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Genre-Hopper Raury Zuerst Atlanta, dann die USA und dann der Rest der Welt

Raury ist gerade mal 18 Jahre alt und führt sich auf wie ein Messias für eine bessere Musikwelt. Der neue Michael Jackson sozusagen. Oder einfacher: Ein Indigo-Child. Okay. Wie bitte?

Von: Franziska Niesar

Stand: 27.08.2014

Raury aus Atlanta | Bild: Faisal Muhammad

Mit seinem Song "God's Whisper" hat sich Raury schon vor Monaten in unsere Tracks der Woche geschossen und in eure Kopfhörer. Schon da war klar: Der junge Kerl aus Atlanta wird noch ordentlich durch die Decke gehen. Raury ist irgendwie anders, musikalisch schwer einzuordnen: ein bisschen Country, ein bisschen Folk, dazu Sprechgesang und hymnenartige Chöre. Und das ist gut so, denn genau das will er: "Ich möchte mein eigenes Genre, meinen eigenen Slang und sogar meine eigene Kultur erfinden."

Zwischen ADHS und Weltverbesserer

Was vor ein paar Monaten noch wie eine plakative Floskel klang, bekommt durch Raurys gerade erschienenes Debütalbum "Indigo Child" und eine Kurzdokumentation ein wahres Gesicht. Jetzt ist klar, dass das, was Raury macht, vor allem eins ist: ein ziemlich gut durchdachtes Konzept. Angefangen mit dem Namen seiner Platte, "Indigo Child": Indigo-Kindern sagt man nach, dass sie mit einem besonders großen Selbstwertgefühl auf die Welt kommen und sich anderen gegenüber sehr erhaben fühlen. Hochintelligente Querdenker, denen aufgedrängte Disziplin und Autoritätspersonen zuwider sind. Schulmediziner würden Indigo-Kinder wahrscheinlich in die Schublade ADHS stecken und mit Ritalin behandeln, damit sie sich der Norm anpassen.

Nähert man sich dem Begriff aus einer anderen, spirituellen Richtung, gelten Indigo-Kinder als Teil eines Prozesses, der - etwas überspitzt formuliert - die Welt verändern könnte. Passt zu Raury wie die Faust aufs Auge. "We are the renaissance. We are here to provide the creative side of Atlanta's music and as we change the city Atlanta, we're gonna change the nation and then the world. I'm just a person who loves the world and wants to make the world better. I know this world already. I'm an indigo child. I've been here before". So klingt der gerade mal 18-Jährige in seiner Dokumentation. Zuerst Atlanta, dann die USA und schließlich der Rest der Welt? Größenwahn und exzellente Selbstinszenierung? Check.

Größenwahn mit Witz

Kein Wunder also, dass der King der Selbstvermarktung Kanye West ihn gleich unter seine Fittiche nimmt. Label-Gespräche mit G.O.O.D Music inklusive. Doch um an den Free-Download zu seinem Debütalbum zu kommen, muss man auf Raurys Website erstmal ein bisschen daddeln. Schließlich habe auch er hart arbeiten müssen, um so weit zu kommen. Und während man mit der PC-Tastatur ein Strichmännchen über Hecken springen lässt und mit dem Skateboard Gräben überwindet, scheint das Prätentiöse weit weg und man hockt so lange schmunzelnd vor dem Bildschirm, bis der Score geknackt ist.


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