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Vorgestellt // Frittenbude Party in der Erkenntnistheorie

Bei Frittenbude geht es vor allem ums Partymachen - aber auch um die Erkenntnis, dass Partymachen alleine nicht alles ist. Die philosophischen Beats-Brüder machen Elektrofikke auf höchstem Niveau.

Stand: 28.01.2013 | Archiv

Frittenbude | Bild: Audiolith

Die Wege zu einer Bandgründung können so unterschiedlich sein: Manche treffen sich beim Scheidungsanwalt, andere beim Arbeitsamt und wieder andere bei einer Reifenpanne. Frittenbude gründen sich auf der Autofahrt zum Pfingst-Open-Air Passau 2006. Das Autoradio ist kaputt. Jakob spielt eine CD mit selbstgebastelten Beats, zu denen Johannes und Martin zu singen und rappen beginnen - und fertig ist die Band. Jetzt braucht man richtig dämliche Künstlernamen. So wird Sänger Johannes zu Rüdiger Streuner. Beatbastler Jakob nennt sich erst Günther Crackstein, später Schranz Beckenhauer. Gitarrist Martin tauft sich auf den Namen Josef Utzenbacher.

Von ihrem niederbayerischen Heimatstädtchen Geisenhausen zieht es Frittenbude bald nach München – und dann recht schnell in die große weite Popwelt. Ihr Debütalbum "Nachtigall" erscheint 2008 beim Hamburger Aufs-Maul-Elektro-Punk-Label Audiolith. Frittenbude erspielen sich mit etlichen Konzerten und Festivals einen erstklassigen Live-Ruf. Oft treten sie zusammen mit ihren Labelkollegen von Saalschutz, Bratze oder Egotronic auf. Die Audiolith-Bands sind inzwischen ein gern gebuchter, eingeschworener Haufen, der so manches Festivalpublikum umbläst.

Frittenbude bei Startrampe

zum Video mit Informationen Startrampe Frittenbude im Videoportrait

Aus der Frittenbude ist mittlerweile ein kleiner Palast geworden, denn Streuner, Jakob und Martin sind kleine Popstars. Der Musikzirkus kommt ihnen aber manchmal wie ein "Delfinarium" vor. [mehr]

2009 machen Frittenbude bei der zweiten Staffel der Startrampe mit. Johannes, Jakob und Martin fallen durch riesige Augenringe auf, weil sie vom Tour- und Jobstress notorisch übermüdet sind. Aber gejammert wird im Hause Frittenbude nie. Für ihr Musikvideo quetschen sie sich in rosa Madenkostüme und beim Wohnzimmerkonzert in Selb nehmen sie eine ultrastrapaziöse Anreise auf sich.

Einer der Höhepunkte der Staffel: Johannes, Jakob und Martin treffen Erik Langer von der Hamburger Band Kettcar, deren Song "Graceland" Frittenbude gecovert und in "Raveland" umgewandelt haben. Doch der ganze Stress zahlt sich aus. Frittenbude werden vom Publikum zur besten Band der Staffel gewählt und schaffen es, beim Startrampe-Finale das Studio 2 im BR-Funkhaus auf den Kopf zu stellen.

Im Frühsommer 2010 erscheint "Katzengold", das zweite Album von Frittenbude, und springt auf Anhieb auf Platz 57 der deutschen Charts. Ihren Auftritt beim Hurricane-Festival muss die Band abbrechen, weil zu viele Zuschauer in das überfüllte Zelt drängen. Frittenbude schaffen es in die "Bild"-Zeitung. Dass sie wegen ihres Erfolgs zu einem größeren Label wechseln, können sich die drei aber nicht vorstellen.

Elektrofrikke auf höchstem Niveau

Das wohlige Audiolith-Miteinander stellen Frittenbude auch sehr liebevoll im Text zum Song "Bilder mit Katze" dar. Die Handlung: Eine Gruppe von Freunden hat für das Konzert der Audiolith-Band Egotronic am Abend schon vorgeglüht, dann stehen sie endlich in der ersten Reihe und grölen jeden Song lauthals mit - bis ER SIE sieht: "Du hast sie angesprochen, sagtest neckisch 'Hey Katze, hab dich noch nie gesehen!' ' Ey Kater, bin hier wegen Bratze'" (ebenfalls gesignt bei Audiolith). Und am Ende des Abends kauft er der Frau, die er liebt, ein Shirt von - genau - Audiolith. Elektrofikke auf höchstem Niveau.

2012 kommt ihr drittes Album "Delfinarium" raus. Im Frühjahr füllen sie damit gleich zweimal die riesige Münchner Muffathalle. Einige Wochen später springt "Delfinarium" auf Platz 14 der Charts. Als ihren aktuellen Wohnort geben sie inzwischen "Autobahn" an. Eines ist klar: Auf der Bühne kommt das Frittenbude-Gefühl immer noch am Besten rüber. 


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