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Ruhmeshalle MF Doom - Operation Doomsday

In einer Zeit, in der HipHop von Selbstdarstellern geprägt ist, betritt 1999 MF Doom die Bühne und versteckt sein Gesicht hinter einer Maske - um sich an der Industrie mit einem der innovativsten Rap-Alben aller Zeiten zu rächen.

Von: Florian Nöhbauer

Stand: 10.02.2012 | Archiv

MF Doom | Bild: Dwayne C. Bass

Ende der 90er ist HipHop groß. Richtig groß - und die Szene überfüllt mit posenden Selbstdarstellern, die mit bombastischen Plattendeals ausgestattet werden. Der letzte Plattenvertrag des Rappers Daniel Dumile liegt Jahre zurück. Er lebt zurückgezogen in New York und wird doch nur wenig später das ganze Game verändern. 1999 tritt er aus dem Nichts hervor. Als MF Doom mit einer eisernen Maske auf dem Gesicht. Und einem Album, das die HipHop-Welt so noch nicht gehört hat. "Operation Doomsday" hört sich an, als hätte jemand einen Sack mit HipHop-Platten und Comic-Heften vollgepackt, den in einen Mixer geworfen und darüber gerappt.

Daniel Dumile und Dr. Doom

MF Doom - Operation Doomsday | Bild: Metal Face/Groove Attack

MF Doom - Operation Doomsday (Cover)

Maske und Name sind angelehnt an den Marvel-Comic-Bösewicht Dr. Doom, den Erzfeind der Fantastic Four. Denn unheimlicherweise zeigen die Biographien der Beiden große Parallelen auf: Nachdem es bei einem Experiment an der Empire-State-Universität zu einer Explosion kommt, wird der rumänische Professor Victor Von Doom schrecklich entstellt und ist fortan gezwungen, sein Gesicht hinter einer eisernen Maske zu verstecken. Als die Universität ihn daraufhin entlässt, schwört er schreckliche Rache an der Gesellschaft und wird zum Bösewicht Dr. Doom. Bevor der in England geborene Daniel Dumile die eiserne Maske aufsetzt, war er Zev Love X der New Yorker Rap-Gruppe K.M.D. 1993 kam sein Bruder, der ebenfalls Mitglied der Band war, bei einem tragischen Zugunfall ums Leben - kurz bevor das Label den Vertrag der Gruppe kündigt, da ihnen das Cover ihres Debütalbums zu provokativ ist. Auch Dumile schwört Rache - an der Musikindustrie. Die Maske wird zu seinem Erkennungszeichen.

Reimgewitter über Fahrstuhlmusik

Staubtrockene Boom-Bap-Beats, Bläser und Scratches treffen auf 60er-Jahre-Electric-Piano, seichten Frauengesang und Samples, die man wohl eher aus dem Kaufhaus-Fahrstuhl kennt.

Darüber rappt Doom völlig unkonventionell, kümmert sich wenig um Reimschemata oder dergleichen und packt gerne mal mehr Worte als notwendig in eine Zeile. Seine Stimme bleibt dabei immer ruhig, beinahe unmotiviert. Das macht die Tatsache, dass er Reime auf jedes noch so ungewöhnliche Wort für mindestens sechs weitere Zeilen aufrecht erhalten kann, beinahe nebensächlich. "Operation Doomsday" ist ein ein Gesamtkunstwerk, vollgepackt mit Sounds und Zitaten aus den Marvel-Zeichentrickserien, die teilweise geloopt in die Tracks mit eingebaut sind. Dazu kommen hörspielartige Erzählungen - unterlegt mit Beats, die für einen fließenden Übergang zwischen den Rap-Tracks sorgen.

MF Doom aka...

Das Album wurde umgehend zum Underground-Klassiker und MF Doom zu einem der prägendsten Rapper der Nullerjahre - mit einer ausschweifenden Vorliebe für neue Projekte und Alter Egos: Als MF Doom, Viktor Vaughn und King Geedorah bringt er weitere Rap-Alben heraus, als Metal Fingers Instrumental-Platten, zusammen mit Madlib wurde er zu Madvillain und mit Dangermouse zu Dangerdoom. Sogar mit Thom Yorke hat er Tracks aufgenommen. Die Maske hat er dabei, trotz des großen Erfolges, immer noch nicht abgenommen. Denn sein Kampf gegen die Industrie ist zum Glück noch nicht vorbei.


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