Jetzt Almeda Solange

Info Solange ist zwar die kleine Schwester von Beyoncé, hat aber keinen Bock in die Soundschublade R'n'B für Millionen gesteckt zu werden. Ihr viertes Album "When I Get Home" (2019) vernebelt Soul und Neo-R'n'B aufs Feinste!

04:45 Uhr Girl Beck

Fyre Festival Doku Wie ein Festival für Rich Kids ein legendärer Fail wurde

Auf dem Fyre Festival sollten junge Reiche auf einer privaten Karibikinsel die Party ihres Lebens feiern. Am Ende standen sie auf einem unfertigen Zeltplatz und bettelten um Wasser. Jetzt gibt es eine Doku über den Festival-Fail.

Von: Lili Ruge

Stand: 18.01.2019 | Archiv

Pressefoto zur Fyre Festival Doku | Bild: Netflix

Wer ist mächtiger: Influencerin Kendall Jenner oder ein Käsebrot? Vor knapp zwei Jahren ist diese Frage zugunsten des Käsebrots beantwortet worden. Das Fyre Festival, das mit einem Riesenbudget, Influencern und Instagram-Models wie Kendall Jenner oder Bella Hadid als unfassbares Luxus-Festival-Event auf den Bahamas beworben worden ist, wurde durch das Foto eines einzelnen jämmerlichen Käsebrots zunichte gemacht.

Eine Festival-Utopie, die zu gut war um wahr zu sein

Aber der Reihe nach: Wie die Netflix-Doku "Fyre: The greatest party that never happened" zeigt, haben der Unternehmer Billy McFarland und sein Business-Partner, der Rapper Ja Rule, 2017 die Idee, ihre neue private Booking-App Fyre (mit der man als Privatperson seinen Lieblingskünstler buchen sollte) mit einem Festival zu bewerben. Zielgruppe: junge Millenials weltweit mit so absurd viel Geld, dass sie sich Beyoncé auf ihren Geburtstag buchen oder 500 bis 12.000 Dollar für ein Festivalticket ausgeben können.

Regisseur Chris Smith zeigt die Chronik eines epischen Fails. Ein paar Monate vor Festival-Beginn klemmen sich die Fyre-Festival-Masterminds nicht hinter das Booking oder die Planung der Bühnen oder die Organisation der Unterkünfte für die Besucher. Sie beauftragen erstmal eine Social-Media-Agentur mit der Promo und drehen ein aufwändiges Video mit einem Haufen Models und Influencern auf Yachten und Jet-Skis. Ein wahrgewordener feuchter Instagramtraum.

Brett Kincaid, der das Promo-Video gedreht hat, beschreibt es in der Doku so:

"Wer spielte, war eigentlich egal. Wir wussten, dass es eine Location gab und die Idee, ein Musikfestival zu machen - und das war's."

Brett Kincaid

Das hat auch gereicht: 95 Prozent der Tickets wurden innerhalb von 48 Stunden verkauft. Gar nicht schlecht für ein Festival, das zum ersten Mal stattfindet.

Chronik eines epischen Fails

Nur: Ab diesem Punkt ging es bergab. Die Doku zeigt mit genüsslicher Detailliebe, dass McFarland und Ja Rule weder Erfahrung damit hatten, ein Festival auf die Beine zu stellen, noch die Lust, es zu lernen. Alle, die während der ersten Monate auch nur die leisesten Zweifel geäußert hatten, wurden gefeuert und ersetzt. Um das Booking sollte sich ein einziger Mitarbeiter kümmern - ohne jegliche Erfahrung. Knapp 45 Tage vor dem Festival wurde überhaupt erst die Firma kontaktiert, die die Bühnen aufbauen sollte. Um die Vision, die das Fyre Festival verkauft hatte, umzusetzen, hätten McFarland und Ja Rule in etwa 38 Millionen Dollar gebraucht. Geld, das sie weder hatten, noch ihren zunehmend misstrauisch werdenden Investoren abpressen konnten.

Es bereitet einem fast körperliches Unbehagen, dem Fyre-Team beim Scheitern zuzugucken. Das tatsächliche Festival weicht immer mehr von dem ab, was den Besuchern verkauft worden ist. Trotzdem kommt niemand auf die Idee, die Party zu verschieben oder gar abzusagen.

Schadenfreude in den Sozialen Medien

Über das, was dann passiert, haben wir alle schon herzlich gelacht: Kids, die tausende von Euros für ein Festival Ticket ausgegeben hatten, aber statt exklusive VIP-Logen einfach nur abgewichste Zelte vorfanden und statt Sushi grattliges Käsebrot zum Essen bekamen. Letzteres wird durch einen Twitter-Post berühmt und macht endgültig klar: Das Fyre Festival ist ein einziger großer Betrug.

So unterhaltsam es ist, Leuten, die es ganz offensichtlich nicht gewohnt sind, in einem Zelt schlafen zu müssen, beim Kampf um die letzten Matratzen zuzugucken, so deutlich macht "Fyre: The greatest party that never happened" auch, was für ein Desaster das Festival für all die unbezahlten Arbeiter auf den Bahamas ist. Das größenwahnsinnige Festival zerstört am Ende auch das Produkt, das es bewerben sollte: die private Booking App. Billy Mc Farland sitzt mittlerweile wegen Betrugs im Gefängnis.

"Fyre: The greatest party that never happened" könnt ihr bei Netflix streamen.

Sendung: Plus Eins, 19.01.2019 - ab 14.00 Uhr