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Ruhmeshalle Nelly - Country Grammar

Das Jahr 2000: Nelly tritt auf den Plan, erobert mit seinem Pop-Rap die Musikwelt - und verdrängt die Gangster-Rapper von der Chartspitze. Der Lohn: Diamond-Status für "Country Grammar" - zehn Millionen verkaufte Exemplare.

Von: Malcolm Ohanwe

Stand: 11.08.2016 | Archiv

Nelly | Bild: Universal

"Ruft die Polizei, es gibt einen Raubüberfall! Die Lunatics stehlen jetzt die Show." Lunatics, die HipHop-Crew um Nelly, haben im Jahr 2000 eine komplett neue Ära des kommerziellen Hip-Hops angekündigt - zu hören im Song "Steal the Show" auf Nellys Album "Country Grammer". Sie sollten Recht behalten - und Nelly Vorreiter einer neuen Rap-Generation werden.

Statt Knarren, Beef und Mord, lieber Frauen, Chicken und Partys

Nachdem die Rapwelt langsam über die dramatischen Tode der East- und West-Coast-Legenden 2Pac und The Notorious B.I.G. hinweg kam, läutete Nellys "Country Grammar" pünktlich zur Jahrtausendwende das Zeitalter des melodischen Pop-Raps ein und löste damit den ernsten Gangsta-Rap der 90er Jahre als dominante Form des Mainstream-Hip-Hop ab. Egal ob Ja Rule, Ludacris, Chingy oder Fat Joe: Inspiriert durch Nellys Erfolg setzten Mitte der 2000er viele auf semi-gesungene Hooks, und rappten nicht über Knarren und Bandenkriege, sondern über dicke Bootys, Chicks und Partys. Nellys "Country Grammer" war der Beginn der Fun-Rap-Ära.

Das Album ist zwar weit davon entfernt, künstlerisch anspruchsvoll zu sein, aber "Country Grammar" soll auch einfach nur Spaß machen. Der Text ist teilweise sinnbefreit, schämt sich dafür aber auch nicht. Warum auch? Hooks, die man den ganzen Sommer nicht aus dem Kopf bekommt, und Themen, die einen nicht überfordern. Manchmal braucht es einfach nicht mehr – und Millionen greifen im CD-Regal zur Scheibe des Rappers aus dem mittleren Westen.

Nelly machte es cool, "country" zu sein

Nicht nur Nellys poppiger und sorgenfreier Singsang prägt die Hip-Hop-Welt, auch seine Sprache tut es: Nelly macht es cool, ein Country Bumpkin, also ein Landei zu sein und auch so zu klingen. Mit "Country Grammar" macht er seine "Bauerngrammatik" salonfähig und repräsentiert mit Stolz seine Heimat St. Louis: Aus "Rap Something" wird "Wrap Sumden" und aus "Throw These Wrappers" wird "Tho Dem Wrappas". Es ist die unverkennbare Zusammenführung aus seinem Mid-West-Country-Charme mit den extrem eingängigen Refrains auf Singles wie "Ride With Me" oder "E.I.", welche Hip-Hop radiotauglich wie selten zuvor macht - vor allem auch außerhalb der Vereinigten Staaten. 

"Country Grammar" hat also den Grundstein für eine komplett neues Zeitalter im Hip-Hop gelegt. Die Platte ebnete den Weg für weitere St. Louis-Rapper wie Chingy und seinem Hit "Right There", aber auch für Perlen des seichten Pop-Rap à la "Dilemma", "Always On Time" und "What's Luv?", die ohne "Country Grammar" wohl nie die Charts gestürmt hätten. Dass "Country Grammar" weit über 10 Millionen Mal gekauft und jetzt mit einer Diamond-Schallplatte ausgezeichnet wurde, beweist die Durchschlagskraft dieses Albums. Schon Jay-Z wusste: Männer lügen, Frauen lügen, aber Zahlen lügen nie.


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