4

Interview // Annemarie Eilfeld "Es fühlt sich an, wie angeschossen werden"

Punk, Klassik, Rock, Pop - und jetzt Schlager: Annemarie Eilfeld hat fast alle Genres durchprobiert. Im Interview verrät sie, warum sie zu früh zum Schlager gewechselt hat und wieso sie es bereut, dass sie bei DSDS mitgemacht hat.

Von: David Würtemberger

Stand: 29.08.2014

Annemarie Eilfeld | Bild: picture-alliance/dpa

PULS: Was ist für dich ein Schlager?

Annemarie Eilfeld: Schlager kommt von einschlagen und das bedeutet, das ist ein Song, der allen Leuten auf Anhieb super gefällt. Das ist für mich ein richtiger Schlager.

Bekannt geworden bist du mit Popmusik - wieso hast du zum Schlager gewechselt?

Der Schritt von Pop zu Schlager war relativ schwierig, weil man sich immer überlegt, ob man nicht zu jung für Schlager ist. Aber dann habe ich darüber nachgedacht, dass ich ja mit einer klassischen Gesangsausbildung angefangen habe, über Punk und Rock zu Pop gekommen bin. Warum sollte mich der Weg jetzt nicht in den Schlager führen? Unterm Strich ist das alles Musik. Und wenn die Songs und die Texte stimmen, dann ist es völlig in Ordnung von Pop zu Schlager zu wechseln.

Warum hat Schlager einerseits dieses Alte-Menschen-Image und spricht jetzt andererseits so viele Junge Menschen an?

Vor drei Jahren war Schlager im Fernsehen und im Radio noch total konservativ und man durfte auf keine provokanten Texte singen. Da ist man sofort aus der Sendung geflogen, wenn man zum Beispiel nicht die Standards des typischen Familienlebens repräsentiert hat. Außerdem sind die Medien zu der Zeit noch nicht auf Schlager aufgesprungen. Mittlerweile ist es aber so, dass Matthias Reim oder Andrea Berg in alle Sendungen eingeladen werden, sobald sie einen Nummer-Eins-Hit in den Charts gelandet haben. Die Leute haben schon immer Schlager gehört und die Schlagerfestivals waren auch vor fünf oder zehn Jahren schon ausverkauft, nur jetzt ziehen die Medien mit. Das sieht man zum Beispiel bei DSDS mit einer Schlagersängerin als Gewinnerin, einer Schlagersängerin in der Jury und Heino sitzt sogar als Volksmusiker zukünftig auch in der Jury.

Du hast vor fünf Jahren zum Schlager gewechselt. Was war damals anders?

Ich habe mich damals nach keinem Trend gerichtet, aber ich war mit meinen Ideen immer schon zu früh dran und so war’s auch mit dem Schlager wieder. Ich habe vor drei Jahren mein Album "Großstadtprinzessin" veröffentlicht , worauf mir gesagt wurde, es sei zu provokant und poppig. Die Radiosender wollten es nicht spielen und die TV-Sender wollten mich nicht in ihren Sendungen haben. Heute feiert jeder, wenn Helene singt "Deine Augen ziehen mich aus". Das hat mich natürlich geärgert und ich habe mich gefragt, ob ich was falsch mache.


4