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Plattenkritik Jake Bugg - Jake Bugg

Graue Wolken über dem Vereinigten Königreich der Gitarrenmusik. Oasis sind durch, die Happy Mondays einfallslos wiedervereint, zwischendrin überall Castingshow-Unkraut. Wer zieht den Karren aus dem Dreck? Wir wissen es: Jake Bugg.

Von: Katja Engelhardt

Stand: 29.01.2013 | Archiv

Jake Bugg | Bild: Universal Music

Ausgehungerte Brit-Fans haben ein Jobprofil ausgeschrieben. Gesucht wird ein musikalischer Erlöser: Melancholisch, die Stimme ungeschliffen und roh, ein skeptischer Blick oder vielleicht auch nur Attitüde. Bescheidener Charakter wird akzeptiert, Background in der Arbeiterklasse bevorzugt. Und all das erfüllt ausgerechnet ein 18-jähriger Bengel.

Der neue alte Hoffnungsträger

Wunderknabe Jake Bugg, bürgerlich Jacob Edwin Kennedy, klingt auf seinem Debütalbum, als wäre er das legitime Kind von Singer-Songwriter-Legenden wie Don McLean und Bob Dylan - und auf dem Pausenhof hat er dann mit Noel und Liam Gallagher rumgehangen. Soll heißen: Jake Bugg ist zwar jung, seine Musik aber alt. Da liegt Erfahrung in der Luft, die man mit 18 Jahren noch nicht gemacht haben kann, gesungen von einer Stimme, die nach mehr Whisky und Zigaretten klingt, als man in dem Alter konsumiert haben dürfte. Angefangen hat alles, als er zwölf Jahre alt war.

"Ich habe mich eigentlich gar nicht für Musik interessiert, bis ich den Song 'Vincent' von Don McLean gehört habe. Mein Onkel hat mir dann die ersten Akkorde auf der Gitarre beigebracht."

Jake Bugg

Jake Buggs Einflüsse reichen von den 70ern bis zurück in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts: Buddy Holly, Donovan und viel Mississippi Blues. Als Oasis noch die Platzhirsche unter den Brit-Idolen waren, haben sie in "Cigarettes & Alcohol" gefragt, ob man sich denn überhaupt die Mühe machen müsse einen Job zu suchen, wenn es doch eh nichts gibt, wofür es sich zu arbeiten lohnt. Jake Bugg geht es darum schon gar nicht mehr. Seine Heimatstadt Clifton, Nottingham ist zwar groß, aber es gibt rein gar nichts zu tun. Im Song "Trouble Town"  beschreibt er auch seine eigene Jugend.

"Die Kids hängen also auf der Straße rum oder bringen sich in Schwierigkeiten, einfach zum Spaß. Ich beziehe mich in meinen Texten zwar oft auf meine Heimatstadt, aber es gibt einige andere Städte, die ganz genauso sind. Viele Menschen wollen weg von dort, aber sie bekommen einfach nicht die Möglichkeit dazu."

Jake Bugg

Letzte Abfahrt: Songs schreiben

Zwischen Rezession und Alternativlosigkeit scheint gerade eine Musikkarriere der glorreiche Ausweg zu sein. Derzeit schießen in England vor allem Dance-Projekte wie Pilze aus dem Boden. Aus diesem Wust an neuen Bands sticht Jake Bugg heraus. Und er weiß auch warum:

"Um in einer typischen Arbeiterklasseband zu spielen, musst zu Zeit investieren, proben, dein Instrument beherrschen und gute Songs schreiben. Ich glaube heutzutage finden es die Kids einfach leichter loszuziehen, sich ein  Midi-Keyboard zu kaufen und damit dann 'whomp whomp whomp whomp' zu machen."

Jake Bugg

Auch wenn Jake Bugg sich sehr erwachsen zeigt, sein Jungspund-Image wird er so schnell nicht loswerden. Der Reiz ist ja gerade, dass er von Dingen singt, die seiner Altersklasse eigentlich weit voraus sind. Der Kerl begeistert weltweit auf riesigen Bühnen und ist dabei so ruhig und bescheiden, souverän und authentisch. Wenn also dieser Jake Bugg mit seinen 18 Jahren so viel Sicherheit ausstrahlt, dann macht das einfach Mut.


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Mathias Weigmann, Montag, 25.Februar 2013, 20:33 Uhr

1. Jake Bugg

Gute Aussichten für Jake Bugg.
Sein Talent und seine zielorientierte Energie wird ihm ein Leben als schlecht bezahlter Angestellter ersparen. Das Wunder ist doch, das die Evolution immer wieder neue Begabungen bereithält, entgegen dem schon vorhergesagten Niedergang unserer Kultur. Ich habe ihm aufmerksam zugehört und lernte so auch Don McLean kennen. Seine Kunst ist eine Offenbarung und sich auf ihn zu berufen ein Beweis für die Urteilsfähigkeit und guten Geschmack unseres jungen Künstlers.
Ich würde ihm gönnen, seine Fähigkeiten mit professioneller Hilfe weiter zu entwickeln. Vor allem mit der Stimme behutsamer umzugehen und das Spektrum des Gitarrenvokabulars zu erweitern ist ihm anzuraten. Als "songwriter" traue ich ihm schon jetzt alles zu. Er verdient unseren Respekt und jegliche Unterstützung.
Mathias Weigmann