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Milky Chance über Erfolg in USA "Wir passen uns nicht an und machen unser Ding"

Ihre erste US-Tour lief super und fürs nächste Frühjahr ist schon die nächste angekündigt. Wir haben mit Milky Chance über amerikanische Fans, Erfolg und und ihren leicht verunglückten Auftritt bei Jimmy Kimmel gesprochen.

Von: Christina Wolf

Stand: 10.11.2014

Sänger Clemens beim Lowlands Festival in Biddinghuizen | Bild: dpa-Bildfunk

Milky Chance haben im vergangenen Jahr einen erfolgreichen Start in Deutschland hingelegt. Mittlerweile sind sie aber weit über die Grenzen der Bundesrepublik bekannt, auch über die von Europa. Im Oktober waren sie in den Staaten unterwegs - und sind auch dort extrem gut angekommen. PULS hat mit den beiden Jungs aus Kassel nach dem Ende ihrer Tour gesprochen.

PULS: Wie nervös wart ihr vor der ersten US-Tour?

Man hat auf jeden Fall Bange und auch einigen Respekt. Es hat sich aber in Grenzen gehalten, weil wir eigentlich nur wenig Lampenfieber haben. Aber aufregend war es auf jeden Fall.

Gab es Überlegungen etwas an der Performance für das amerikanische Publikum zu verändern?

Nee. Wir haben zwar gemerkt, dass alles etwas anders läuft als in Europa, dass der Show-Faktor viel mehr im Vordergrund steht - aber wir wollen uns da nicht anpassen. Wir wollen da unser Ding machen, genau wie hier.

Bands erzählen oft, dass deutsche Konzertbesucher eher zurückhaltend sind im Gegensatz zum amerikanischen Publikum. Habt ihr irgendwelche Unterschiede bemerkt?

Wir hatten in Deutschland sehr geile Konzerte mit tollem Publikum. Aber Amerikaner sind auf jeden Fall extrovertierter und gehen mehr ab. Aber ich find das nicht so schlimm, dass es in Deutschland anders ist. Ich gehe selbst auch oft zu Konzerten und will mich nicht im Kreis drehen und rumspringen. Ich finde das völlig in Ordnung, wenn man die Musik ruhiger auf sich wirken lassen will.

Was haben die amerikanischen Fans euch erzählt? Was gefällt ihnen an euch?

Sie nennen dieselben Gründe, wieso sie unsere Band mögen. Sie sagen: 'Die Musik ist toll, die Haare sind toll, ihr seid so gechillt und entspannt'. Da gab es keine großen Unterschiede zu deutschen Fans.

Am US-Markt sind schon viele deutsche Bands gescheitert. Wie erklärt ihr euch, dass eure Musik in den USA so gut funktioniert?

Ich weiß es nicht und denke da nicht drüber nach. Es gibt meiner Meinung nach kein Erfolgsrezept. Viele Leute haben versucht, eine Erklärung zu liefern - und jede war anders. Deshalb glaube ich nicht an solche Erklärungen. Einer meinte, es funktioniere nur, weil ich so viel Mut habe, meine eigene Stimme zu finden.

Klingt spirituell. Apropos: Warum hattet ihr beim Auftritt in der Talkshow von Jimmy Kimmel ein Lagerfeuer auf der Bühne? Das sah ziemlich esoterisch aus.

Es sollte ablenken, wie schief ich singe (lacht). Irgendwer hatte die Idee, mal was auszuprobieren. Und dann entstand das mit dem Feuer. Wir machen das auch zuhause gerne - am Feuer sitzen.

Du klangst anders als sonst. Woran lag es? Nerven? Krankheit? Rauch vom Lagerfeuer in den Hals gekriegt?

Als wir dort waren, hatten wir ein gutes Gefühl. Am nächsten Tag haben wir uns das angehört und es klang ziemlich scheiße. In dem Moment hat mich mein eigenes Gefühl getäuscht - und das hat mich ziemlich geärgert. Aber ich hab dann gemerkt, dass es jetzt keinen Sinn macht, sich im Nachhinein darüber aufzuregen. Ich muss wohl ein bisschen mehr üben (lacht). Ich habe mich nicht mal getraut, die Kommentare unter dem Video zu lesen.

Vor kurzem hat ein US-Schauspieler in der Jimmy Kimmel-Show von seinem Auftritt bei Wetten, dass..? erzählt - oder eher gesagt, gelästert. Jetzt kannst du mal auspacken: Wie bizarr war es im US-Fernsehen aufzutreten?

Es war total unspektakulär. Wir sind nicht direkt in der Show aufgetreten und haben auch nie Jimmy Kimmel gesehen. Das war alles zusammengeschnitten.

Wo geht's denn als nächstes hin?

Wir touren im Januar in Australien und Neuseeland. Im Februar sind wir nochmal in Europa unterwegs und geben noch ein paar Konzerte in Amerika. Dann wollen wir uns aber Zeit nehmen, um an einem zweiten Album zu arbeiten. Klar könnten wir auch noch ewig weiter touren - durch Japan oder Südamerika. Aber dann würde es die nächsten Jahre kein neues Albumg geben. Man muss ja nicht überall spielen - man kann auch einfach mal privat dort hinreisen.

Heißt das, dass wir 2015 mit einem neuen Album rechnen können?

Das weiß ich noch nicht genau. Momentan schätze ich, dass wir es im Winter aufnehmen und es im Frühjahr 2016 erscheint. Wir brauchen Zeit - es soll ja schließlich schön werden.


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