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Der Beyoncé-Effekt Warum Überraschungsalben im Trend liegen

R.I.P. Veröffentlichungstermin. Stars wie Drake, Beyoncé und Kendrick Lamar veröffentlichen ihre Alben aus dem Nichts und brechen damit alle Rekorde. Eine neue Strategie der Musikbranche?

Von: Simone Voit

Stand: 26.03.2015

Grab mit Aufschrift "VÖ" | Bild: BR

"To pull a Beyoncé" - die Beyoncé machen - so nennt man es in den USA, wenn jemand überraschend ein Album raushaut. Grund dafür: 2013 veröffentlicht Beyoncé einfach über Nacht ihre neue Platte "Beyoncé" und setzt sich damit ein Denkmal. Keine Promotion-Phase, keine Vorab-Single, nichts. Es ist einfach da. Der Surprise-Release schlägt ein wie eine Bombe: In über 100 Ländern landet Beyoncé auf Platz 1 der iTunes-Charts. Twitter, Facebook und Co. kennen tagelang quasi kein anderes Thema. Alle Online-Portale berichten und jeder Musik-Blog kommentiert den Coup.

Ein Trend?

Kein Wunder also, dass jetzt andere Künstler nachziehen. Drake zaubert "If You Read This It's Already Too Late" aus dem Hut und Kendrick Lamar bringt sein Epos "To Pimp A Butterfly" einfach eine knappe Woche vor dem angekündigten Release raus.

Kendrick Lamar - "To Pimp A Butterfly"

Bei beiden funktioniert der Überraschungseffekt bestens. Sieht so aus, als ob die Musikbranche ein neues Marketingtool gefunden hat. Wenn du die News von der Veröffentlichung liest, ist's leider schon zu spät. Hier greift eines der stärksten Gefühle, das der Mensch kennt: Angst. Genauer: Die Angst, etwas zu verpassen. Also heißt es schnell auf Spotify und in die neue Platte reinhören - danach auf iTunes und das Ding runterladen. Auch wer bisher kein Fan ist, wird oft vom Herdentrieb mitgerissen. Alle reden drüber. Dann muss es ja wichtig sein! Und mal reinhören kostet schließlich nichts!

Eine Strategie

Die Überraschungsreleases bringen aber auch die Musikmedien in eine neue Situation. Wenn sie über das Album berichten, haben die Fans es schon längst gehört. Die Musik geht direkt vom Künstler an den Hörer, ohne Kritiker, der sie eventuell schon vorher runtergemacht haben könnte. Sind Überraschungsalben also die neue Erfolgsformel für alle Musiker? Bestimmte Voraussetzungen sollten schon gegeben sein, meint Sebastian Hornik, Pressesprecher von SONY Music Deutschland:

"Sie müssen fast schon globale Superstars sein. Wenn eine Indie-Newcomerband sagt: 'Okay, wir präsentieren euch unsere EP zuerst fünf Tage exklusiv auf Spotify!' und das über ihre Channels bewirbt, dann hat man da natürlich nicht so einen großen Effekt wie bei einem Superstar."

Sebastian Hornik

Die Überraschungsalben zeigen aber auch: Die Labels nehmen Streaming inzwischen als Einnahmequelle ernst. Der Überraschungseffekt löst in kurzer Zeit viele Plays aus und es fließt Geld. Drakes Surpriseplatte zum Beispiel wird in nur drei Tagen über 17 Millionen mal gestreamt. Aber wird sich der Überraschungseffekt abnutzen? Für die Fans, bei ihren Lieblingskünstlern, wahrscheinlich nicht. Aber der erste Künstler, der die Beyoncé macht und damit baden geht, muss wohl auch damit rechnen, dass der Fail nach ihm benannt wird.


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