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On the Run II-Tour Wieso will niemand zu Beyoncé & Jay-Z?

In Glasgow wurden Karten für ihr Konzert verschenkt, die Show in Berlin ist kurz vorher noch längst nicht ausverkauft. Die zwei größten Stars unserer Zeit gehen zusammen auf Tour - und keiner geht hin?

Von: Matthias Scherer

Stand: 22.06.2018 | Archiv

Beyoncé und Jay Z | Bild: picture-alliance/dpa

Als beim zweiten Konzert der "On the Run II"-Tour von Beyoncé und Jay-Z in Glasgow die Meldung herumging, dass auf dem Parkplatz vor dem Hampden Park-Stadion Tickets verschenkt wurden, hieß es sehr schnell: "Die Tour ist ein Flop!" Der Drop des gemeinsamen Albums "Everything is Love" ein paar Tage später nahm dieser Meldung erstmal den Wind aus den Segeln. Aber wenn man sich die anstehenden Konzerte anschaut, fällt einem auf: ausverkauft sind sie alle nicht.

In Mailand wurden Tickets am Ende für sechs Euro verschleudert, für das Konzert in Kopenhagen am 23. Juni gibt es (Stand 21.6.), definitiv noch Karten - in 16 von 26 Preiskategorien. Beim ersten Deutschland-Termin am 28. Juni im Berliner Olympiastadion sind Tickets ebenfalls erst in vier von acht Preiskategorien ausverkauft. Zum Vergleich: Ed Sheeran spielt drei Wochen später in derselben Location, Karten gibt es schon lange keine mehr.

Zwei der größten Stars unserer Zeit gehen zusammen auf Europa-Tour - und keiner geht hin?

Riesige Locations und noch größere Ticketpreise

Ein Grund dafür, dass die Tour sich nicht ausverkauft, ist sicherlich die schiere Größe der Konzert-Locations. Das sind nämlich fast ausnahmslos Fußballstadien mit mindestens 40.000 Plätzen. 48 Konzerte dieser Größenordnung allesamt voll zu bekommen, wäre eine irre Leistung, selbst bei zwei so großen Stars.

Natürlich spielt auch der Preis eine Rolle. Ein Sitzplatz in der Preiskategorie 4 für das Konzert im RheinEnergieStadion in Köln am 3. Juli kostet ohne Versandgebühren schlappe 110 Euro. Das wäre bei einem Konzert der Rolling Stones noch ein Schnäppchen, da kosten Stehplatz-Karten bis zu 800 Euro, aber für Fans von Beyoncé und Jay-Z, die höchstwahrscheinlich noch keinen Bausparvertrag haben, ist das eine Stange Geld. Trotzdem: An hohe Ticketpreise haben wir uns in den letzten Jahren gewöhnt. Außerdem gibt es auch billigere Karten, die auch nicht alle ausverkauft sind.

Celebrities sind keine Postars

Eine Theorie: Im nicht-englischsprachigen Europa sind Beyoncé und Jay-Z primär Celebrities - und keine von Millionen Fans heiß verehrten Popstars. Jeder in Europa weiß, wer Beyoncé und Jay-Z sind - inklusive unserer Mütter. Über die beiden wird ständig in allen Medien berichtet. Und auf Abifeiern läuft irgendwann immer noch "Crazy In Love". Aber deswegen kauft sich niemand eine Konzertkarte für 100 Euro.

In den USA ist Beyoncé ein Vorbild für Millionen von schwarzen Frauen und Mädchen, und eine Gallionsfigur der gesamten afroamerikanischen Community, die sich inspiriert fühlen, wenn sie den Bürgerrechtler Malcolm X zitiert oder ihren Afro feiert.

Diese kulturellen und politischen Referenzen sind ein unglaublich wichtiger Teil von Beyoncés Strahlkraft - verpuffen in Deutschland aber größtenteils. Hier wird eben tendenziell lieber zu Ed Sheeran geschwoft. Die fanatische Fanbase, die Beyoncé in den USA hat, fehlt ihr in Europa - und auch Jay-Z, ein etwas in die Jahre gekommener Luxus-Rapper, der seinen letzten großen Deutschland-Hit mit "Empire State Of Mind" vor fast zehn Jahren hatte, kann das nicht mehr wettmachen.

Macht aber auch nichts

Auch wenn die Konzerthallen in Europa nicht voll sind - Verluste werden die Carters höchstwahrscheinlich trotz allem nicht machen: Ein Sprecher der Produktionsfirma der OTRII-Tour sagte dem Billboard-Magazin, dass allein die Ticketverkäufe in den USA 100 Millionen Dollar  einbringen würden. Wir müssen uns um die beiden also keine Sorgen machen.

Sendung: Filter vom .06.2018 - ab 15 Uhr