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Ruhmeshalle Company Flow – Funcrusher Plus

Heute gibt es einen klaren Unterschied zwischen Mainstream- und Underground Rap. Das war aber nicht immer so. Denn erst 1997 sorgten Company Flow mit "Funcrusher Plus" für die Geburtsstunde des Independent Raps.

Von: Florian Nöhbauer

Stand: 12.04.2012 | Archiv

Company Flow Funcrusher Plus | Bild: Rawkus Records

"Fucking unglaublich" und "Ich will diese Typen erschlagen, weil ihr nervtötender Sound mir das Gehirn zerfetzt". Das sind die einzigen zwei Gedanken, die das Album "Funcrusher Plus" zulässt. Ein "Joa, ist ganz okay" gibt es nicht. Ich entschied mich für Reaktion Nummer eins - obwohl die unglaubliche Einschlagskraft dieses Albums vor allem erst im Kontext seiner Zeit deutlich wird.

Es ist 1997. HipHop besteht aus Nas, Gang Starr oder Jeru The Damaja. Die Charts sind dominiert vom weichgespülten Sound eines Puff Daddy, der mehr als andere auf tanzbare Discosamples setzt. Im Endeffekt unterscheiden sich Underground und Mainstream allerdings kaum. Underground, das waren Bands, die einfach weniger bekannt waren. Dann erscheinen Company Flow auf der Bildfläche und kreieren einen klar definierten Gegenpol: wild, minimalistisch, dreckig und vor allem ehrlich.

Rap aus dem Kellerstudio

Albumcover "Funcrusher Plus" von Company Flow | Bild: Rawkus Records

Company Flow – Funcrusher Plus (Cover)

Mit ihrer Low-Budget-Produktion für "Funcrusher Plus" scheren sich Company Flow einen Dreck um Verkaufszahlen. Die drei New Yorker nennen sich selbst "independent as fuck". Producer und Rapper El-P bastelt völlig neuartige Beats, indem er größtenteils auf Refrains und soulige Samples verzichtet -im Mainstreamrap waren genau diese Zutaten der Schlüssel für die Charts. Hier regiert der Minimalismus.

Zu diesen Beats und den Cuts von Mr. Len rappen El-P und sein Kollege Bigg Jus völlig frei, geben wenig auf Takt und Reimschemata. Ihr unglaublich komplexer Stil ist dermaßen vollgepackt mit abstrakten Ideen und Referenzen, dass man selbst nach dem 20sten Mal hören immer noch nicht alles mitbekommen hat.

Hier entsteht eine Kampfansage an die Rap-Industrie, die mit einer Mischung aus Battle-Raps, popkulturellen Referenzen und Verschwörungstheorien auf einfachen, dreckigen und düsteren Beats daherkommt. Es ist eine Ohrfeige für Puff Daddy & Co., die sich in ihren Musikvideos goldkettenschwingend am Pool selbst feiern. Denn Company Flow zeigen ihnen, dass es für Rap nicht mehr braucht als ein kleines Kellerstudio.

Vom Battle-Rap zum Indie HipHop

Funcrusher Plus wird das erste große Ausrufezeichen des Underground-Rap. Company Flow schlagen als Pioniere die Brücke vom Hardcore Battle-Rap der 90er zum abstrakten Indie-HipHop der 00er Jahre. Für die Band selbst ist leider schon bald Schluss: Nach zwei weiteren Maxis und einem Instrumental-Album lösen sie sich 2000 auf. Trotzdem bleibt "Funcrusher Plus" ein Meilenstein der Rap-Geschichte.

Wenn ich mir die Platte heute anhöre, merke ich erst, wie weit das Album seiner Zeit voraus war. Denn selbst 15 Jahre später kommt es mir immer noch extrem experimentell vor – und eben "independent as fuck".


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