Netflix-Doku-Serie "The Defiant Ones" Die epische Story zweier Musiklegenden

Dr. Dre und Jimmy Iovine: zwei Namen, die im Musikbiz jeder kennt. Der eine hat HipHop-Klassiker produziert, der andere die Dire Straits. Trotzdem sind ihre Karrieren unzertrennlich verwoben. Eine Doku-Serie erzählt ihre Story.

Von: Matthias Scherer

Stand: 22.03.2018

Screenshots aus der Netflix Serie "The Defiant Ones" über Dr.Dre und Jimmy Iovine | Bild: Netflix

Auf der einen Seite: ein nachdenklicher Junge aus Compton, dem härtesten Pflaster L.A.s. Auf der anderen: ein italienischstämmiges Großmaul aus Brooklyn. Der eine macht Mitte der 70er den Putzmann in einem New Yorker Studio und lernt so zufällig John Lennon kennen - der andere mogelt sich zehn Jahre später in einem HipHop-Schuppen ans DJ-Pult, um dort Breakdance-Tracks mit Doo-Wop zu mischen.

Jimmy Iovine

Jimmy Iovine und Andre Young aka Dr. Dre könnten unterschiedlicher kaum sein – und trotzdem, so erfährt man es in der Doku-Serie "The Defiant Ones", sind ihre Karrieren unzertrennbar miteinander verbunden. Ihre Wege kreuzen sich 1992, als Dr. Dre – der gerade bei der legendären Rap-Gruppe N.W.A. ausgestiegen war – sein erstes Soloalbum veröffentlichen will. Das Problem: Niemand in der von weißen Männern dominierten Musikindustrie will mit Gangsta-Rap was am Hut haben. Niemand außer Ex-Plattenproduzent Jimmy Iovine, der mit Interscope Records gerade sein eigenes Label gegründet hat und von "The Chronic" sofort geflasht ist.

Spannende Anekdoten und viel Business Gelaber

Dr. Dre

Die Serie "The Defiant Ones" ist gut gemacht und überzeugt vor allem durch spektakuläre Archivbilder und einen lupenreinen Soundtrack. Allerdings hat sie eine Schwäche: die detaillierten Ausführungen über Label-Zusammenlegungen und hart geführte Vertragsverhandlungen  interessieren außer den Beteiligten eigentlich niemanden. Dafür gibt es spannende Anekdoten von Zeitzeugen wie Snoop Dogg, Bruce Springsteen, Nas und Patti Smith zu hören – zum Beispiel über den West Coast-East Coast-Beef Mitte der 90er, oder darüber, wie der Erfolg einer heute größtenteils vergessenen weiblichen HipHop-Crew namens J.J. Fad den Weg für N.W.A. – und damit Gangsta-Rap generell – freigemacht hat.

The American Dream  

In vier mit Fun Facts vollgestopften Folgen sehen wir Jimmy Iovine und Dr. Der dabei zu, wie sie von hungrigen Musiknerds zu steinreichen und ausgekochten Geschäftsmännern werden, die Kopfhörer verkaufen und Millionendeals unterschreiben. Das kann man inspirierend oder ernüchternd finden – unterhaltsam ist es auf jeden Fall.

Sendung: Plattenbau, 22.03.2018 - ab 19.00 Uhr