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Musik-Vorschau 2017 Auf diese Alben freuen wir uns 2017 ganz besonders

2017 sammeln sich ein paar Dinge am Horizont, die auf ein verdammt grandioses Musikjahr hoffen lassen. Wir haben zusammengesucht, bei welchen sechs Alben uns jetzt schon warm ums Herz wird.

Von: Jasper Ruppert

Stand: 21.12.2016

The XX | Bild: Laura Coulson

Bonobo – Migration (13.01.)

Simon Green a.k.a. Bonobo haut am 13. Januar sein neuestes Werk raus. "Migration" ist der Nachfolger zu "The North Borders", zu dem es auch ein beeindruckendes Live-Album samt Konzertmitschnitt aus einem Amphitheater in Kroatien gibt. Stilistisch darf man wieder ähnliche Kost erwarten - diese Kost ist auch einfach geil. Egal ob man den Stil jetzt Chill-Out, Downtempo oder sonst wie nennen will, kaum einer versteht es aus elektronischen Elementen und einer Vielzahl klassischer Instrumente ein derart stimmiges Gesamtbild zu erschaffen. Wenn er dann auch wieder so grandiose Sängerinnen wie Andreya Triana an Bord hat…

The XX – I See You (13.01.)

The XX in unserer Vorschau-Highlight-Liste – viele würden sagen: ein No-Brainer. Das letzte Album ("Coexist") ist inzwischen fünf Jahre alt. Da ist viel Wasser die Themse runter. Und Bandmitglied Jamie XX hat in der Zeit sein großartiges "In Colour"-Soloalbum rausgehauen. Wir haben also große Erwartungen an "I See you". Die Band hat schon angekündigt, dass es ein komplett anderes Konzept werden solll. Kommt also der XX-Stilwechsel? Andere Helden des Indie haben sich auf Werk Nummer drei schon mal gerne an neuen Dingen probiert. Finden nicht immer alle Fans geil – Stichwort: Mumford and Sons-Fansund ihr Banjo-Phantomschmerz. Und bei The XX? Die erste Single zum neuen Album "On Hold" hätte man sich vom Stil her auch nicht unbedingt auf einem der ersten beiden vorstellen können. Vielleicht wird der Rest vom Album ja noch experimenteller.

Antilopen Gang – Anarchie Und Alltag (20.01.)

2017 freuen wir uns noch mehr aufs Antilopen-Gang-Album - und das nicht nur weil PULS im neuen Video gleich an mehreren Stellen zu entdecken ist. Naja, vielleicht ein kleines bisschen. Aber in erster Linie geht es natürlich um die geile Mucke des Trio und die erfrischende Selbstironie. Dazu schaffen die Antilopen etwas Seltenes: Politisch sein ohne peinlich zu sein. Genau davon erwarten wir viel auf "Anarchie und Alltag". Nachdem textlich die Uni gefickt wurde und jeder über Beate Zschäpes Musikgeschmack Bescheid weiß, kommen sie bald mit einem Doppelalbum um die Ecke. Da covern die Hufigen sich selbst, zusammen mit Herrschaften von Campino bis Bela B. Wir freuen uns wie bolle darauf, was nach – oder besser – aus dem trojanischen Pferd kommt. Und ein prägnantes Hashtag gibt’s auch schon: #aua

Frank Carter & The Rattlesnakes – Modern Ruin (20.01.)

Frank Carter ist eine britische Hardcore-Legende. Mit den Gallows machte er übelen Auf-die-Fresse-Sound und war bekannt für brutal-intensive Live-Shows. Dann stieg er aus, wechselte vom Hardcore in den Alternative Rock und nannte das neue Projekt grandioser Weise "Pure Love". Ist eben doch ein herzensguter Kerl, dieser komplett zutätowierte und teilweise angsteinflößend dreinblickende Gingerhead. Dann: Nächstes Projekt, zurück zum Hardcore. Auf dem Debüt-Album von Frank Carter & The Rattlesnakes brüllte er sich wieder Wut und Sorgen aus der Seele: Und jetzt: Gleiches Projekt, nur zurück zum Alternative Rock. Bums haben die beiden ersten Songs zwar immer noch, aber es verirren sich auch Melodien und Indie-Anleihen darauf. Wenn das ganze Album so wird – geil!

Bilderbuch – Magic Life (17.02.)

"Es gibt zu wenig Sex in der deutschsprachigen Musik, ganz grundsätzlich! Für die Sexyness muss man aber arbeiten", ist die knallharte Analyse von Bilderbuch. Damit es wieder mehr Sexyness gibt, haben die Österreicher wieder hart gearbeitet. "Magic Life" kommt im Februar und ist das vierte Album der Band. Allein weil man bei der Band das Unerwartete erwarten muss, freuen wir uns auf die LP. Denn kaum ein Act hat eine so stimmige, aber trotzdem überraschende Entwicklung hingelegt. Wie Hütchenspieler bringen Bilderbuch Musik-Genres durcheinander und lassen dadurch etwas vollkommen Neues entstehen. Da treffen düstere Beats auf spontane 80er-Synthie-Explosionen, Party-Trompeten auf die Heys und Hos von Naughty By Nature. Total verrückt, aber geil.

Casper – Lang lebe der Tod (tba)

Die Single "Lang lebe der Tod" hat reingehauen in der deutschen Musiklandschaft. Ein Deutsch-Rapper, der mal kurz Blixa Bargeld, Dagobert und Sizarr für einen Song zusammentrommelt. Manche haben es ohne Ende gefeiert, andere waren eher irritiert – aber ohne Meinung kam man aus der Nummer nicht raus. Eigentlich hätte das zur Single gehörende Album ja schon im September rauskommen sollen, dann hat es Casper auf unbestimmte Zeit verschoben. Aber irgendwann 2017 wird es rscheinen, sein viertes Solo-Album. Die gleichnamige Single "Lang lebe der Tod" lässt schon erahnen, dass der Bielefelder musikalisch neue Wege geht. Und nach dem Vertrösten muss es natürlich geil werden. Wäre ja auch enttäuschend, wenn jemand so lange an etwas schraubt und dann kommt nix bei rum… es würde Casper zum Berliner Flughafen des Deutsch-Rap machen.


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