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Tracks der Woche #34/16 Adiam, James Hersey, Hiob & Pierre Sonality, Ball Park Music, K. Flay

Von einer selbstbewussten Sängerin zum selbstsicheren Auswanderer, von der selbstvermarktenden Künstlerin zur selbstironischen Indieband – das sind die selfmade-men and women der Tracks der Woche.

Von: Sophie Kernbichl

Stand: 19.08.2016

Tracks der Woche KW 34 | Bild: Montage: BR // BR, Universal Music Group, EmbassyOfMusic, Lauren Dukoff,

Adiam – Fearless (FTSE Remix)

Läuft da noch ein zweiter Song in einem anderen Tab? Nein. Es läuft einzig und allein "Fearless" von Adiam Dymott und der Track wird seinem Namen gerecht: Nach der umjubelten Single "Dead Girl Walking" geht Adiam mit "Fearless" aus der Defensive und mischt mutig R’n’B mit EDM zu einem souligen Experimental-Pop-Song. Über ihr neues Album "Black Wedding" sagt Adiam: "To me the album is about describing different emotional states and being honest with your feelings whether they are good or bad". Zusatzbonus: Die Schwedin mit eritreischen Wurzeln ist eine dieser Frauen, der große Schlapphüte stehen und die auch mit tätowierten Fingern noch classy as fuck aussieht.

James Hersey – Miss You

Die Liste der Artists vom Label Glassnote Records lesen sich wie Indie-Charts: CHVRCHES, Daughter, James Hersey, Phoenix, Two Door Cinema Club – Moment. James Hersey? Ok, der Austro-Amerikaner ist noch nicht ganz so fame wie seine Labelkollegen, aber das ist in Arbeit. Letztes Jahr war er noch bei Lichtdicht Records, der Plattenfirma von Milky Chance. Mit selbigen ging er dann auf US-Tour. Und auch seine aktuelle Single "Miss You" klingt verdächtig international: Easy-Going-Electro-Pop mit einem anspornenden Drive und einer fast naiven Verträumtheit. Letztere kommt vermutlich daher, dass sich James gerne mal alleine in den Wald zurückzieht - also doch ziemlich down to earth, der Bursche.

Hiob & Pierre Sonality – Über Uns

Der Berliner MC Hiob aka V.Mann hat sich mit seinem Buddy Pierre Sonality für einen Track mit überraschend positiven Vibes zusammengetan. Sonst eher der ausgiebigen Systemkritik verpflichtet – wenn du Hiob heißt, sind schlechte Nachrichten halt dein Ding – schlägt das Rap-Duo jetzt mit „Über Uns“ etwas versöhnlichere Töne an. "Zwei Freunde, die sich hart gönnen, durstig durch die Kneipen ziehen und stets ein fröhliches Lied auf den Lippen haben." – so beschreibt Pierre Sonality die Kollabo. Im Video zu "Über Uns" kreieren die beiden außerdem den Modetrend des Sommers: Skibrillen. Warum Skibrillen? Weil es Hiob & Pierre Sonality einen Scheiß interessiert, ob Sommer oder Winter ist.

Ball Park Music – Whipping Boy

"If I become a target will you miss me?" - mit ihrer aktuellen Single „Whipping Boy” beweisen Ball Park Music einmal mehr ihren ausgeprägten Sinn für Humor. Die Songs des Indie-Quintetts tragen Titel wie "Sad Rude Future Dude" und "Rich People Are Stupid". Ihr Studio-Session-Video zu "Nihilist Party Anthem" haben die Australier mit so herrlich selbstironischen Kommentaren untermalt, dass man vor lauter Lachen kaum noch zum Zuhören kommt. Das lohnt sich aber! "Whipping Boy" vereint Frontman Sam Cromacks einfühlsame Stimme mit einem der coolsten Gitarrenriffs seit "Little Sister" von Queens of the Stone Age. Und als hätte der Song nicht schon genug Sogwirkung, gibt es auch noch ein trippy Video im Burning-Man-Stil dazu.

K.Flay – Blood in the Cut

Viele Künstler schreiben sich auf die Kappe, über Grenzen hinweg zu schauen – bei K. Flay stimmt das endlich mal. Das spiegelt sich musikalisch in ihren Tourpartnern (u.a. Passion Pit, Snoop Dogg und Awolnation) wieder, genauso wie in ihrer gespaltenen Beziehung zu Majorlabels: RCA Records hat sie verlassen, um 2014 ihr Debutalbum "Life As A Dog" per Crowdfunding im DIY-Style zu veröffentlichen. Für ihre neue EP hat sich die 31-Jährige mit Night Street Records zusammen getan – mit dem Ergebnis, dass ihre neue Single „Blood in the Cut“ zwar erwachsener, aber trotzdem dreckig klingt. War man bisher eher Rap-Parts à la Angel Haze von der Stanford-Absolventin mit der Bierflasche in der Hand gewohnt, klingt sie hier fast ein bisschen nach Dillon – aber weniger zärtlich und mehr in your face.


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