Vorgestellt // The Blaze Warum ihr an diesem Producer-Duo nicht vorbeikommen werdet

Obwohl The Blaze gerade erst ihr Debütalbum veröffentlicht haben, sind sie momentan der angesagteste Act Frankreichs und werden von der internationalen Musikpresse in den Himmel gelobt. Wir erklären euch, warum das Duo zu Recht so gehyped wird.

Von: Jan Limpert

Stand: 31.10.2018 | Archiv

Guillaume and Jonathan Alric von The Blaze  | Bild: gigmit

"Lachen, weinen, tanzen" - Es grenzt an Ironie, dass ein Songtitel von Matthias Schweighöfer, seines Zeichens Aushängeschild für romantisch idealisierte Familienfilme und egale Popmusik, das Image einer Band auf den Punkt bringt, die das genaue Gegenteil von Schlagerpop und Heile-Welt-Geschichten sind. The Blaze passen sich nicht an den Mainstream an, sind aber trotzdem massentauglich.

Vers, Chorus, Hook – nach den Strukturregeln gängiger Popmusik richten sich die Tracks von The Blaze nicht. Wie es im Electro oder French House üblich ist, bauen sich die Songs langsam auf und variieren die wenigen, minimalistischen Melodien und Rhythmen. Dazu kommt eine tief gepitchte Männerstimme, die das klangliche Markenzeichen von The Blaze ist.

"Wir haben diesen Effekt zufällig gefunden, ausprobiert und behalten, weil er einfach passt. Außerdem singen wir beide auf unseren Songs, aber durch den Effekt merkt man das nicht – wir klingen dadurch einheitlich."

The Blaze im PULS Interview

Wenn man ganz ehrlich ist, klingen die beiden Cousins Guillaume und Jonathan Alric ein wenig nach den Kalkbrenner-Brüdern. Vielleicht spielen The Blaze auch bald nur noch in großen Stadien. Vom Mainstream unterscheidet sie aber vor allem die Kombination von Musik und Video – die gab es nämlich auch zu Kalkbrenner-Zeiten so noch nicht.

The Blaze sind ein audiovisuelles Producer-Duo aus Frankreich. Obwohl ihre Songs für sich genommen schon absolut hörenswert sind, gehören ihre Musikvideos unweigerlich zum Gesamtbild der Band dazu.

"Wir lieben es über Musik und Musikvideos zu reden. The Blaze ist beides. Wir arbeiten an der Musik und den Videos zusammen."

The Blaze im PULS Interview

Ihre Youtube-Clips ähneln Kurzfilmen. Sie zeigen keine geschönten Idealvorstellungen vom Leben, schaffen auch keine Fantasiewelten. Trotzdem stehen die ganz großen Themen im Vordergrund: Glück, Verlust, Liebe, Freundschaft – verpackt in unter sechs Minuten Bewegtbild. Die Message kommt dabei stets ohne künstliche Romantisierung aus. Nichts muss überspitzt dargestellt oder erklärt werden, um Wirkung zu erzielen.

"In unseren Musikvideos sprechen wir über Gefühle und versuchen universelle Stories zu machen, die in jedem etwas auslösen."

The Blaze im PULS Interview

Im Musikvideo zum Song "Territory" zeigen The Blaze einen französischen Migranten auf seiner Reise zurück in die syrische Heimat. Die Story bleibt dabei absolut wertfrei – ohne politische Kritik oder doppelten Boden.

In "Virile" wird die innige Beziehung zweier Männer zueinander beleuchtet, ohne ihrem Verhältnis den Stempel einer Bromance oder homosexuellen Liebe aufzudrücken.

"Wir wollen zeigen, dass alle Menschen gleich sind. Wir können alle lachen, schreien, weinen, tanzen und unsere Emotionen rauslassen." The Blaze im PULS Interview

Dieser Ansatz wirkt in ihren Videos nicht wie eine leichtfertige Floskel, sondern ehrlich und authentisch. Auch ohne schmalzige Streicher und fette Orchestrierung funktionieren ihre Songs wie ein richtig guter Soundtrack. Der bleibt im Hintergrund, setzt den Fokus auf das Geschehen und unterstützt die Grundstimmung der Bilder.

Die Musik von The Blaze wirkt ohne Videos aber nicht weniger emotional. Die Songs auf ihrem Debüt "Dancehall" sind bewusst so konzipiert, um beim Hörer etwas auszulösen.

"Wir wollten mit dem Album ein spezielles Gefühl transportieren, das wir 'Good Nostalgia' nennen. Unser Ziel war: Egal in welcher Situation du gerade bist, wenn du unsere Musik hörst, bekommst du dieses schön nostalgische Gefühl."

The Blaze im PULS Interview

The Blaze beweisen, dass ein nostalgischer Vibe ebenso zum Tanzen animieren kann, wie ein lupenreiner Gutelaune-Track. Ein absolut passender Move also, ihr Debüt-Album "Dancehall" zu nennen.

"'Dancehall' haben wir das Album genannt, weil wir damit den Raum zeigen wollten, in dem sich Leute treffen um gemeinsam zu tanzen. Das Hochhaus auf dem Cover haben wir gewählt, weil man sich in Frankreich - und vielleicht auch in anderen Ländern - im ersten Stock zum Tanzen trifft."

The Blaze im PULS Interview

Der Mix aus electrolastigen Songs und emotional aufgeladenen Videos sucht in der Musikszene noch seinesgleichen. The Blaze sind der Beweis, dass man sich nicht dem Mainstream anpassen muss, um erfolgreich zu sein.

Sendung: Filter, 02.11.2018 - ab 15.00 Uhr