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Zum neuen Album "Currents" Die drei Erfolgsgeheimnisse von Tame Impala

Tame Impala ist zurück - also die Gitarrenband, auf die sich alle einigen können. Warum ist das so? Wir haben die drei wichtigsten Erfolgsgeheimnisse von Tame Impala gefunden, analysiert und entschlüsselt.

Von: Malte Borgmann

Stand: 16.07.2015

Tame Impala | Bild: Matt Sav

Seit Oktober 2012 - also seit dem Erscheinen des Albums "Lonerism" gehört der Name Tame Impala zum Stammvokabular all derer, die sich auf ihren Musikgeschmack etwas einbilden. Und das völlig zu Recht! Mit ihrem zweiten Album gelang Tame Impala das gleiche Kunststück, das 2002 auch die Queens Of The Stone Age mit ihrem knallroten Meisterwerk "Songs for the Deaf" fertigbrachten: Sie wurden genreübergreifender Konsens. Diese eine Gitarrenband, an der auch all diejenigen nicht vorbeikommen, die sonst mit Gitarren eher wenig am Hut haben. Jetzt erscheint endlich der heiß erwartete Nachfolger zu "Lonerism". Und eines macht der sofort deutlich: Die geernteten Lorbeeren wurden nicht zum Ausruhen genutzt.

Unverkennbar nach Tame Impala klingt das neue Album – und doch ganz anders. Der Titel ist wörtlich zu nehmen: "Currents", zu deutsch: Strömungen – bei Tame Impala ist alles im Fluss. Für uns der Anlass, die drei wichtigsten Erfolgsgeheimnisse der Band aufzudecken.

Geheimnis 1: Der Mann

Als erstes müssen wir gleich mal einen Fehler korrigieren: Wenn man Tame Impala als Band bezeichnet, ist das nämlich falsch – beziehungsweise nur bedingt richtig. Gut, live treten Tame Impala in kompletter Bandbesetzung auf. Auf Platte aber steckt hinter jedem Ton, jedem Klang und jeder Gesangslinie ein einziger Mann. Kevin Parker, 29 Jahre alt, geboren in Sidney, aufgewachsen in Perth an der Westküste Australiens, wo er bis heute lebt und arbeitet.

Geheimnis 2: Das Cockpit

Das Backcover von "Lonerism" zeigt Kevin Parker in seinem "Studio" - wenn man es denn als Studio bezeichnen möchte. Parker liegt auf einem Teppich, inmitten einem Gewirr von Kabeln, um ihn herum: Instrumente, Synthesizer, Effektpedale, Boxen, Kompressoren, Mischpulte – zu einem kreisrunden Chaos angeordnet. Er habe beim Arbeiten gern alles in Reichweite, so Parker – mit dem Effekt, dass sich sein Studio ein bisschen so anfühle, wie das Cockpit eines Raumschiffs. Das passt: Nicht nur, weil die Musik von Tame Impala so abgespaced, so kosmisch-psychedelisch klingt. Es geht auch immer ein bisschen um Isolation und Einsamkeit. "Innerspeaker" hieß das Debüt, "Lonerism" der Zweitling. Und "Currents" trägt das Alleinsein zwar nicht im Titel, dafür ist es ein klassisches Trennungsalbum geworden. Parker verarbeitet darauf das Ende einer Beziehung.

Geheimnis 3: Der Pop

Nicht nur von seiner Freundin hat sich Kevin Parker getrennt. Sondern - im Grunde viel dramatischer – auch von der Gitarre. Auf "Currents" regieren über weite Strecken Bass und Synthesizer. Der Hang zum Psychedelischen ist geblieben, aber nach Rock klingt hier kaum noch etwas – Tame Impala sind beim lupenreinen Pop angekommen. Schwüle 80s-Synthie-Balladen, tanzbarer Disco-Shuffle, ja, bei einem Song wie "Eventually" fühlt man sich fast in den R'n'B-Club versetzt.

All das ist derart meisterhaft gemacht, dass man den Hut ziehen muss, die ersten Rezensionen sind entsprechend euphorisch. Wie die Fans das Album aufnehmen, wird sich zeigen. Kevin Parker macht jedenfalls gleich im Opener klar, wie man seiner Meinung nach mit Veränderungen umzugehen hat: "Let It Happen" heißt es hier.


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