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Kommentar zum DJ-Verbot in Regensburg Jeder DJ ist ein Künstler!

Keine DJs: Das ist die Ansage fürs nächste Regensburger Bürgerfest. Die lapidare Begründung: DJs sind keine echten Musiker. Eine ziemlich altmodische Vorstellung – denn jeder DJ ist ein Künstler!

Von: Hardy Funk

Stand: 12.07.2016

Jeder DJ ist ein Künstler! | Bild: BR

"Für mich ist ein DJ keine Livemusik, weil er ja nicht selber singt oder ein Instrument spielt", findet Uwe Kabas, Bühnenbetreiber auf dem Regensburger Bürgerfest. DJs sind für ihn keine Livemusiker und das Kulturreferat ist seiner Auffassung gefolgt. Das Bürgerfest findet nächstes Jahr wohl ohne DJs statt. Eine Entscheidung, die einen direkt zurückbeamt in die Neunziger. Damals, als Techno seinen Siegeszug angetreten hat und viele verachtend meinten: Techno ist keine echte Musik. Nur handgemachte Musik ist echte Musik. Als würde man Techno mit den Füßen machen.

Spätestens seit den 2000ern hört man diese Meinung aber immer seltener. Auch dank Bands wie The Notwist, The Postal Service oder Hot Chip, die als erste Indie-Rock und Elektro miteinander verbunden haben. Und so auch die Rockfans mit der neuen Musik versöhnt haben.

Trotzdem fragen sich auch heute noch viele: Ab wann ist ein DJ ein Künstler? Muss er an analogen Synthesizern und Drum Machines rumdrehen? Oder reicht es, mit Ableton Live und tausenden Presets einen Track im digitalen Baukastensystem zusammenzuhauen? Hardliner und Nostalgiker verachten auch heute noch solche Laptop-Produzenten.

Aber selbst alte DJ-Hasen wie Westbam sehen das eher entspannt: "Jeder kann mit dem Handy einen ganz okayen Track machen. Und das find ich gut! Das heißt nicht unbedingt, dass jeder ein toller Musiker ist, weil er ein Handy hat. Aber jeder soll doch die Möglichkeit haben."

Damit spricht Westbam eines der Versprechen von Techno an: die Demokratisierung der Musik. Günstige Synthies und Drum Machines sollten jedem ermöglichen, Musik zu machen - egal, wie dick der Geldbeutel ist. Ein Versprechen, das tatsächlich eingelöst wurde - und das uns Bedroom Producer wie Flume, SCNTST oder Chet Faker geschenkt hat. Musiker, die am Laptop komplexe Tracks produzieren. Tracks, die oft vielschichtiger und neuartiger sind als der Durchschnitts-Rocksong.

Das Gleiche gilt beim Auflegen: Ob ein DJ nun mit Schallplatten auflegt oder mit dem Laptop, ist nicht wirklich wichtig. Die einen bevorzugen Vinyl, weil’s da noch knistert und weil sie dann gezwungen sind, vorher eine Songauswahl zu treffen. Die anderen legen lieber mit MP3s auf, weil sie keine Platten mehr schleppen müssen und gerade weil sie dann so gut wie jeden Track immer dabei haben und viel freier auflegen können. Die Liste der Top-DJs, die digital auflegen, wird immer länger: Richie Hawtin, Ellen Allien,  Dixon, David August,...

Analog oder digital - das ist zu einer persönlichen Entscheidung geworden und keine Grundsatzfrage mehr. Skills sind wichtig, klar. Aber auch ein Profi kann einen Übergang am Plattenspieler verkacken - und andererseits ein Laie mit der richtigen App zwei Tracks perfekt ineinander mischen.

Auch, wenn der DJ nur noch einen Knopf drückt: Wichtig ist nicht, ob ein DJ hinter seinem Pult mit Schallplatten, CDs oder MP3s hantiert. Wichtig ist nur, wie gut er eine bestimmte Atmosphäre erzeugt. Dass er die Leute zum Tanzen bringt oder zum verträumten Mitwippen. Dass er Stimmungen aufnimmt und fühlt, welcher Song als nächstes passt - und so einen einzigartigen Abend schafft. Dann jedenfalls ist jeder DJ auch ein Künstler - und muss sich nicht hinter Livemusikern mit ihren Instrumenten verstecken.


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