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Plattenkritik Sizarr - Nurture

Gar nicht mal so einfach: Fans und Kritiker nach einem gefeierten Debüt zufrieden stellen. "Nurture" heißt das zweite Album von Sizarr – und damit löst das Trio die Aufgabe mit Bravour.

Von: David Würtemberger

Stand: 25.02.2015

Musiker von Sizarr | Bild: Sony Music

"I’m over 20 now but the teenage angst still reigns"

Sizarr – Untitled

"Ich bin jetzt über 20, aber die Teenage Angst hat mich immer noch fest im Griff." Sizarr werden erwachsen. Aber die Dämonen ihren Jugend plagen sie immer noch. Jetzt ziehen sie diese Dämonen groß: auf ihrem zweiten Album "Nurture".

Den Nachfolger für ein so hochgelobtes Debüt wie "Psycho Boy Happy" zu produzieren, ist eine mächtige Aufgabe. Denn man darf sich nicht zu weit, aber auch nicht zu wenig entwickeln, wenn man Fans und Kritiker gleichermaßen begeistern will. "Nurture" klingt auch definitiv noch nach Sizarr. Die Stimme von Fabian Altstötter frisst sich regelrecht in den Gehörgang. Sie segelt markant und harmonisch durch die Klangwelt. Und die wiederum versprüht noch die selbe Aufbruchsstimmung und gleichzeitig die selbe Melancholie wie auf dem ersten Album. Kurzum: Den Sound von Sizarr findet man wirklich nur bei Sizarr.

Anmutige Eleganz

Aber es hat sich auch viel geändert. Fabian, Philipp und Marc sind reifer geworden. Und mit ihnen auch die Musik von Sizarr. Wo das Debüt verspielt ist, beeindruckt “Nurture” mit anmutiger Eleganz. Der zentrale Track des Albums “Scooter Accident” hieft das Spannungsspiel mit Laut und Leise auf eine neue Ebene. “Nurture” spielt aber noch mehr Trümpfe: Die Ballade "Untitled" zum Beispiel. Die packt einen sofort.

Am anderen Ende des Spektrums stehen Songs wie “Timesick”, “Clam” oder “Slender Gender”. Die gehen behutsam in die Beine und zitieren ganz offen Post-Punk und New-Wave Elemente à la The Police und Talking Heads.

Kritik auf hohem Niveau

"Nurture" läuft extrem gut durch und schmeichelt den Ohren. Allerdings fehlt der Überraschungseffekt vom Debüt. Die Stellen, die einen aus der Bahn werfen, sind weniger geworden. Aber dafür ohrfeigen sie einen umso heftiger. Zum Beispiel beim letzten Track “How Much For This”, das sich vom Lüftchen zum mächtigen Orkan aufbäumt.

Das Dilemma, einer ausgewogene Rezension besteht darin, die Stärken und Schwächen einer Veröffentlichung herauszuarbeiten. Aber jede negative Kritik an "Nurture" spielt auf einem so lächerlich hohen Niveau, dass man sie sich eigentlich sparen kann. Denn Sizarr interpretieren großen, tiefgehenden Pop so speziell, komplex und aufregend, wie wenig andere in der deutschen Musiklandschaft.


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