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Ruhmeshalle James Brown - Live At The Apollo

Manchmal muss man einfach auf die Meinung der anderen scheißen - vor allem, wenn man James Brown ist. Der Godfather des Soul legte mit seinem Album "Live At The Apollo" 1963 das vielleicht beste Live-Album der Geschichte hin.

Von: Florian Kreier

Stand: 22.04.2014 | Archiv

Der amerikanische Soulsänger James Brown während seines Auftritts im Berliner Sportpalast am 15. September 1967  | Bild: picture-alliance/dpa

James Brown ist Anfang der 60er-Jahre einer der größten Stars der afroamerikanischen Community - ein Hochbegabter, notorischer Workaholic, besessener Künstler und Musiker. Hart gegen sich und seine Mitmenschen. In seinen Songs präsentiert er sich dagegen von seiner weichen Seite. Die harte Seite von James Brown wird zehn Jahre zuvor aus der Haft entlassen. Vier Jahre Knast für einen bewaffneten Raubüberfall. Danach wird ihm klar, dass Überfälle Quatsch sind. Lieber will er nur noch Musik spielen - und zwar Tag und Nacht. Spitzname: "Hardest working man in show business". Und zwar mit einem Dickschädel, dass sich Bandkollegen und Veranstalter reihenweise von ihm trennen. Ist ihm aber wurscht.

Die coolsten Shows des Jahres

1962 hat James Brown Bock, eine Woche lang mit seiner Band The Famous Flames im Apollo Theatre zu spielen, dem coolsten Club in Harlem, New York City. Sein Manager findet, das sei Zeitverschwendung. James will aber unbedingt, also bucht er den Laden eben selbst. James Brown will außerdem, dass die Shows aufgezeichnet werden. Sein Manager findet auch das nicht gut und weigert sich, die Technik dafür zu buchen. Also kümmert sich James einfach selbst darum. Am Ende sind die Konzerte im Apollo Theatre die coolsten Shows des Jahres. Alle wollen hin, die sechs Konzerte sind restlos ausverkauft. Und irgendwann passen auch die Aufnahmen - das ist bei James Brown nicht so einfach. Er misst nämlich alle Menschen an seinen eigenen Maßstäben, und der Godfather of Soul ist nicht nur arbeitswütig, sondern auch Perfektionist. Am sechsten Aufnahmetag sind dann aber alle zufrieden, bis auf den Manager, der weigert sich nämlich, ein Live-Konzert als Album rauszubringen.

Das beste Live-Album aller Zeiten

James Brown - "Live At The Apollo"

James Brown bringt die Platte dann zwar nicht selbst raus, aber er weigert sich einfach so lange, neue Aufnahmen für sein Label King Records zu machen. Bis sein Manager nach einem Jahr entnervt einlenkt und James sein Live-Album veröffentlichen lässt. Und natürlich hätten wir die ganze Geschichte nicht erzählt, wenn "Live At The Apollo" nicht alle Rekorde gebrochen hätte: 66 Wochen in den Charts. Erstes Album eines schwarzen Künstlers, das eine Million Mal verkauft wird. Erstes Live-Album, das mehr als eine Million Mal verkauft wird. In der Liste der 500 Besten Alben aller Zeiten des Rolling Stone auf Rang 25 - und somit das Beste Live-Album aller Zeiten. James Brown macht sich damit endgültig zum uneingeschränkten Godfather des Soul. Wie alle arbeitswütigen Perfektionisten wird es für ihn an dieser Stelle langweilig - man soll ja eh aufhören, wenn es am schönsten ist. Er macht sich lieber auf, den Funk zu erfinden. Aber diese Geschichte gibt's beim nächsten Mal.


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