Jetzt Fugazi KeKe

Info Die Österreicherin Kiara Hollatko studiert in Wien eigentlich Jazz. Zum HipHop kommt sie 2018 erst kurz vor ihrer ersten Veröffentlichung als KeKe. In Sachen Rap-Skills klingt KeKe aber, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.


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Plattenkritik Blur - The Magic Whip

Zwölf Jahre voller Spekulationen ist es her, dass Blur zuletzt ein Album veröffentlicht haben. Jetzt gibt es wirklich eine neue Platte. Stephan Rehm hat reingehört in das vermutlich am meisten erwartete Indierockalbum des Jahres.

Von: Stephan Rehm

Stand: 07.05.2015

Blur Pressebild 2015 | Bild: Linda Brownlee

"Magic Whip": In England ist das eine Eiskremsorte und in China ein bestimmter Feuerwerkskörper. Klingt komisch, aber: Zwischen diesen beiden Extremen und zwischen diesen beiden Kulturen, Europa und Asien, spielt sich die Platte ab. Besonders deutlich wird das im Song "Ice Cream Man": Unter der Oberfläche - quirlige Nintendo-Sounds und ein Bass-Solo, das eine alte Werbemelodie für eine Eiskrem-Marke aufgreift. Drüber singt Damon Albarn vom Tian’anmen-Massaker, bei dem im Juni 1989 das chinesische Militär im Zentrum von Peking einen Volksaufstand niedergeschlagen hatte.

Dabei beginnt "The Magic Whip" eigentlich ziemlich versöhnlich, mit dem 60s-lastigen Gitarrenrocker "Lonesome Street" - einem Song, wie Blur ihn damals, zur Hochzeit des Britpop, hätten veröffentlichen können. Und auch hier wieder das Hin und Her zwischen Europa und Asien. Der Text erwähnt den Zug von London ins Provinzkaff East Grinstead, verhandelt aber auch den hektischen Verkehr in Hongkong. Da wurde die Platte übrigens auch geboren. Nachdem im Mai 2013 zwei Konzerte von Blur in Tokio und Taipeh abgesagt worden waren, haben Blur die Zwangspause einfach genutzt, sich ein kleines Studio in Hongkong gemietet und da an Demos gebastelt - um die dann erstmal in der Schublade verschwinden zu lassen. Irgendwann hat sich dann Gitarrist Graham Coxon Songskizzen geschnappt und einfach mal damit rumprobiert. Nach 18 Monaten Arbeit und mit weichen Knien hat er sie dann dem strengen Bandleader Damon Albarn vorgespielt: Und der war restlos begeistert. Genau wie wir jetzt auch.

Der Streit mit Graham Coxon? Vergeben und vergessen.

Dass Damon Albarn, nachdem er Opern komponiert, afrikanische und westliche Musik zusammengebracht und mit seinen Gorillaz Zeichentrickfiguren HipHop beigebracht hat, noch mal so eine leichtfüßige Melodie wie in "Ong Ong" singt? Dass er es auf "I Broadcast" noch mal so krachen lässt? Dass er in "My Terracotta Heart" seinem Gitarristen und Schulfreund Graham Coxon nach Jahren der üblen Streitereien eine Liebeserklärung macht? Nein, damit war wirklich nicht zu rechnen. Aber genau das war - neben herausragendem Songwriting - immer die größte Stärke von Blur: unberechenbar zu bleiben. Von allen britischen Bands der 90er müssen sie sich in dieser Hinsicht nur mit Radiohead messen lassen. Doch wo Radiohead teilweise abheben, haben Blur immer den Pop im Blick und bleiben am Boden. Diesmal ist das der heiße Teer auf den Straßen Chinas.

Blur in Hong Kong

Nachdem der strenge Herr Albarn der Platte seinen Segen gegeben hatte, reist er wieder nach Hongkong, um Ideen für Lyrics zu sammeln. Läuft durch die Straßen, schießt zahllose Fotos und sammelt Stunden von Videos auf seinem iPad. Zurück in England wird das, was er gesehen hatte, zu Texten: die Schönheit der Insel Lantau, das malerische Po-Lin-Kloster und, natürlich, Pandabären. Sogar die verstopften Straßen der asiatischen Großstädte finden sich wieder im Song "There Are Too Many Of Us".

Schließt sich mit "The Magic Whip" nun endgültig das Buch Blur oder ist es die erste Seite eines neuen Kapitels? Die Band sagt dazu erstmal gar nix. Vermutlich ist es ihr auch einfach egal. Blur haben endlich Frieden mit ihrer konfliktreichen Vergangenheit geschlossen und stehen mit acht Beinen in einer glanzvollen Gegenwart. Ihr nächster Schritt ist nicht vorhersehbar. Und das war ja schon immer das Schönste bei Blur.


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