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Plattenkritik Kendrick Lamar - To Pimp A Butterfly

Seit "good kid, m.A.A.d. city" wartet jeder HipHop-Fan auf Kendrick Lamars drittes Album. Jetzt ist "To Pimp A Butterfly“ raus – und muss dem Hype erstmal gerecht werden.

Von: David Würtemberger

Stand: 17.03.2015

Kendrick Lamar | Bild: Universal

Und plötzlich ist es da: Kendrick Lamars drittes Album "To Pimp A Butterfly". Die Musikwelt steht Kopf. Warum, ist schnell erklärt: Mit dem Vorgänger "good kid, m.A.A.d. city" liefert Kendrick Lamar 2012 eines der besten Rap-Alben der letzten Jahre. Wenn nicht sogar das Beste. Da gehen HipHop-Connaisseure und Mainstream-Kopfnicker d’accord. Platin in den USA und sieben Grammy-Nominierungen. Bei der Verleihung wird er allerdings zur tragischen Figur: In keiner Kategorie wird er ausgezeichnet. Selbst Macklemore findet, dass sein eigener Grammy für das beste Rap-Album eigentlich Kendrick gehöre.

Alles Promo oder was?

Jetzt also einfach so der Nachfolger: "To Pimp A Butterfly“. Eine Überraschungsveröffentlichung eine Woche vor dem eigentlichen Release-Date. Das nächste Promo-Level der Überraschungsveröffentlichungen? Eine Hommage an 2Pacs "Me Against The World“, das fast genau am gleichen Tag vor 20 Jahren erschienen ist? Der Chef von Kendricks Label Top Dawg Entertainment jedenfalls klingt wenig erfreut, macht seinem Ärger über den Major-Partner Interscope Records über Twitter Luft. Vielleicht hat man bei Interscope einen Leak befürchtet, nachdem am Wochenende nach den Vorabsingles "I“ und "The Blacker The Berry“ für kurze Zeit "King Kunta“, ein dritter Track vom Album, herumgegeistert ist.

Kendrick Lamar - To Pimp a Butterfly.

Sei‘s drum: Wir dürfen uns ab jetzt an 16 neuen Tracks von Kendrick Lamar erfreuen. 16 Tracks, in denen Kendrick Lamar wie ein Chamäleon mit Flows, Erzählweisen und Beats spielt. Irgendwo zwischen experimentellem Conscious Rap, P- und G-Funk, Spoken Word und Jazz lässt Kendrick den Schmetterling flattern und verneigt sich immer wieder vor seinen alten Helden wie Blackalicious (Track 2: "For Free?"), 2Pac (Track 16: "Mortal Man") oder dem Autor Wallace Thurman (Track 13: "The Blacker The Berry").

Ein Plädoyer für mehr Selbstbewusstsein

Schon erstaunlich, dass ein Album, dem eine so große Erwartungshaltung vom Mainstream zu Teil wird, so progressiv und auf den ersten Hinhörer unzugänglich klingt. Wer "To Pimp A Butterfly" verstehen will, der muss sich durchkämpfen. Durch sperrige Beats, improvisierende Klarinetten und einen Sample-Urwald von Sly and the Family Stone (Track 9: "Momma") über Sufjan Stevens (Track 10: "Hood Politics") bis hin zu Radiohead (Track 11: "How Much A Dollar Cost"). Die Feature Liste ist nicht üppig, aber eindrucksvoll: Flying Lotus und Pharrell Williams haben beide einen Track produziert und Zeilen werden unter anderem beigesteuert von Snoop Dogg, Bilal und der famosen Rapsody.

Kendrick setzt sich auch auf "To Pimp A Butterfly" mit den Problemen der Black Community auseinander. Das haben die Vorabsingles "I" und "The Blacker The Berry" schon vermuten lassen. Allerdings geht er dabei nicht radikal und anklagend vor wie ein Kanye West, viel mehr plädiert er für ein neues Selbstwertgefühl der schwarzen Bevölkerung. Aber auch sein neues Leben als Rap-Superstar reflektiert er kritisch.

Beat-Poesie auf höchstem Niveau

Wer will, der kann allein mit den Lyrics von "To Pimp A Butterfly" mehrere Tage verbringen. Auf der Analyseseite Genius werden bereits massig Querverweise gezogen. Anspielungen auf die Beatles, Wesley Snipes oder Dave Chapelle werden offengelegt und Interpretationsversuche für den letzten Track des Albums angestrebt: Im finalen Vers von "Mortal Man" interviewt Kendrick 2Pac und nutzt dafür ein altes Radio-Interview mit der Gangsta-Ikone.

Die extreme Tiefe, die Verkopftheit von Kendrick Lamar, ist die vermeintliche Schwäche von "To Pimp A Butterfly". Club-Hits? Fehlanzeige. Klassische Songstrukturen? Spielen keine große Rolle. In Wahrheit ist das aber genau die große Stärke des Albums. Kendrick Lamars Passion steckt in jeder Silbe seiner Texte und in jedem Beatfragment. Lass doch die anderen über lila Sprite und Party mit Bitches sinnieren. Das ist nicht Kendrick Lamar. "To Pimp A Butterfly" ist Kendrick Lamar – und zwar in Höchstform.


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NiklasHe, Mittwoch, 18.März 2015, 10:54 Uhr

1.

Insgesamt eine gute, knappe Kritik. Kleine Ergänzung: "Me Against The World" erschien nicht ebenfalls am 16. März, sondern bereits am 14. März.

  • Antwort von Laury Reichart, Mittwoch, 18.März, 15:18 Uhr

    Hi Niklas,

    danke für den Hinweis. Hast natürlich Recht, wir haben es im Artikel geändert. In der Tat hat David sich in seiner Review auf einen Tweet von Kendrick Lamar bezogen, in dem er "Me Against The World" und "To Pimp A Butterfly" in zeitliche Relation setzt ("20 yrs. later"). Und das eben am 16. März. Daher die Ungenauigkeit. Beste Grüße! Laury aus der PULS Musikredaktion