30

Das nächste große Ding aus Österreich 5 Ösi-Bands, die ihr kennen müsst

Wanda und Bilderbuch sind nach dem Wiener Schnitzel gerade der österreichische Exportschlager. Aber Österreich hat noch viel mehr in der Pipeline als Schick Schock und Amore: Indie, Noise Rock, Mundart Rap, Elektro, Post-Rock – wir haben fünf österreichische Bands für euch, die nicht mehr lange im Untergrund bleiben werden.

Von: Sophie Kernbichl

Stand: 27.04.2016

Neue Band aus Österreich: Kreiml&Samurai | Bild: Thomas Unterberger

Viech – Yeti liebt Elise

Viech sind – auch wenn es der Name anders vermuten lässt – fünf zivilisierte Menschen aus Graz, die deutschsprachigen Indiepop machen. Ihr Fokus liegt ganz klar auf den Texten: Viech spielen so intelligent und mitreißend mit Sprache, dass man die Texte ausdrucken, rahmen und an die Wand hängen möchte.

"Besuch mich doch im Traum Elise, weil Mann nur mit Parolen schießt, mich feiger Hund der Mut verließ"

Viech in 'Oh Elise'

Trotz einer Lawine aus Einflüssen klingt Viech rund – aber nicht ohne Kanten. Für die sorgen Sänger Paul und seine tiefe Kratzstimme, mit der er seine Zeilen ins Mikrofon haucht. Im Video zu "Oh Elise" stapft ein zotteliger Yeti durch die Großstadt und spielt Saxophon. Die Jungs von Viech beweisen also auch visuell ihre Liebe zum Detail.

Mile Me Deaf – alles aus einer Hand

Do it yourself – diese drei Worte beschreiben Mile Me Deaf ziemlich gut. Frontmann Wolfgang Möstl gilt in der Wiener Untergrundszene als Institution und macht so gut wie alles selbst: Songwriting, Studioaufnahmen, Artwork, Videos. Da wird experimentiert, auf Genre-Grenzen gepfiffen und gebastelt. Ergebnis: Songs mit unverwechselbar dreckigen Lo-Fi-Charme.

"Ich stehe auf diese trashigen elektronischen Kastl, die verrückte Sachen machen. Wenn ich etwas zu Poliertes oder Glattes mache, dann versuche ich das zu sabotieren."

Wolfgang Möstl

Das Einzige, was bei Mile Me Deaf golden glänzt, ist das Obst und das Lametta im Video zum Track "Dig Deep".

Kreiml&Samurai – geilstes Leben für den Schweinehund

"Der Schweinehund ist einfach ein Wiener" sagen Kreiml&Samurai, zwei Mundart-Rapper aus Wien, die den gepflegten Ranz zelebrieren. Ein bisschen assi darf‘s sein – Hauptsache die Beats sind tight, die Punchlines zielsicher und der Schmäh auf übermenschlichem Level. Besonders nice zusammen mit Labelkollege Monobrother.

"In Österreich Weltruhm, das ist wie europäische Weltklasse. Ein Wiederspruch in sich. Die Möglichkeiten von Mundart-Rap sind halt eingeschränkt."

Kreiml&Samurai

Kreiml&Samurai setzen deswegen große Hoffnung in die bayerische Crowd, die mit ihrem Support des Salzburger Crack Ignaz bereits ihre Affinität für österreichischen Dialekt bewiesen hat. Zugegeben, für manche Lines braucht man schon die Wienerisch-Matura. Aber: Beats und Flair tragen die Tracks sogar, wenn man nicht jedes einzelne Wort versteht. Und wenn wir ganz ehrlich sind, verstehen wir bei BBou auch nicht immer alles.

Ogris Debris – die Elektrokatzen


So not Berlin: Auch im Elektrobereich hat Österreich einiges zu bieten. Erinnert ihr euch noch an den Dancetrack von vor ein paar Jahren, in dem ständig eine Männerstimme "Miezekatze, Miezekatze, Miezekatze" sagt? Das waren die Österreicher Ogris Debris.

Seitdem hat sich bei den Jungs aus Wien einiges geändert, vor allem musikalisch.

"Unser Sound ist ausgegorener, reifer geworden. Wir waren früher extremer, haben in alle möglichen Richtungen ausgeschlagen. Aber jetzt ist es runder und zeitloser."

Gregor von Ogris Debris

Das hört man deutlich auf ihrer neuen Platte "Constant Spring". Eine neu aufgelegte Version von der Miezekatze hat es auch aufs Album geschafft – sozusagen als Hommage an die Anfangszeit. Die anderen Nummern sind aber frisch - wie auch das Video zur Singleauskopplung "Beyond the Wall".

Vague – Nostalgie und Nebelschwade

Endlich wieder Gitarrengeschwurbel, verträumter Hallgesang und Knutschen. Vague klingen herrlich unaufgeregt und bringen den Post-Rock zurück. Dass die Band auch gerne Hip Hop hört, merkt man ihrem neuen Album "In the Meantime" nicht unbedingt an, Vorbilder wie Velvet Underground klingen dafür umso deutlicher raus.

Ansonsten lassen sich die Wiener gerne von heimischen Bands inspirieren. Sänger und Gitarrist Simon zählt als Einflüsse unter anderem Kollegen wie Mile Me Deaf, Sluff und das Soft Power Ensemble Vienna auf. Neben dem Support für ihre Wahlheimat Wien betonen Vague, dass nicht alle guten Bands zwangsweise aus der Großstadt kommen müssen.

"Auch in Tirol gibt es großartige Musik. Die Bands da können locker mithalten und haben etwas sehr Mondänes. Genauso in Linz und in Salzburg."

Simon von Vague


30