Jetzt Topanga Trippie Redd

Info Der Topanga Canyon gilt seit Jahrzehnten als place to be für Hippies - das wussten schon Neil Young und Dennis Hopper. Auch Trippie Redd scheint sich nach diesem Ort zu sehnen: Im Video zu "Topanga" spielt er einen Sektenanführer.

Tracks der Woche #27/18 Tash Sultana, Amilli, POLY POLY, Agar Agar, Lizzo

Tash Sultana verkauft die Hallen aus, Amilli kommt vom Abi ins Radio und Lizzo macht R’n’B wie in den 2000ern. Außerdem: Beat-Bastellein aus München und lasziven 80er-Sound aus Paris. Unsere Tracks der Woche.

Von: Jakob Wihgrab

Stand: 28.06.2018 | Archiv

Tracks der Woche 26 | Bild: Stephan Rether, Sony Music, Dillan Rais, Jabari Jacobs, Sonstige

Tash Sultana – Salvation           

Tash Sultana ist ein musikalisches Phänomen. Die 22-jährige Australierin ist nicht nur eine unfassbar gute Gitarristin, sondern hat sich auch noch diverse andere Instrumente selbst beigebracht, zum Beispiel: Bass, verschiedene Flöten, Klavier, Mandoline, Mundharmonika, Saxophon oder Trompete. Außerdem ist sie Loop- und Beatboxkünstlerin und tritt bei ihren gefeierten Live-Shows als One-Woman Band auf. Apropos Live-Shows: Obwohl das Multi-Talent noch nicht einmal ein ganzes Album veröffentlicht hat, sind im September bereits drei Shows hintereinander im Kölner Palladium und zwei Shows in der Berliner Columbiahalle ausverkauft! Hype ist hier gar kein Ausdruck mehr. Und das gruseligste: auch noch völlig zu Recht!

Amilli – Rarri     

Straight Outta Gymnasium. Die 18-jährige Amilli aus Bochum ist gerade erst mit dem Abitur fertig und startet schon voll durch. Ihren Künstlernamen hat sie sich zwar bei einem Lil Wayne Song geliehen, musikalisch geht sie aber ganz andere Wege: ein über alle Maßen entspanntes Gitarrenriff legt sich bei „Rarri“ über dezente Beats aus der Drum-Machine. Der Mix aus Singer/Songwriter, R’n’B und dezentem Soul klingt mal nach Tom Misch, mal nach Marian Hill - aber auf keinen Fall nach 18. Auch thematisch entfernt sich Amilli von ihrem Namensgeber: Auf „Rarri“, das kurz für Ferrari steht, beklagt sie sich über die Markengeilheit ihrer Freunde, aber auch ihrer musikalischen Vorbilder. Gibt halt Wichtigeres im Leben. Vor allem wenn man gerade eine steile Musikkarriere startet.

POLY POLY – Can’t Hide Pt. 1

POLY POLY ist das neue Projekt von Beatbastler Han$ Hu$tle und Synthesizer-Maniac Volt Age aus München. Auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum groovt es auf jeden Fall gewaltig: Die beiden verarbeiten Einflüsse aus Hip- und Trip-Hop, R’n’B und Jazz und greifen dabei ganz tief in die Effektkiste: diverse Synthie-Sounds und verspielte Percussion legen die Grundlage für den durch Vocoder oder Autotune maximal verfremdeten Gesang. Das klingt nicht nur absolut organisch und durchdacht, sondern regt auch zum Tanzen an. Da kann man dann auch mal über die ein oder andere abgedroschene Textzeile hinwegsehen.

Agar Agar – Sorry About The Carpet 

Das Pariser Duo Agar Agar, benannt nach der japanischen Gelatine, macht entschleunigten Techno, nicht für den heißen Dancefloor, sondern für den Afterglow danach, für das Herunterkommen, das Heimlaufen, das Treppenhaushochwabern und ins Bett fallen. Überkandidelte 80er-Jahre Bassläufe treffen auf verträumte, krautrockartige Synthie-Wellen, während das maximal zurückgenommene Schlagzeug die Coolness zum Übersprudeln bringt - soweit das möglich ist. Getragen werden die Songs von Clara Cappaglis lasziv geheimnisvoller Stimme, die einem kryptische Textfetzen über Löcher in Socken oder zerbrochene Eier ins Ohr säuselt – wohl die Überreste einer aus dem Ruder gelaufenen Hausparty. Katerstimmung. Aber eben die Art, bei der sich langsam und schleichend wieder die Lust auf den nächsten Rausch anbahnt.

Lizzo – Boys

Als Ciara 2005 ihren Welthit „1, 2 Step“ veröffentlichte, bezeichnete man das als „zeitgenössischen R’n’B“. „Boys“, die neue Single von Alternative Hip-Hop Artist Lizzo, klingt nicht nur auf den ersten Klick wie Ciaras Evergreen, sondern auch heute irgendwie aus der Zeit gefallen. Was den Song dann wiederum spannend macht. Schon verrückt wie dieses Musikbusiness funktioniert: Da etabliert sich jahrelang ein Genre, wird dann populär, nur um wieder gebrochen und mit einem „Neo“ oder „Post“ versehen zu werden – und um sich dann wieder, ganz retro, zu wiederholen. Jedenfalls hat man wohl lange keinen so geradlinigen und konsequenten 2000er R’n’B gehört wie hier. Und das ist, zwischen dem ganzen Cloud-Rap und dem genauso verschwurbelten wie elektronischen Dance-Pop von heute, auch mal wieder ganz erfrischend.

Sendung: Freundeskreis, 02.07.2018 - ab 10.00 Uhr