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Phänomen Babymetal J-Pop goes Wacken

Die Musikblogs überbieten sich gerade mit Lobhudeleien auf Babymetal, eine gecastete Girlband. In Europa und den USA spielen sie auf großen Bühnen. Dabei ist der Hype um die drei Japan-Metal-Mädels alles andere als neu.

Von: David Würtemberger

Stand: 18.06.2015

Band aus Japan | Bild: x-why-z / presspics

Dass gecastete Girlbands auf Blogs durchgefeiert werden, ist tendenziell eher selten. Im Fall von Babymetal passiert gerade aber genau das. Warum? Weil Babymetal zwei Dinge vermischen, die ungefähr so viel Berührungspunkte haben wie NSA und Privatsphäre. Die drei Mädels zwischen 15 und 17 schmieren ihren pappsüßen Gesang nämlich auf beinharte Metalbretter.

Fans von japanischen Idolgruppen können sich jetzt hart vorkommen und Metalheads haben jetzt endlich etwas, worauf sie gar nicht gewartet haben: ihre eigene Girlgroup, bei der süße Mädels in kurzen Gothic-Lolita-Kleidchen über die Bühne hopsen und dabei die Pommesgabel zeigen. Und der Rest der Welt findet das natürlich so skurril, dass es schon wieder geil ist.

Der Hype ist nicht neu. Das skurrile Phänomen Babymetal schwirrt schon seit knapp zwei Jahren durch die Musikwelt. Dass "Kawaii Metal", also niedlicher Metal, online steil gehen würde, sollte eigentlich niemanden überrascht haben, der schon mal im Internet war. 28 Millionen YouTube-Klicks zählt ihr Live- Video zu "Gimme chocolate!!" mittlerweile.

Auf derselben Bühne wie Limp Bizkit und Metallica

Wer aber denkt, das wäre es dann auch wieder gewesen mit Babymetal, der ist mächtig schief gewickelt: Babymetal legen im Westen gerade erst so richtig los. In England verkaufen sie schon letztes Jahr große Hallen aus, dieses Jahr haben sie sich auf dem Rockavaria Festival in München die Bühne mit Limp Bizkit und Turbonegro geteilt. Auch in den USA explodieren Babymetal jetzt wohl endgültig. Ihr Debütalbum wird mit viel Marketing-Trara in einer US-Version veröffentlicht. "Consequence of Sound", einer der einflussreichsten Musikblogs weltweit, pusht das Trio jetzt auch. Und zwar, weil YuiMetal, Su-Metal und MoaMetal einfach "awesome" seien.

Und es geht noch fetter: Beim legendären Reading Festival in England spielen sie auf der Main Stage. Da spielen außer ihnen zum Beispiel Metallica, The Libertines oder Kendrick Lamar. Vielleicht zeigen sie denen dann auch, wie man richtig headbangt – zu Babymetal wird nämlich nicht gemoscht, sondern mit dem Kopf nach links und rechts gewackelt. Kawaii halt.


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Mike, Freitag, 19.Juni 2015, 12:53 Uhr

1. Babymetal - Rockavaria

Ich war beim Rockavaria und bin echt begeistert von den Tokioter Metal Babies. Metal mit Niedlichkeit zu verkaufen, das muss erst mal wem einfallen. Und die Umsetzung ist einfach genial. Das Album wird übrigens auch bei uns vertrieben, ear music, nicht nur in den USA.
Und wenn ich noch eine kurze Kritik am Veranstalter anbringen darf: Für Rollstuhlfahrer standen zwar Plätze bereit - Dank dafür! -, aber der Wechsel zwischen Stadion und Halle war ein kilometerlanger Spießrutenlauf. Vielleicht lässt sich da etwas verbessern.