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Info Die vier Londoner kennen sich seit sie drei Jahre alt sind, waren auf der selben Grundschule wie die Jungs von Hot Chip und Pierce Brosnan und machen dazu noch New Wave für die Neuzeit! Großartig. Achtung, Hype.

Interview // Bonaparte "Hey, ich bin jetzt hier. Lass uns Zeit verbringen."

Tobias Jundt aka Bonaparte ist ein bisschen Punk, ein bisschen Intellektueller und vor allem: extrem produktiv. Ein Gespräch über sein ruhiges neues Album, nostalgische Schuh-Ticks und warum er so viele Dinge gleichzeititg macht.

Von: Verena Fiebiger, David Mayonga

Stand: 01.06.2017 | Archiv

Bonaparte | Bild: Gian Losinger

PULS: Du trägst auf dem Kopf und am Fuß immer das Gleiche. Warum?

Bonaparte: Ich habe seit den elf Jahren, in denen ich als Bonaparte Musik mache, nur Boxschuhe an den Füßen. Sowohl privat als auch auf der Bühne. Ich sammle all diese Schuhe in einer Kiste. Der Gedanke dahinter ist ein total poetischer:  Irgendwann will ich all diese Schuhe in eine Reihe stellen. Und dann hast du - egal was in all dieser Zeit passiert ist - die Schuhe dabei, in denen du gelaufen bist. Diesen Gedanken finde ich sehr schön. Und beim Hut ist es genau das gleiche. Den habe ich den ganzen Tag auf, sammle die Gedanken darin und am Abend nehme ich ihn ab. Und meistens sind da zwei bis drei tolle Songs drin.     

PULS: Du hast gesagt, dass dein neues Album „The Return of Stravinsky Wellington“ ein Album für den Tag ist. Was meinst du damit?

Bonaparte: Man kann es auch in der Nacht hören, aber eben auch am Tag. Was ich damit meine ist, dass es kein "aufhypendes" Album ist.  Es ist bewusst kein Hit-Album geworden. Ich würde sagen, dass es ein sehr unaufgeregtes Album ist. Keines, das schreit und sagt: "Ich bin jetzt hier." Kein Party-Album. Es ist ein Werk das sagt: "Hey, ich bin jetzt hier, lass uns Zeit verbringen."

PULS: Bei dem Song Melody X, der auf deinem neuen Album ist, geht es um jemanden, der über sein verpfuschtes Leben sinniert. Ist das für dich ein trauriger oder doch positiver Song?

Bonaparte: Für mich ist es ein positiver Song, weil es um Hoffnung geht. Ich singe ihm Hoffnung zu. Natürlich ist es das "Wort Case Szenario".  Es ist das Schlaflied des schlimmstmöglichen Falls. Dennoch ist die Lösung, immer Hoffnung zu haben. Wie ein kleines Nachtlied, das man vielleicht noch aus der Kindheit kennt. Leben an sich ist ja immer bejahend, doch der Mensch teilt uns oft immer nur mit, dass es ihm schlecht geht. Und genau mit diesen Gefühlen und Gedanken spiele ich in dem Song Melody X.

PULS:  Du bist bekannt dafür, extrem produktiv zu sein und machst oft viele Sachen gleichzeitig. Geht das, dass man alles gleichzeitig macht oder sollte man sich auch mal fokussieren?  

Bonaparte: Fokussieren ist definitiv sehr wichtig. Niemand würde mich kennen, hätte ich vor elf Jahren nicht gesagt, dass ich meinen Fokus auf Bonaparte lege. Damit mich Leute kennen, musste ich mich auf meinen Stil und mich fokussieren. Ohne Zweifel! Ich habe früher alles gemacht. Von klassischer Komposition für Orchester, über Jazz zu Hip-Hop-Beats. Das hat mich auch alles fasziniert. Aber ich versteh auch, wenn die Leute dich dann fragen, ob du der Prostituierte vom Dienst bist. Die Zuhörer wollen, dass der Künstler nur ein Ding macht, für das er brennt. Und genau deshalb ist es wichtig sich zu fokussieren. Aber dennoch, am Ende des Tages ist es mindestens genauso wichtig, dass man das macht, das man spürt und fühlt. Und ich mach eben gerne verschiedene Dinge. Und deshalb klingt mein neues Album auch wieder anders als die alten Sachen. Weil ich verschiedene Richtungen ausprobieren will.

Sendung: Plattenbau, 31.05.2017 - ab 19 Uhr