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Bands und Fakes Warum denkt eigentlich jeder, er sei Böhmermann?

Yacht, Haftbefehl & Xatar, Rainer von Vielen: Mittlerweile kommen fast jeden Monat Künstler mit einem Fake um die Ecke. Dumm nur, dass die oft nicht wirklich witzig sind – und das Vertrauen der Fans aufs Spiel setzen.

Von: Hardy Funk

Stand: 22.06.2016

Yacht | Bild: RICKY TOMPKINS

Liebe Bands,

ich kann euch ja verstehen: Ihr wollt maximale Aufmerksamkeit für möglichst wenig Geld. Nichts dagegen einzuwenden. Ein neues Video allein reißt heute niemanden mehr vom Hocker. Und nicht jeder von euch ist so big, dass die Welt aufschreit, wenn ihr euch aus dem Netz radiert. Da klingt ein Fake wie die optimale Idee: Eine eigentlich unglaubliche Story, die aber vielleicht doch so passiert sein könnte – eine gefälschte Website, mysteriöse Facebook-Posts und ein paar Onlinemedien im ewigen Wettlauf um Klicks, die das Ganze verbreiten. Fertig ist das Promo-Gimmick für die newsgeilen sozialen Netzwerke.

Und ihr gebt euch alle Mühe: Yacht tun so, als wäre ein Sex-Tape von ihnen geleakt, Haftbefehl und Xatar verlassen überstürzt eine Pro7-Show und fingieren eine Flucht vor der Polizei und Rainer von Vielen behauptet, die böse ARD hätte ihn als EM-Live-Gig  wieder ausgeladen.

Eure Fakes sind schlecht!

Im besten Fall ist das einfach nur peinlich. Im schlimmsten Fall geschmacklos und verletzend. Denn, sind wir mal ehrlich: Ihr seid keine Böhmermänner. Eure Fakes sind schlecht gemacht. Sie verwirren niemanden länger als man braucht, um "Albumankündigung" zu buchstabieren. Und vor allem: Sie zielen auf nichts ab. Wenn Böhmermann etwas faket, entlarvt er damit die platte Stimmungsmache einer politischen Talkshow. Oder er legt die unmenschlichen Methoden einer Dokusoap offen.

Bei euren Fakes kommt höchstens noch etwas schale Kritik an der Sensationsgeilheit der Medien an. Eine Kritik, die in etwa so originell ist wie sich über schlechtes Wetter aufzuregen. Ganz abgesehen davon, dass ihr euch diese Sensationsgeilheit selbst zunutze macht.

Dass auch wir bei PULS für zwei Stunden dem Fake von Rainer von Vielen aufgesessen sind – dumm gelaufen. Viel schlimmer ist aber, dass auch eure Fans darauf reinfallen, weil sie euch VERTRAUEN. Die stehen dann blöd da, wenn sie sich zum Beispiel über ein Sextape aufregen, das es gar nicht gibt. Kein Wunder, dass sie sich verarscht fühlen.

"Gestern habe ich euch noch bemitleidet, heute sage ich fickt euch!"

Fan zum Yacht-Fake auf Facebook

"Die Aktion ist so unnötig wie ein Loch im Knie."

Fan zum Haftbefehl-Fake auf laut.de

Und mal ehrlich: Was kommt denn als nächstes? Ihr seid vom IS entführt worden? Ihr werdet Jury-Mitglied bei DSDS? Euer Sänger ist nach einer Party tot aufgefunden worden? Bitte erspart es uns. Überlasst die Fakes wieder Böhmermann.

Albumpromo geht schließlich auch ohne Verarsche: Dreht einen Kurzfilm, spielt Guerilla-Gigs oder verschenkt liebevoll gestaltete Kassetten. Ladet eure Fans zu einer Bootsfahrt ein. Oder am besten: Schreibt gute Songs. Denn das ist immer noch die beste Werbung.


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