Jetzt Lovesick The Dead-On

Info The Dead-On kommen aus Dänemark und spielen sich kinderleicht in die Herzen von The-Black-Keys-Fans. Im Video zu "Lovesick" (2017) lassen sie nämlich vier Kids an ihre Instrumente - was überraschend realistisch wirkt.


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Plattenkritik // LGoony - Grape Tape Lila Scheine, lila Wolken

Wer Money Boy und seine Glo Up Dinero Gang immer noch für einen einzigen Witz hält, der hat das Grape Tape von LGoony noch nicht gehört. Das neue Mixtape des Rappers wird in ein paar Jahren ein Untergrund-Klassiker sein.

Von: Malte Borgmann

Stand: 23.09.2015

LGoony Grape Tape Cover | Bild: Live From Earth

Im Sommer auf dem Splash Festival, dem wichtigsten Rap Festival Deutschlands. Tausende drängen sich am frühen Abend  vor eine winzige Bühne, um Money Boy und seine Glo Up Dinero Gang zu sehen. Dass es Money Boy, und seinen Mitstreitern wie Hustensaft Jüngling oder MC Smook allerdings jemals gelingen wird, so richtig in den Mainstream vorzustoßen, scheint trotzdem eher unwahrscheinlich: Zu anarchisch, zu trashig, zu verballert ist das, was die Mitglieder der Glo Up Dinero Gang musikalisch so veranstalten. Mit einer großen Ausnahme: LGoony. Das Klima der Narrenfreiheit, das Money Boy um sich geschaffen hat, nutzt dieser junge Kölner Rapper nicht, um sich regelmäßig abzuschießen, sondern um fantastische, aufregende, abgefahrene Musik zu machen. So wie auf seinem neuen Mixtape, dem "Grape Tape".

Wer LGoony liebt, muss Autotune mögen

Es gibt ein paar Dinge, mit denen man keine grundsätzlichen Probleme haben sollte, will man LGoony hören. Erstens: Aktuelle Cloud- und Traprap-Produktionen. Zweitens: Von einem gerade mal 20-Jährigen, der klingt, als sei er 16, ohne Unterlass erzählt bekommen, wie unfassbar viel Geld er hat. Drittens: Autotune. Wer allein bei einem dieser drei Punkte die Augen verdreht, für den ist LGoony nichts. Alle anderen dürfen so begeistert wie verwundert feststellen, wie unerbittlich sich die entrückten, roboterhaften Hooks dieses Kölner Knaben ins Gehirn fressen. Welche ganz eigene Poesie sein buntes Dauerfeuerwerk aus funkelnden Juwelen, lila Scheinen, gelben Ferraris und goldenen Ketten entfaltet. Und wie unerwartet süchtig man letztlich danach werden kann, dass einem ein Fast-Noch-Teenager pausenlos von seinem grenzenlosen Reichtum erzählt. Weil es hier eben nicht um Authentizität geht, sondern um Phantasie, Feeling und Atmosphäre.

Das nächste "Lila Wolken"

Dass hinter all dem auch so etwas wie eine Haltung steht, wird deutlich, wenn LGoony auf dem Album-Closer "Ultraviolett" mal für einen Part das Phantasieren sein lässt, und stattdessen den Status Quo der deutschen Rapszene attackiert - er tut das so bissig, energisch und leidenschaftlich, wie wenig andere zur Zeit. Und dann sind da noch Songs wie "Mondlicht" oder "Ballon". Somnambule, benebelte, melancholische Pop-Hymnen, die zeigen: LGoony könnte auch derjenige sein, der in ein paar Jahren das nächste "Lila Wolken" schreibt. Kein Zweifel: Wenn dieses Kölner Krischperl will, dann ist er in nicht allzu ferner Zukunft ein Popstar. Und die 15-Jährigen von heute werden sagen: "Damals, da war der noch richtig geil! Das Grape Tape - Klassiker." Sie werden recht haben.


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