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Ruhmeshalle Bruce Springsteen - Born To Run

Bruce Springsteen ist der Boss. Keiner packt die Sehnsucht nach einem "Raus Hier" besser in Worte und Töne. Der Beweis dafür ist "Born To Run". Das Album ist künstlerisches Meisterwerk und Kommerz-Schlager zugleich.

Stand: 19.03.2010 | Archiv

Bruce Springsteen - Born to Run | Bild: dpa/ picture-alliance

"The screen door slams/Mary's dress waves". Mit diesen Zeilen aus "Thunder Road" beginnt Bruce Springsteens Reise ins große Ungewisse. Er ist auf der Flucht. Auf der Flucht vor dem lähmenden Alltagstrott, auf der Flucht vor dem Moloch New Jersey, das ihn zu ersticken droht. Kaum ein Künstler versteht es besser, den romantischen Eskapismus eines jungen Menschen so fesselnd in Wort und Ton zu packen wie Springsteen im Jahr 1975. Zurecht werden die Texte seines dritten Albums oft als "cinematic drama" gepriesen.

Allein der Titelsong braucht sechs Monate Studiozeit

Alles oder Nichts – dieser thematische Leitsatz zieht sich wie ein roter Faden durch "Born to Run". Kein Wunder, denn Springsteen steht Mitte der 70er Jahre nach zwei nur mäßig erfolgreichen Alben auf der Abschussliste seines Labels. Jetzt muss endlich der Durchbruch her. Doch statt eine seichte Konsens-Pop-Platte vorzulegen, schreibt Bruce das ambitionierteste Werk seiner Karriere. Die Songs sind Mini-Epen, manche knapp zehn Minuten lang, verpackt in eine von Phil Spector inspirierte Wall-of-Sound-Produktion. Allein der Titelsong von "Born to Run" verschlingt sechs Monate Studiozeit. Trotzdem wird das Album sein erster großer kommerzieller Erfolg.

In den 80ern galt er als uncool, heute wird er verehrt

Bruce Springsteen - Born To Run (Cover)

"Born to Run" vereint die musikalischen Vorlieben Springsteens in faszinierender Leichtigkeit: Egal ob dreckige Soul-Bläser bei "Tenth Avenue Freeze-Out" oder ein Bo-Diddley-Beat bei "She's the One", der Boss hat seine Wurzeln im Rock'n'Roll und Soul der 50er und 60er Jahre. Getragen werden die Songs von der perfekt harmonierenden E-Street Band, die mit Drummer Max Weinberg, Pianist Roy Bittan und Clarence Clemons am Saxofon drei Ausnahmemusiker vorweisen kann. Vor allem Bittans punktgenaues Klavierspiel färbt die Grundstimmung des Albums, das Springsteen selbst komplett auf dem Piano komponiert.

"Tramps like us, baby we were born to run". Auch nach 35 Jahren hat "Born to Run" nichts von seinem Zauber verloren. So zeitlos wie die Songs und ihre eskapistischen Texte ist auch das ikonische Cover, das Springsteen lässig mit Lederjacke und einer Fender-Telecaster zeigt. Nachdem er in den 80er und 90er Jahren bei vielen als uncool galt, entdecken heute immer mehr junge Menschen Bruce Springsteen für sich. Bands wie The Gaslight Anthem, Against Me! und Frank Turner verehren den Boss abgöttisch und setzen ihm mit ihrer Musik und ihren Texten ein Denkmal.


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