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Im Interview // Marteria "Man muss den Mund aufmachen und sich dagegenstellen"

Eigentlich hatte Marteria für 2016 eine Konzert-Auszeit geplant. Dann die überraschende Nachricht: Er macht eine Ausnahme. Wie es zu diesem spontanen Sinneswandel kam? Die Frage hat er uns im PULS Interview beantwortet.

Von: Malte Borgmann

Stand: 23.08.2016 | Archiv

Marteria spielt dieses Jahr nur ein Konzert -und zwar gegen Rechts | Bild: Screenshot: facebook.com/feinesahnefischfilet

PULS: Eigentlich wolltest du 2016 ein Konzert-Sabbatical machen. Jetzt spielst du doch. Wie kommt's?

Marteria: Das ist eine spontane Aktion gewesen. Es geht um die Aktion einer befreundeten Band von mir, auch aus Mecklenburg-Vorpommern, Feine Sahne Fischfilet. Die machen eine Tour in unserem Heimatbundesland, "Noch nicht komplett im Arsch". Da geht's darum, dass man eben nicht in die Städte geht, in denen das kulturelle Programm eh schon dicker ist und man alle Richtungen bedienen kann, sondern es geht halt auf die Dörfer. Um die Leute zu unterstützen, die sich gegen Rechts einsetzen, die Sachen planen, in Flüchtlingsunterkünften helfen - also Leute die sich engagieren und denen was zurückzugeben. Damit sie merken, dass sie nicht alleine sind und unterstützt werden.
Das Image von Mecklenburg-Vorpommern ist natürlich sehr braun und man liest sehr viele schlechte und schlimme Reportagen und wir wollen einfach zeigen, dass es auch die andere Seite gibt. Es ist megawichtig, dass die Leute merken, dass auch ich mich positioniere, Teil davon bin und klar ne linke Haltung habe.

Das heißt, die Jungs von Feine Sahne Fischfilet haben dich einfach angeschrieben und dann habt ihr das spontan ausgemacht?

Genau, das ging ziemlich fix. Komischerweise habe ich schon ein, zwei Wochen davor immer darüber nachgedacht, was man machen kann und in welcher Form und es war dann wie ein Zeichen, dass dann die Mail von Monchi, dem Frontmann von Feine Sahne, kam. Also es war ganz klar, dass man irgendwie was machen muss und nicht nur zu Hause rumsitzen kann. Wenn man ne Stimme hat und wenn man ein Instrument hat, dann muss man es auch einsetzen.

Du hast gerade das rechte Image von Mecklenburg-Vorpommern schon angesprochen. Feine Sahne Fischfilet sprechen das ja auch ganz offen an, dass da viel schief läuft. Wie ist denn dein Eindruck, ist die Lage so akut?

Ich verbringe ja einen Großteil meiner Zeit hier und ich seh schon immer eher die positive Seite und dass es natürlich unfassbar viele normale Leute gibt. Es ist jetzt nicht so, dass einem hier die ganze Zeit ein rechter Mob entgegenspringt. Das ist ja auch nicht mehr das Image von Neonazis. Es geht da auch um den Dialog und darum, miteinander zu reden. Es geht auch darum bei unserer Aktion heute vielleicht ein paar Leute umzustimmen. Bei einem NPD-Wähler bin ich mir ziemlich sicher, dass das ein hart rechts denkender Mensch ist. Bei einem AfD-Wähler bin ich mir da nicht so ganz sicher. Da gibt's natürlich auch Stumpfsinn aber auch Protest, Angst und Hass und diese ganzen Sachen die da geschürt werden. Dass man da entgegengehen und Dialog führen kann, das ist immer so mein Ding. Es war schon oft genug so, dass ich Leute kennengelernt habe, die Springerstiefel anhatten und dann zwei Wochen später ne Homeboy-Hose und ein Skateboard in der Hand hatten. Das ist halt auch möglich. Ich trete immer für die coolen und die ganz normalen Leute ein, die es auch gibt. Diesen Prozentsatz von harten Rechten, den gibt's halt, aber dann muss man den Mund aufmachen und sich dagegenstellen.


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