Kommentar zum Polizeieinsatz bei Bonez MC und RAF Camora Wenn Rap-Konzerte zu Drogen-Razzien werden

Mehr als 110 Beamte durchsuchen die Fans von Bonez MC und RAF Camora bei ihrem Konzert in der Münchner Olympiahalle. Es ist nicht die erste Razzia bei einem HipHop-Konzert in Bayern. Aber warum trifft es vor allem Rap-Fans?

Von: Miriam Fendt

Stand: 28.02.2019 | Archiv

Bonez MC und RAF Camora live beim Frequency Festival 2018 | Bild: picture-alliance/dpa

In ihrem Song "Kontrollieren" rappen Bonez MC und RAF Camora: "die Polizei kommt, will uns kontrollieren". Die Zeile ist beim Auftritt in der Münchner Olympiahalle nicht mehr nur Gangster-Parole, sondern Wirklichkeit geworden. Nicht nur das Rap-Duo selbst musste sich den polizeilichen Kontrollmaßnahmen unterziehen, sondern auch die 13.000 Besucher des Konzerts. Insgesamt konnte die Münchner Polizei grob 90 Anzeigen stellen - davon etwa 60 wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und 30 Anzeigen wegen Verkehrsdelikten.

Reichen drogenverherrlichende Texte als Erkenntnisgrundlage aus?

In Relation zur Gesamtzahl haben sich also gerade mal 0,7 Prozent der Besucher strafbar gemacht. Die Zahl wirkt bei dem Aufwand, der mit einem personellen Aufgebot von über 100 Polizisten verbunden ist, verhältnismäßig gering. Werner Kraus, Pressesprecher der Polizei München, erklärt, dass so eine Aktion Erkenntnisse oder Hinweise über mögliche Straftaten voraussetzt.

"Wir machen die Kontrollen natürlich nur anlassbezogen. Wenn wir eine entsprechende Erkenntnis haben, dass das Publikum vor Ort auch konsumiert, dann ist man natürlich mit mehr Leuten vor Ort. Es gibt natürlich auch Sachen, wo man prophylaktisch kontrolliert - aber wenn man wirklich klare Erkenntnisse hat, dann wird man auch den Personaleinsatz entsprechend anpassen, um hier größtmöglich zeigen zu können, dass wir hier in keiner Weise tolerant sind."

Werner Kraus, Pressestelle Polizei München

Beim Rap-Duo Bonez MC & RAF Camora wären die Erfahrungen, die die Behörden in anderen Bundesländern bereits gesammelt hätten, aussagekräftig genug, um den Einsatz in München personell größer aufzufahren. Dazu kommt, dass die Rapper in ihren Texten Drogen zum Thema machen und auch auf der Bühne übers Kiffen reden.

"Uns war vorher schon bekannt, dass die Künstler relativ offen mit dem Thema Drogen umgehen - speziell mit Cannabis - und auch den Konsum offen propagieren. Letztendlich ist entschlossen worden, dass ein entsprechender Einsatz hochgefahren wird und Kontrollen durchgeführt werden."

Werner Kraus, Pressestelle Polizei München

Auch mit Blick auf vergangene Kontrollmaßnahmen bei Konzerten zeigt sich, dass die Münchner Polizei sich wohl speziell auf Hip-Hop-Acts bezieht, die in ihren Texten die Legalisierung von Cannabis zum Thema macht. Im Dezember 2018 wurde eine Drogen-Razzia beim München-Gig von Cypress Hill im Zenith durchgeführt, die Kontrolle des Tourbusses von Method Man und Redman ist zum Kultvideo auf YouTube geworden. Die Frage bleibt: Neigen Fans von Rappern tatsächlich öfter zum Konsum von Rauschmitteln?

Was ist mit den anderen Genres?

Wenn aus den Texten von Rap-Künstlerinnen und -Künstlern also scheinbar auf Deliktrisiko seitens der Fans geschlossen wird, sollten dann nicht auch bei Musikerinnen und Musikern, die mit ihren Songs zu Alkoholkonsum und Party aufrufen, Kontrollen durchgeführt werden? Stichwort: Schlager, Oktoberfest, Saufen, Saufen, Saufen. Es gibt auch sicherlich Konzerte, bei denen gut was weggekokst wird.

Laut Kraus könnte es auch bei anderen Großveranstaltungen, beispielsweise einem ausverkauften Andreas Gabalier Konzert im Olympiastadion, zu Straftaten kommen - jedoch nicht in einem solchen Umfang.

"Theoretisch ist nichts auszuschließen, aber speziell die Menge und dass es auch von den Künstlern her kommuniziert wird, dass man hier entsprechend konsumieren soll, das ist hier dann schon speziell und das gibt’s bei anderen Konzerten in der Art und Weise nicht."

Werner Kraus, Pressestelle Polizei München

Am Ende sind Kontrollmaßnahmen, vor allem im Zusammenhang mit der Sicherheit hinterm Steuer, sicherlich wichtig und richtig. Doch ein bitterer Beigeschmack entsteht vor allem dadurch, dass größere Razzien gezielt auf Rap-Konzerten stattfinden. Texte eines Künstlers als Anlass zu nehmen, Fans unter Generealverdacht zu stellen, ist mindestens fragwürdig.

Sendung: Plattenbau am 27.02.19, ab 19 Uhr.