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Kakkmaddafakka beim PULS Open Air 2016 "Wenn die Girls nicht wären, würden wir Metal machen"

Über zehn Jahre gibt es Kakkmaddafakka jetzt schon. Höchste Zeit also, mit Axel und Pish mal übers Altern als Partyband zu sprechen - und die Wichtigkeit von Frauen im Publikum.

Von: Ann-Kathrin Mittelstraß

Stand: 14.06.2016

Axel von Kakkmaddafakka im Interview beim PULS Open Air 2016 | Bild: BR

"Partytier". Kakkmaddafakka heißt wirklich einfach nur: "Partytier". Und dafür stehen die Norweger mehr als alle anderen: Auf ihren Live-Shows herrscht Ekstase und Endorphin-Flut - und das schon seit über zehn Jahren. Wir haben uns beim PULS Open Air 2016 mit den Band-Brüdern Axel "Manhatten" Vindenes aka "Nature" und Pål "Pish" Vindenes aka "Space" ein trockenes Plätzchen gesucht, um mit ihnen vor ihrer Show übers Altern als Partyband zu sprechen, über die Wichtigkeit von Frauen im Publikum und die Gemeinsamkeiten mit ABBA und Axl Rose.

PULS: Schön, euch wieder zu sehen! Kakkmaddafakka gibt’s jetzt schon seit über zehn Jahren. Inzwischen seid ihr Mitte, Ende 20. Habt ihr schon irgendwelche Alterserscheinungen an euch festgestellt?

Axel: Ein bisschen vielleicht. Aber weißt du, wir haben das Glück, dass wir nur das machen können, was uns Spaß macht - das hilft beim Altern. Unser Alltag heute ist fast genauso wie damals, als wir noch Kinder waren.

Aber touren ist ja sehr anstregend. Denkt ihr euch nicht manchmal: Ich bin langsam zu alt für den Scheiß?

Pish: Das nicht, aber es ist immer gut, wenn man sich mit jüngeren Leute umgibt. Die geben uns Energie!

Also werden eure Fans nicht mit euch älter?

Axel: Doch, schon. Aber es kommen immer wieder junge Fans dazu, die uns mögen. Kakkmaddafakka ist irgendwie ein junges Ding. Trotzdem macht es uns sehr glücklich, dass in jeder Stadt Leute zu unseren Gig kommen, die uns schon tausendmal gesehen haben. Die kommen einfach immer wieder. Für solche Leute machen wir das Ganze immer noch - obwohl wir eigentlich schon alle unsere Ziele erreicht haben.

Welche Ziele hattet ihr denn?

Axel: Also mein erstes Ziel war es, einen Song zu schreiben, zu dem Leute springen können - das ist abgehakt. Dann: Eine Show außerhalb von Norwegen zu spielen. Oder erstmal außerhalb von Bergen. Jetzt reden wir schon von Asien - da waren wir noch nie… Bei uns läuft’s super! (lacht)

A propos Songs zum Springen: Ihr habt ja den Ruf, auf der Bühne sehr witzig zu sein und auch mal eure Shirts auszuziehen. Macht ihr das noch?

Axel: Klar! Wenn’s heiß genug ist. Erst letztens in München musste ich mein Shirt ausziehen.

Glaubt ihr, die Leute wären vielleicht enttäuscht, wenn ihr mit solchen verrückten Aktionen aufhören würdet?

Axel: Axl Rose steht zur Zeit parallel mit Guns N'Roses und AC/DC auf der Bühne - und der Typ ist ungefähr doppelt so alt wie wir. So lange wir noch Bock auf Party haben, machen wir weiter. Noch sind wir ja gesund.

Wenn ihr danach gefragt werdet, warum ihr Musik macht, sagt ihr immer: Wegen der Girls. Ist das immer noch so?

Axel: Das stimmt nicht ganz: Wegen der Girls machen wir die Musik, die wir machen. Sonst würden wir Metal spielen. Wir lieben Metal, aber das Publikum ist schlimm. Wenn wir auf der Bühne stehen, sind im Publikum 70 Prozent Ladies - eine fantastische Situation. Das ist eigentlich nur bei uns so - und bei den Kings of Convenience.

Warum ist euch das so wichtig?

Axel: Frauen sind ein besseres Publikum, weil sie viel höflicher sind als Männer. Das kann ich nach 12 Jahren Erfahrung sagen. Immer wenn bei unseren Konzerten mal zu viele Männer sind, benehmen sich die Leute im Publikum so wie wir auf der Bühne. Wenn zu viele von meiner Sorte da sind, wird’s echt unangenehm.

Was macht ihr dann?

Axel: Dann machen wir ein bisschen langsamer. Und sagen: "Hey Jungs, passt auf die Mädels auf! Ihr seid größer und müsst Rücksicht nehmen. Tanzt nicht wie Rugbyspieler! Tanzt lieber wie Schwäne!"

Ich habe das Gefühl, in euren Songs geht es inzwischen weniger darum, Frauen kennenzulernen, sondern auch öfter darum, bestimmte Frauen zu behalten und eine Beziehung zu führen.

Axel: Das hast du wahrscheinlich ziemlich treffend analysiert, aber darüber machen wir uns keine Gedanken. Wir versuchen einfach, Songs zu schreiben, die in dem Moment authetisch sind.

Auf eurem neuen Album gibt es diesen Song "Young You" - worum geht es darin?

Axel: Um eine Trennung. Ich sage darin einer jüngeren Person, dass es vorbei ist. Das ist ein sehr trauriger Song. Eigentlich sind die meisten unserer Songs traurig.

Aber sie klingen gar nicht traurig...

Axel: Das ist der Schlüssel zu Kakkmaddafakka! Das haben wir uns von ABBA abgeschaut. Die Songs von ABBA klingen auch total fröhlich, sind aber eigentlich sehr traurig. Ich glaube, die meisten guten Songs sind traurig.

Pish: Ich glaube, das bessere Wort ist "melancholisch". Heute habe ich erst "A Boy Named Sue" von Johnny Cash gehört. Darin geht’s um einen Typ, der seinen Sohn Sue nennt. Klingt total witzig, ist aber sehr melancholisch, weil es um eine Vater-Sohn-Beziehung geht.

Euer neues Album "KMF" ist zum ersten Mal nicht von Erlend Øye (The Whitest Boy Alive/Kings Of Convenience) produziert worden, sondern von euch selbst. Gehört diese Veränderung auch zum Erwachsenwerden?

Axel: Ja, das war eine gute Entscheidung - es hat sich aber auch einfach so ergeben. Wir wollten, dass es Erlend macht, aber er hatte keine Zeit. Er war aber trotzdem involviert - beim Songwriting und auf "Galapagos" spielt er sogar mit.

Noch etwas hat sich verändert: Früher hattet ihr immer den "Kakkmadda-Choir" dabei, euren eigenen Chor. Warum habt ihr den abgeschossen?

Axel: Zu teuer! Wir wollten uns mehr auf unsere Musik konzentrieren und weniger auf die Show. Außerdem wollen wir auch mal Geld verdienen. Wenn wir dauernd tausend Leute mitnehmen, wird das nie was.

Glaubt ihr, die Leute unterschätzen Kakkmaddafakka manchmal wegen eures Party-Images?

Axel: Auf jeden Fall. Aber dafür haben wir uns bewusst entschieden. Leute, die alles zu ernst nehmen, haben keinen Spaß. Auf solche Leute gebe ich nichts. Deswegen ist uns auch egal, was sie über uns denken. Wir lassen die Musik für sich sprechen. Wir haben drei tolle Alben gemacht, die fast jedem gefallen, der sie zweimal gehört hat.

Ich mochte sie sogar nach dem ersten Hören.

Axel: Siehst du! Frag lieber mal die ernsthaften Leute: "Why so serious?"


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