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Ruhmeshalle Queen - A Night At The Opera

Zwischen Testosteron-Rock und Camp-Glam: Queen erschaffen 1975 mit "A Night At The Opera" eine Platte, die die große Bühne sucht, die große Geste liebt und beinahe größer wird als ihre Erfinder selbst.

Von: Jutta Buck

Stand: 14.01.2011 | Archiv

Queen | Bild: EMI

Klotzen statt kleckern. Mal ordentlich die Sau rauslassen. So etwas müssen Queen im Sinn gehabt haben, als sie ihr viertes Album ebenso großkotzig wie genial "A Night At The Opera" nennen. 1975 verfrachten die vier Engländer Glam & Hard Rock dahin, wo er eigentlich schon immer hingehört: auf die ganz große Bühne.

Queen ist mehr als Freddie Mercurys Stimme und die Riffs und Melodien speiende "Red Special"-Gitarre von Brian May. Und: "A Night At The Opera" ist mehr als "Bohemian Rhapsody". Die Experimentierlust auf dem Album ist fast grenzenlos. Die Songs quellen geradezu über vor lauter chromatischen Verschiebungen, Modulationen, ständigen Dynamik- und Tempiwechseln. Dazu die unzähligen Overdubs, die den Gesang zu majestätischen Chören auftürmen.

"No Synthesisers!"

Weil es Normalos dem opulenten Sound sowieso nicht anhören, schreiben Queen es extra dick ins Booklet: Das hier ist alles self-made! Keine Gastmusiker, keine Synthies. Alles was auf der Platte nach Streichern oder Blasinstrumenten klingt, entstammt Brian Mays Gitarre oder wurde von der Band vokal imitiert.

Queen - A Night At The Opera (Cover)

Keine Frage - das hier ist die Königin des Stadionrock. Neben dem Pomp und Bombast typischer Queen-Rock-Songs überrascht "A Night At The Opera" aber alle Nase lang mit geradezu burlesken Nummern ("Lazing On A Sunday Afternoon"), mit Ragtime-Klavier ("Seaside Rendezvous") und Formby-Ukulelen ("Good Company"). In den besten Momenten erinnern Queen mehr an die Marx Brothers als an Rock-Primadonnen. Ähnliche Feel-Good-Songs sind die herrlich kitschige Ballade "You're My Best Friend" und der bizarre Science-Fiction-Skiffle "'39".

"Is this the real life - is this just fantasy?"

Kurz vor Ende des Albums schwingen sich Queen dann zur großen Schlussarie auf. Eine knapp sechs Minuten lange Rhapsodie, die nochmals alle Konventionen sprengt und der Musikgeschichte für immer einen unkaputtbaren Überhit reinwürgt. "Bohemian Rhapsody" ging 1975 in den UK-Charts auf Platz 1 und im Zuge der kollektiven Trauer nach Freddie Mercurys Tod Anfang der Neunziger noch ein zweites Mal. Allein das Muppet-Show-Cover des Songs wurde innerhalb eines Jahres über 18 Millionen mal bei YouTube geklickt. Ein würdiges Finale Furioso, das Freddie sicher gefallen hätte.

Mit der Oper ist es wie mit dieser Platte und ihrer Band - entweder sie packt dich beim ersten Mal, oder aber der Zugang bleibt für immer verschlossen. Galileo Galileo Galileo Figaro – magnifico-o-o-o-o!


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