiß in Germany. Während Blumfeld an ihrem Testament der Angst werkeln, Tocotronic und Die Sterne immer verkopfter werden, habe ich schwere Sehnsucht nach etwas anderem.

Es gibt diese heiligen Momente, wenn man während eines Konzerts erkennt, dass es gerade keine bessere Musik gibt als diese hier. Dieses hier war bei mir Superpunk: dreckig rumpelnde Beatmusik, witzig, melodiös und tanzbar und ja – auch äußerst bierseelig. Songs zum hemmungslos Mitgröhlen – ohne dass man sich der Texte schämen müsste.

"Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen"

Albumcover "Wasser Marsch" von Superpunk | Bild: Tapete Records

Superpunk - Wasser Marsch! (Cover)

Superpunk klingen für mich so, als wären alle Hamburger Musiker für eine Nacht zusammen ins Bett gestiegen – und das hier ist der Bastard, der daraus entstanden ist. Diese typisch hanseatische Tradition zum Beat, zum Northern Soul und den Mods. Dazu Disco, Punk, Rock and Roll, schlaue deutsche Texte – das hier ist die heimliche Supergroup der Hamburger Schule. Ihre Bezüge und Verflechtungen zu Tocotronic, Huah, Bernd Begemann und Konsorten sind tatsächlich uferlos. Trotzdem klingen Superpunk-Songs immer originell und absolut unverwechselbar.

Bei aller Liebe zum gepflegten Dilettantismus, zu Live-Chaos und schepperndem Rock and Roll: Superpunk sind immer mindestens genauso sophisticated, gut gekleidet und die Herren ihrer Instrumente wie sie eben auch Punk sind. Superpunks eben. Kein Wunder, mit einem "Playboy"-Redakteur am Bass und dem Hamburger Musik-Tausendsassa Thies Mynther an der Schweineorgel.

"Diese Welt ist nicht für mich gemacht"

Die geballte Faust im Bandlogo verrät den Protestcharakter. Sie sind nicht gekommen, um sich zu beschweren. Aber dass die Welt eine schlechte ist und alles auch nie wieder gut wird, das wird man ja wohl noch sagen, pardon, rausschreien dürfen. Dabei geht es nie um Klassenkampf oder eine Jugendbewegung – die Top Old Boys sind immer und Gott sei Dank nur die Anwälte ihres eigenen Elends. Vom Leben a bisserl verarscht, trotzdem fröhlich resignativ. Superpunk – das ist immer schon Scheitern für Fortgeschrittene.


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