So klingt das Popjahr 2016

Neues Jahr, neue Hypes So klingt das Popjahr 2016

Stand: 16.12.2015

Hype-Prognose 2016 | Bild: BR

Synthies, Cloudrap, Politik - wichtige Pop-Schlagworte im vergangenen Jahr 2015. Und es geht vielversprechend in die nächste Runde. Die PULS Musikredaktion wagt den Blick nach vorn: Wer und was bestimmt den Sound im neuen Jahr? Wie klingt der? Und wo kommt er her?

Sicher ist: Nach der Dominanz der Synthies in den letzten Jahren sehnen sich viele Leute wieder nach "handgemachter Musik". Die klassischen Bands sind wieder auf dem Vormarsch und ein guter alter Bekannter ist zurück: Der Jazz. War er im Oldschool Rap noch wichtiger Bestandteil der meisten Samples, hatte er danach sein Dasein jahrzehntelang in elitären Jazzclubs und auf Jazzfestivals gefristet. Jetzt wird er auf einmal von Visionären wie David Bowie und Kendrick Lamar wieder ausgegraben - natürlich mit großem Einfluss auf die Popmusik 2016.

Was läuft 2016 im Club?

Und noch ein alter Freund schüttelt 2016 den Staub ab, den er in den letzten Jahren im stillen Kämmerlein angesetzt hatte. Der Grime. Anfang der 2000er Jahre noch der heiße Shit aus dem UK, wurde er später langsam aber sicher von neuen Genres abgelöst. Aber Wiley, Skepta und Co. haben wieder Bock und releasen dieses Jahr nach langer Pause wieder neue Musik. Und die wird einschlagen, behaupten Bene und Jakob von Schlachthofbronx aus München.

Bene und Jakob von Schlachthofbronx

Die beiden sind immer ein perfekter Seismograph, wenn es um neue Trends in der Clubmusik geht, immerhin spielen sie Wochenende für Wochenende in Clubs auf der ganzen Welt. Sowohl in Afrika als auch in Südamerika geht gerade nämlich einiges, das demnächst auch zu uns rüberschwappen könnte:

"Die Neo-Cumbia-Bewegung aus Latein-und Südamerika wird immer größer - gerade, weil die Macher total Bock haben, sehr offen für neue Einflüsse von Außen sind und trotzdem ihre unverwechselbaren Sounds behalten. Auch sehr spannend: Südafrika-House, der ja auch schon wieder total viele unterschiedliche Subgenres hat."

Bene von Schlachthofbronx

Speziell auf den Druchbruch von südafrikanischer elektronischer Musik in unseren Clubs warten die Jungs von Schlachthofbronx schon seit Jahren - "weil das total mit Berlin Techno kompatibel ist", wie Jakob sagt.

"So richtig durchgesetzt hat es sich noch nicht bei uns, weil die Distanz einfach sehr groß ist. Aber Typen wie Black Coffee aus Südafrika, die werden gerade richtig groß, vor allem auch in den USA."

Jakob von Schlachthofbronx

Izzy Bizu - plötzlich auf der Hype-Liste

Das könnte Izzy Bizu auch bald bevorstehen. Die 21-jährige Londonerin war erstmal baff, als sie sich auf DER Hypeliste schlechthin wiederfand - dem "Sound Of 2016" der BBC:

"Ich war total überrascht. Aber mein Team und ich haben dafür auch eine Menge getan. Viele Akustik-Shows gespielt, viele akustische Versionen meiner Songs online gestellt und die Leute von der BBC immer wieder zu meinen Konzerten eingeladen. Jetzt unterstützen sie mich und ich finde das fantastisch. Ohne sie würde ich lange nicht so viele Menschen mit meiner Musik erreichen."

Izzy Bizu

Newcomerin Izzy Bizu

Teil der berühmten "Sound Of…"-Liste der BBC zu sein, bedeutet vor allem eins: Viel internationale Aufmerksamkeit. Und viele schlaue Leute, die jetzt gerne ein Stück vom Kuchen hätten und der jungen Musikerin gute Ratschläge geben wollen. Wie sie sich dagegen wehren soll, weiß Izzy Bizu noch nicht so recht. Sie versucht es erstmal mit Offenheit - "und dann schmeiße ich die unwichtigen Tipps halt wieder in den Müll."

"Ich bin auch erst 21. Da kann ich mich noch nicht so auskennen. Ich mache einfach Musik und lerne dazu, je älter ich werde."

Izzy Bizu

AnnenMayKantereit - kann der Hype noch größer werden?

So ziemlich im selben Alter wie Izzy Bizu sind die drei Jungs von AnnenMayKantereit aus Köln - DIE deutsche Newcomerband überhaupt. Drei ehemalige Straßenmusiker, die bisher nicht mal ein Album veröffentlicht haben und trotzdem schon große Hallen ausverkaufen und zusammen mit K.I.Z. die Charts toppen. Schwer vorzustellen, dass der Hype noch größer werden kann, wenn im März dann ihr sehnlichst erwartetes Debütalbum erscheint.

Carlo Luis Ruben Schenk, auch gerade mal 23, ist ihr Manager und hat die Karriere von AnnenMayKantereit mitgeplant. Brauchen Annenmaykantereit überhaupt ein Album? Auch wenn es mit einzelnen Songs und YouTube-Videos bisher wunderbar geklappt hat - es gibt mehrere Gründe, die für ein Album sprechen, sagt Schenk:

"Wenn man ehrlich ist, berichten die Medien schon noch am liebsten über ganze Alben - das ist einfach ein besserer Aufhänger. Aber viel wichtiger ist: Die Band will ein Album machen, weil das künstlerisch ein abgeschlossenes Werk ist. Auch für mich als Manager steht die künstlerische Verwirklichung der Band an erster Stelle - und wenn die Jungs ein Album machen wollen, dann denkt man erst wieder strategisch, wenn es fertig ist."

Carlo Schenk, Manager von AnnenMayKantereit

Deutsch-Trap wird Mainstream

Welche Strategie der trippy trappy Sprechgesangsnachwuchs in Deutschland und Österreich so verfolgt, ist für viele noch immer ein Rätsel. Obwohl der Hype um Newcomer wie LGoony, Yung Hurn, Crack Ignaz oder die Cosmo Gang mit jedem Tag größere Kreise zieht, blicken viele weiterhin verständnislos auf das, was da in dieser neuen Deutschrap-Cloud passiert: Zu abgedreht, zu artifiziell, zu versponnen.

Kevin Schramm, Deutsch-Trap-Experte in der PULS Musikredaktion, glaubt trotzdem, dass der Durchbruch in den Mainstream nur noch eine Frage der Zeit ist:

"Diese Bewegung hat viele von den Komponenten, die man auch bei anderen Strömungen findet, die extrem groß geworden sind: Eine eigene Sprache, eine eigene Attitüde, ein eigener Look - einfach etwas Neues, das man so noch nicht gehört hat. Deswegen glaube ich, dass da noch viel Potential drinsteckt.“

Große Trends und neue Namen

Vergessen geglaubte Genres kommen zurück, Clubmusik kriegt neue Impulse aus Südafrika und Deutsch-Trap erobert den Mainstream. So viel zu den großen Trends im Popjahr 2016. Aber auch einige noch unbekannte Namen werden uns in den nächsten Monaten immer wieder begegnen - schlaue Pop-Acts, Next-Level-Gitarrenbands, talentierte Producer und ein paar alte Bekannte mit neuem Namen. Ein kleiner Tipps aus der PULS Musikredaktion: Merkt euch die Namen aus unserer Hype-Prognose 2016!

Hype-Prognose 2016

NoMBe | Bild: Bukunmi Grace zum Artikel Vier Produzenten, die mit jeder Band mithalten können

In den 90ern hieß es "God is a DJ", 2016 heißt es "God is a producer". Diese vier sind alle Mitte 20 und haben sich von 8-Bit-Musik und Midi-Keyboard gen Songwriting hochgearbeitet und klingen, als könnten sie Orchester leiten. [mehr]

Petite Meller | Bild: Universal zum Artikel Drei Pop-Acts, die ihr im Auge haben solltet

Studiert, talentiert, alles läuft wie geschmiert: 2016 gehört der Pop den Cleveren und seichte Gesänge mit übermäßigem Hall haben ausgesorgt. In den Produktionen wird man die Instrumente wieder klarer heraushören. [mehr]

Haiyti | Bild: Live From Earth zum Artikel Drei Mal Deutschrap fürs neue Jahrtausend

Wie ist der Status Quo im Deutschrap? Während sich manche vorm Platzen der Blase fürchten, geben wir Entwarnung. Vor allem im Cloudrap und Straßenrap gibt es frisches Blut, das die Szene am Leben erhält. [mehr]

Dillon Cooper | Bild: JMP Productions zum Artikel Drei internationale Rapper, die nächstes Jahr groß werden

In Sachen HipHop geht international einiges! Nicht nur im Land, wo der Drake und der Kendrick blüht, wimmelt es nur so von vielversprechenden Nachwuchs-Künstlern. Auch aus England schwappt der 2016 Grime wieder über den Teich. [mehr]

Antony Hegarty aka Anohni | Bild: Inez and Vinoodh zum Artikel Drei alte Freunde, die unter neuem Namen steil gehen

Puh - ständig coole, freshe, hippe Acts raussuchen? Krass anstrengend. Deswegen gibt's hier drei Künstler für 2016, die ihr eh schon kennt. Wir freuen uns wie doof auf diese neuen Projekte von alten Bekannten. [mehr]

Hinds - Leave Me Alone | Bild: Lucky Number Music Limited zum Artikel Vier Bands, die Gitarrenmusik auf ein neues Level heben

2016 ist eine Weggabelung für die Gitarrenmusik - es wird entweder traditionell oder sehr abseitig. Die gute Nachricht: Rock ist nicht tot! Aber seine Kinder spielen nicht unbedingt Gitarre. [mehr]