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Soundschublade Was ist eigentlich New Orleans Bounce?

Drake tut's auf seinem neuen Album "Views", Beyoncés "Formation" und "Pep Rally" von Missy Elliott machens auch - alle lassen in ihre neuesten Hits dasselbe nischige HipHop-Subgenre einfließen: New Orleans Bounce. Bounce? Bounce.

Von: Matthias Scherer

Stand: 29.04.2016

6. Februar, 2016. Beyoncé bringt ihr erstes Musikvideo seit drei Jahren raus, und das Internet geht mal wieder kaputt vor Hype. Aber die erste Stimme, die man im Clip zu "Formation" hört, ist nicht etwa die von Queen Bey, sondern von Messy Mya, einem 2010 verstorbenen Comedian aus New Orleans.

Messy Mya ist, was Mainstream-Pop angeht, ein komplett unbeschriebenes Blatt. Bei YouTube war der laute und exzentrische Hobby-Rapper aber ein unbestrittener Star, dessen Läster-Videos regelmäßig 10.000 Klicks bekamen. Messy Mya war ein New-Orleans-Szene-Phänomen. Und wenn Beyoncé seine Stimme sampelt, dann sampelt sie New Orleans - oder besser gesagt, den Sound, zu dem die Stadt seit Mitte der 90er in den Clubs mit den Ärschen wackeln, dass es nur so kracht: New Orleans Bounce.

Maschinengewehr-Beats, Big-Band-Drums, versaute Texte

Bounce ist für New Orleans das, was Footwork für Chicago ist - ein Stil, der von den Kids vor Ort seit Jahren exzessiv gefeiert wird, im Rap-Mainstream aber nicht wirklich stattfindet. Die Basis für den Bounce sind Beats, die klingen als würden sie aus einem Maschinengewehr kommen, Drums, wie sie von den Big Bands auf den Mardis-Gras-Paraden gespielt werden, und Texte, die so versaut sind, dass man sich nach dem Hören die Ohren waschen will. Zusammen ergibt das: die perfekte Party-Mucke.

Rap ist normalerweise nicht für seine Toleranz für sexuelle Minderheiten bekannt - beim Bounce ist das anders. Hier werden Drag Queens und homosexuelle Künstler genauso gefeiert wie straighte DJs und MCs. Tendenziell sogar mehr: Die größten Bounce-Stars sind Leute wie der leider 2014 verstorbene Nicky da B und die Szene-Veteranin Big Freedia.

Bounce-Zitate als politisches Statement

Im Jahr 2005 verwüstet der Hurrikan Katrina den Südosten der USA. Besonders betroffen ist die Bounce-Hauptstadt New Orleans, deren Bewohner in die Nachbarstaaten Georgia und Texas emigrieren müssen. Die Reaktion der Regierung auf die Überflutungen und die Notstände in den größtenteils verarmten, von Afroamerikanern bewohnten Stadtteilen von New Orleans wird von vielen Leuten kritisiert - sie fühlen sich im Stich gelassen.

Wenn sich jetzt, 2016, Beyoncé, Drake und Missy Elliott in ihren Songs auf New Orleans Bounce beziehen, hat das verschiedene Gründe. Missy benutzt die markanten Bounce-Drums, um einen Party-Vibe zu erzeugen. Drake sampelt für "Childs Play" den Song "Rode Dat Dick Like A Soldier" von Hasizzle und zollt eher soundtechnischen Tribut und zahlt gleichzeitig auf sein Coolness-Konto ein, denn noch hat nicht jeder Anleihen aus dem Subgenre. Im Song selbst geht es einfach nur um die komplizierte Beziehung zu einer Frau. Aber im Fall von Beyonces "Formation" haben die Vocalsamples der Bounce-Künstler Messy Mya und Big Freedia durchaus politische Untertöne.

Auch zehn Jahre nach Katrina fühlen sich viele Afroamerikaner von der Regierung vernachlässigt und von der Polizei bedroht. Beyoncés Bekenntnis zum Südstaaten-Sound, kombiniert mit einem Video, das ein unter Wasser stehendes New Orleans zeigt, ist ein Statement: Wir lassen uns nicht mehr ignorieren.

Spotify-Playlist: Die besten New-Orleans-Bounce-Songs


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