Tracks der Woche #21/17 Matija, Mura Masa feat. Desiigner, Superfood, LGoony, Ainslie Wills

Was die Tracks der Woche diese Runde besonders macht: allererste Singles, Rapper, die sich als Sänger versuchen und Energie, Skills und grandiose Stimmen.

Von: Sophie Kernbichl

Stand: 19.05.2017

Matija, Mura Masa feat. Desiigner, Superfood, LGoony, Ainslie Wills | Bild: Matija, Mura Masa feat. Desiigner, Superfood, LGoony, Ainslie Wills

Matija - Song for Celine

Die Debütsingle ist für jede Band etwas ganz besonderes: Nach gefühlt ewigem Rumgebastel drückt man den Enter-Button und hofft dann inständig, dass irgendjemand es hört und gut findet. Wenn die Premiere aber so gelungen ist wie der Track "Song for Celine" der Alternative-Pop-Band Matija, dann hat man eigentlich nichts zu befürchten. Wie der Titel schon vermuten lässt, handelt es sich hier im weitesten Sinn um eine Ballade. Sänger und Bandnamensgeber Matija Kovac variiert seinen Gesang eindrucksvoll zwischen Strophe und Refrain und anstatt monotoner Hintergrundbegleitung tut sich auch instrumental einiges. Kein Wunder, denn Matija sind nach eigener Aussage eine Band, in der jedes der vier Mitglieder jedes Instrument beherrscht. Für den Videodreh sind die Wahlmünchner nach Brighton gejettet, was sich sichtlich gelohnt hat: Klippen so bleich wie die Haut des Sängers und schäumendes Meer so aufgewühlte wie die Stimmung des Songs.

Mura Masa feat Desiigner - All Around the World

Läuft beim britischen Produzent Mura Masa: Auf seinem bald erscheinenden Debütalbum leiht die A-List des Pop und HipHop dem 21-Jährigen ihre Stimmen. Für seine aktuelle Single "All Around The World" hat Mura Masa den gefeierten Newcomer Desiigner verpflichtet, der 2016 mit "Panda" seinen Durchbruch geschafft hat - damals ordentlich gepusht von Kanye West. Auch wenn "All Around the World" keine klassische Trap-Nummer ist und von den optimistischen Beats getragen wird, hört man in den Strophen das bevorzugte Genre des New Yorker Rappers deutlich durch. Wie Mura Masa es allerdings geschafft hat, Desiigner im Refrain zum Singen zu bringen, bleibt ein Rätsel. Der Kerl kann scheinbar sehr überzeugende Emails schreiben, denn die beiden haben sich erst im April zum ersten Mal persönlich getroffen, bei ihrer gemeinsamen Performance auf dem Coachella. Und der nächste Gig von Mura Masa? Beim PULS Open Air auf Schloss Kaltenberg.

Superfood - I Can’t See

Açai-Beere, Chiasamen und Yacon - die meisten Lebensmittel mit dem gut zu vermarktenden Stempel Superfood sind arschteuer und schwer auszusprechen. Erfreulicherweise ist das englische Duo Superfood aber viel unkomplizierter als ihr Bandname es vermuten lässt. Das beweisen Dom Ganderton und Ryan Malcolm mit ihrer tiefenentspannten Single "I Can’t See". Das Schlagzeug vermittelt karibische Urlaubsstimmung, es wird fröhlich an der Gitarre gezupft - und etwas benebelt von Euphorie darüber gesungen, wie schön es ist, jemanden zu haben, der im entscheidenden Moment für einen da ist. Dieser Track pusht mit seiner unaufgeregten Zuversicht die Laune jedenfalls mindestens genauso wie ein Goji-Beere-Matcha-Smoothie. "I Can’t See" klingt aber nicht nur nach Sommer, sondern auch nach vergangenen Brit-Pop-Zeiten. Und genau davon haben Superfood hoffentlich noch mehr auf ihr kommendes, zweites Album gepackt.

LGoony - Paper

"Skinny Dude, aber dick im Geschäft" - so beschreibt sich LGoony auf seinem neuen Track "Paper" selbst. Ansonsten gibt er auf der Single unmissverständlich drei Dinge zu verstehen: Er hat mehr Fame und Skills als alle anderen, keiner sieht so fresh aus wie er und - besonders wichtig - er gibt prinzipiell keinen Fick. So viel Arroganz kann auch mal nach hinten losgehen. Aber LGoony darf das, denn das Ergebnis klingt dank Beats von Abaz und charakteristischem Flow tatsächlich extrem lässig. Außerdem ist LGoony trotz gegenteiliger Bemühungen immer noch verdammt niedlich (siehe Musikvideo). Letztes Jahr kurz vor Weihnachten hat der Kölner Rapper sein Album "Intergalactica" veröffentlicht, jetzt kommt er mit einem etwas anderen Projekt um die Ecke: Seit kurzem gibt es eine vom Goon höchstpersönlich erstellte Spotify-Playlist mit dem Namen "Lightcore". "Paper" ist bereits drauf, weitere Songs sollen folgen - eine Art Mixtape 2.0 also.

Ainslie Wills - Running Second

Schon als Kinder machen wir Wettrennen und wollen als Erster durchs Ziel. Und irgendwie setzt sich das im Lauf unseres Lebens fort. Doch wozu eigentlich der ganze Leistungsdruck? Auf ihrer neuen Single "Running Second" versichert uns Ainslie Wills mit ihrer beruhigenden Stimme, dass wir uns nicht ständig selbst etwas beweisen müssen. Der Rat der Sängerin kommt auch nicht von ungefähr: Sie selbst hat sich nach ihrer EP "Oh the Gold", die im September 2015 erschienen ist, viel Zeit genommen für ihre neue Single. Mit Erfolg: "Running Second" ist ein verträumter, positiver Popsong geworden. Das große Vorbild der Australierin ist übrigens der verstorbene US-Singer-Songwriter und Gitarrist Jeff Buckley. Von ihm hat sie sich abgeschaut, wie sie ihre Stimme am besten einsetzt, um echte Emotionen bei ihrem Publikum hervorzurufen. Und das Fernstudium hat gefruchtet: Die Stimme ist ihr größter Trumpf.