Jetzt If You Want To Beabadoobee

Info beabadoobee aka Bea Kristi ist auf den Philippinen geboren und in London aufgewachsen. Kein Wunder, dass sie sich darauf versteht, Indie-Gitarren perfekt mit einem "Strandspaziergang bei Sonnenuntergang"-Gefühl zu verknüpfen.

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Tracks der Woche #41/16 Kishi Bashi, Haiyti, Jones, Autonomics, Mura Masa feat. A$AP Rocky, Bilderbuch

Haute cuisine bei den Tracks der Woche: Fusionsküche, eine Frau, die gut mit Messern umgehen kann, ein Verwöhn-Menü, ein amerikanischer Klassiker und eine Komposition für Gourmets. Bon Appétit!

Von: Sophie Kernbichl

Stand: 14.10.2016 | Archiv

Kishi Bashi, Mura Masa, Haiyti, Jones, Autonomics, Bilderbuch | Bild: Josh Sinner, Shervin Lainez, Annett Bonkowski, Niko Ostermann

Kishi Bashi – Can’t Let Go, Juno

Immer wieder bedienen sich ausländische Bands der deutschen Sprache für ihre Albumtitel: zum Beispiel die Smashing Pumpkins ("Zeitgeist") oder Wild Beasts ("Wanderlust"). Oft sind es Begriffe, die in den englischen Sprachgebrauch übergegangen sind, manchmal aber auch einfach deutsch klingende Fantasiewörter – so wie bei Kishi Bashis neuem Album "Sonderlust". Für Kishi Bashi steht "Sonderlust" für die Erkenntnis, dass ein Fremder auf der Straße ohne unser Wissen ein ganz anderes, aber sehr komplexes Leben führt. Ganz schön tiefgründig. Der 41-Jährige ist nicht nur Hobbyphilosoph, sondern auch Gründungsmitglied der Indie-Rock-Band Jupiter One - und außerdem ein begnadeter Violinist, weshalb das vorherrschende Instrument auf seinem Solo-Debütalbum "151a" auch die Geige war. Auf seiner aktuellen Single "Can’t Let Go, Juno" mischt Kishi Bashi sein Lieblingsinstrument mit elektronischen Klängen, sodass zusammen mit seinem Gesang eine sanfte Fusion entsteht. Bleibt nur noch die Frage, wer diese Juno ist, von der sich Kishi Bashi nur so schwer trennen kann. Ob er vielleicht auch immer noch in Ellen Pages fiktiven Charakter "Juno" aus dem Coming-of-Age-Klassiker verliebt ist?

Haiyti – Globus

Wir brauchen mehr weiblichen Cloud-Rap! Dafür schon mal danke, Haiyti. Auch wenn es für die Hamburgerin gar nicht so leicht war, gesignt zu werden, weil sie immer wieder in der "Frauenrap"-Schublade gelandet ist. Aber seit ihrem Album "Havarie" aus dem Jahr 2015 ist wohl jedem klar, dass Drogen-Gelaber, Trap-Beats und lo-fi Videos - in denen man sich selbst einfach mal übertrieben abfeiert - voll Haiytis Ding sind. Von Perfektionismus hält Haiyti aka Robbery nicht viel. Wichtiger als HD-Videos zu machen ist ihr, dass sie ihre Musik möglichst schnell raushauen kann. Und genau das macht den Charme des selbsternannten Girlboss-Gangsters aus: Das Video zu ihrer aktuellen Single "Globus" ist unfreiwillig die perfekte Darstellung eines Sonntagnachmittags. Und außerdem ist "Globus" quasi ein Liebeslied: "Schließe deine Augen und gib mir die Hand". Dass Haiyti selbst auch mal sanftere Musik hört, hat sie schon mit ihrem Track "Messer" bewiesen, in dem sie aus AnnenMayKantereits "Pocahontas" zitiert. Zu soft wird es bei ihr aber trotzdem nicht werden, denn wenn Haiyti eins nicht leiden kann, dann ist das verweichlichter "Müsli-Rap".

Jones – Indulge

"Indulge" heißt so viel wie "verwöhnen" - und das passt, denn Cherie Jones oder kurz JONES verwöhnt uns tatsächlich mit ihrer neuen Single: Eine butterweiche Stimme und ruhige Beats streicheln die Ohren. 2015 veröffentlichte JONES ihre EP, die von Rodaidh McDonald produziert wurde, der auch schon mit Daughter und The XX gearbeitet hat. Mit der Single "Hoops" hat die Londonerin im selben Jahr schon auf sich aufmerksam gemacht – nicht zuletzt weil Sam Smith sie abgefeiert hat. Und jetzt legt JONES mit ihrem neuen Album "New Skin" nach, auf dem ihr Song "Indulge" quasi ein neues Gewand bekommt. Auch wenn man es ihrer Musik nicht gleich anhört, die Sängerin hat eine Vorliebe für die etwas finstereren Gestalten der Kunst. Musikalisch ist sie ein großer Fan von Lykke Li und im Kino darf es gerne auch mal ein Film von Tim Burton sein. Wenn es aber um die Inspiration für ihre eigene Musik geht, hat sie auf Künstler wie Little Dragon und Stevie Wonder zurückgegriffen. Dank dieser doch sehr abwechslungsreichen Mischung hat die britische Künstlerin ihren ganz eigenen Sound irgendwo zwischen Soul und Pop kreiert.

Autonomics – Superfuzz

Indie-Rock. Ohne Synthie. Wie früher in den 90ern. Manche nennen es auch Garage-Pop. Egal wie man es betitelt, Autonomics liefern straighten Sound auf ihrer neuen Single "Superfuzz". Die Band - bestehend aus den Zwillingsbrüdern Vaugh und Evan Leikam und Frontmann Dan Pantenburg - hat 2013 ihr erstes Album "Trust Your Instincts" rausgebracht und an dieses Credo halten sich die drei Jungs aus Portland immer noch. Autonomics sind die Art von Band, bei der man wahnsinnig gerne mit auf Tour wäre, weil sie aussehen, als hätten sie verdammt viel Spaß bei dem, was sie machen – ein bisschen so wie bei den Foo Fighters. Dazu tragen auch die witzigen Musikvideos bei. In dem zu "Superfuzz" sollen zwei Polizisten eine Party auflösen, auf der die Autonomics live spielen. Stattdessen rauchen und trinken die zwei Cops mindestens so viel wie die Gäste und haben die beste Zeit ihres Lebens. Ob es nach der zwei Jahre langen Pause jetzt wieder regelmäßig neue Songs von dem Spaß-Trio gibt? Das wäre fein. Bringt uns bitte den 90er-Alternative-Rock zurück, Autonomics.

Mura Masa feat. A$AP Rocky – Love$ick

Electroproducer und Rapper – die Kombi ist mittlerweile so etabliert wie Tomate und Mozzarella. Wenn der beteiligte Produzent aber der britische Mura Masa ist und sich im Rap-Part niemand geringeres als A$AP Rocky die Ehre gibt, dann kann man mehr erwarten als einen Standardtrack. Wie ein Gericht in einem Sternelokal besteht "Love$ick" aus verschiedenen Komponenten, die vielleicht auf den ersten Blick gar nicht zusammenpassen: Rap mit tropischen Hang-Drums? Warum nicht? An Basilikumeis haben wir uns doch auch gewöhnt. Und für alle Traditionalisten gibt es einen schick gepitchten Refrain mit gut Bass und dem klassischen Stadion-Hupen-Sample. Davon nimmt man doch gerne noch einen Nachschlag. An selbigem arbeitet Mura Masa auch schon, aber auf sein Debütalbum müssen wir noch etwas warten. Immerhin der Titel steht schon mal: "To Fall Out Of Love To". Die Songs darauf sollen auch vom Entlieben handeln. "Über das Verliebtsein zu schreiben ist langweilig. Ich finde es reizvoller, Dinge zu betrachten, die vorbei sind und dadurch langsam in der Ferne verblassen.", sagt der Songwriter mit dem japanischen Namen selbst. Vielleicht gibt es deshalb vorher noch mal diesen Lovesong mit A$AP Rocky – als Appetizer sozusagen.

Bilderbuch - I <3 Stress

"Es gibt zu wenig Sex in der deutschsprachigen Musik, ganz grundsätzlich! Für die Sexyness muss man aber arbeiten". Knallharte Analyse von Maurice Ernst, seines Zeichens Frontmann von Bilderbuch. Wie viel Sex steckt also in der neuen Single der Österreicher? Ein Herz-Symbol findet sich schon mal im Titel – "I <3 Stress" heißt der Song. Auch sonst ist von Toyboys und Sex on the Beach die Rede. Also ja, da wurde Arbeit reingesteckt - genau wie in das verspulte Songwriting. Wie Hütchenspieler bringen Bilderbuch Musik-Genres durcheinander und lassen dadurch etwas vollkommen neues entstehen. Da treffen düstere Beats auf spontane 80er-Synthie-Explosionen, Party-Trompeten auf die Heys und Hos von Naughty By Nature. Total verrückt und doch passt es. Bilderbuch treten abermals den Beweis an, dass auch deutschsprachige Rockmusik vorangehen und sogar cool sein kann.


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