Jetzt Dis is was ich mach LUX feat. Edgar Wasser & Fatoni

Info Kommt uns die Hook nicht bekannt vor? Richtig: "Dis is was ich mach" ist eine Anlehung an ¿This Is Why I¿m Hot¿ von MIMS. Mit gewohnt charmanter Ironie rappen LUX, Edgar Wasser und Fatoni 2018 über Prokrastination und Goodlife.

Interview mit Haiyti "Ich höre meine Stimme nur noch in Autotune"

Letzten Freitag hat Haiyti ihr neues Album "Montenegro Zero“ veröffentlicht. Wir haben mit der Hamburger Rapperin über ihr Faible für Autotune, das Streben nach Individualität und ihre Fans geredet.

Von: Ann-Kathrin Mittelstrass

Stand: 16.01.2018

Haiyti | Bild: Tim Brüning

PULS: Wie kam es, dass auf deinem neuen Album "Montenegro Zero“ keine Feature-Gäste zu hören sind?

Haiyti: Das sollte ein Haiyti-Album werden - ohne Features, ganz radikal. Wenn du Features hast, wird darüber auch in der Presse berichtet. Ich hatte aber auch einfach nicht so viele Feature-Parts übrig. Dafür gibt es welche auf der EP: mit Yupanther und Vira Lata. Das sind alles so unbekannte Leute, die mich jetzt nicht unbedingt hochziehen oder so. Aber wenn ich Features mache, dann will ich die mit meinen Freunden machen. Die eigentliche Idee kam auch nicht von mir, sondern von KitschKrieg. Die meinten: Scheiß drauf, wir machen das ohne Features, ein "Radikal Haiyti“-Album. Das ist es dann auch geworden und ich bin eigentlich ganz froh über die Entscheidung.

Was ist denn die Story hinter dem Albumcover?

Ich wollte unbedingt ganz schick und ladylike aussehen. Dazu hatte ich das erste Mal eine Stylistin.

Und wie war das?

Wir haben zusammen einen Mantel im Internet ausgesucht. Sie war auch so ein Ton-in-Ton-Freak. Dieses Mintgrün, das wir benutzt haben, wurde dann die Farbe des Albums und der Box. Ich finde die Farbe auch geil und bin jetzt ein totaler Fan dieser Farbe. Ich suche jetzt sogar schon die ganze Zeit Unterwäsche in der Farbe. Dabei weiß ich gar nicht richtig, was das überhaupt für eine Farbe ist: Altmintgrün oder so.

Aber es ist ja eigentlich schon ein bisschen ungewohnt im Vergleich zu dem, wie man dich sonst kennt?

(lacht) Ich habe jetzt auch ein Foto-Shooting in der Vogue. Jetzt eskaliert es komplett.

Der Haiyti-Style funktioniert ja nach dem DIY-Prinzip: Also EPs und Mixtapes in kürzester Zeit raushauen und viele schnell produzierte Videos. Wie geht es weiter?

Also jetzt, wo ich Blut geleckt habe, stehe ich mehr auf ausproduzierte Songs. Ich glaube, ich mache in Zukunft einfach beides, wie beispielsweise die ganzen Rapper in Amerika: Die machen mal Mixtapes for free und dann auch wieder ein hochwertiges Album.

Wenn dir also jemand die Kohle gibt, dann nimmst du die an und holst alles raus?

Genau. Das ist sozusagen ein Griff in die Kasse.

Der Autotune-Effekt auf deiner Stimme ist ja krass markant. Wie entscheidest du, ob du Autotune benutzt oder nicht?

Also wenn ich singe, machen wir eigentlich lieber Autotune drauf. Meine Stimme braucht jetzt nicht unbedingt Autotune, aber ich höre – auch bei dem Album jetzt – meine Stimme nur noch in Autotune. Ich kann dir aber gar nicht sagen, ob das ganze Album Autotune ist.

Es sind schon sehr viele Songs mit Autotune...

Ich habe das Album mit KitschKrieg gemacht und das war eben unser Style. Wenn ich jetzt mit anderen Produzenten arbeite, könnte es auch wieder anders werden. Aber da enthalte ich mich so ein bisschen. Es ist einfach, wie es ist. Es waren auf einmal zweihundert Prozent Autotune. Und wie gesagt: Ich höre meine Stimme eben nur noch so.

In dem Song "Serienmodell“ singst du die Zeile: "Ich bin so anders ganz speziell, ich bin ein Serienmodell.“ Das beschreibt ja das Problem der "Millennial“-Generation: Alle wollen wahnsinnig individuell sein, sind es aber irgendwie doch nicht. Ist Individualität also etwas, worüber du dir viele Gedanken machst?

Ich strebe nicht danach, individuell zu sein. Es ist eher ein Handicap. Ich habe das Gefühl, die Leute wissen gar nicht, was das bedeutet. Das ist auch nicht einfach. Die Jungs wollen meistens gar keinen Rockstar oder eine Irre. Die wollen meistens eine ganz normale Freundin. Ich habe auch so eine Erfahrung gemacht, dass es eigentlich schwer ist, ich zu sein. Eben weil ich alles anders mache. Ich mache das ja nicht extra, es ist einfach so.

Aber kann man heutzutage überhaupt noch individuell sein?

Es gibt Bötchenbauer und es gibt die, die es nachbauen. Das wird einem, glaube ich, in die Wiege gelegt. Ich weiß nicht, ob man da so viel selber entscheiden kann. Die anderen sind keine schlechteren Menschen, aber jeder hat eben seine Rolle auf diesem Planeten.

Was ist deine Rolle auf diesem Planeten?

Das weiß ich auch nicht. Ich wollte nicht berühmt werden und jetzt bin ich es.

Und wie fühlt sich das jetzt an?

Ich kann nicht mehr anonym sein. Zum Glück war ich in meiner Jugend noch nicht so bekannt. Wenn ich jetzt beispielsweise total fertig durch den Hauptbahnhof gehe, dann erkennen sie mich. Dabei will man gerade dann gar nicht angesprochen werden. Deine Freizeit und dein Leben wird auf jeden Fall beschränkt. Die Eisketten werden dicker.

Du hast in einem Interview mit dem Musikexpress gesagt, dass deine Zuhörer gar nicht die sind, für die du eigentlich schreiben möchtest. Für wen rappst du dann?

Demnächst werde ich mir da keine Gedanken mehr machen. Ich hätte aber nicht gedacht, dass beispielsweise die Kunstszene, die linke Szene und die Aristokraten meine Musik feiern. Aber jetzt ist es so und das ist auch gut. Ich meine: Meine Texte sind auch nicht stumpf wie die meisten Gangsta-Rap-Texte. Und deswegen nehme ich alle Fans an.

Es wird ja in den Feuilletons immer wieder thematisiert, dass du eigentlich Kunststudentin bist. Hast du da auch manchmal Angst, dass deine Musik zu sehr intellektualisiert wird?

Nö, ich rappe ja auch schlimme Texte. Da kann ich auch ganz schnell wieder einen realen Gangsta-Rap machen. Die realen Leute wissen, wer real ist und wer nicht. Das hört man raus, das kann man der Person ansehen. Das ist nicht meine Sorge, denn ich weiß ja, wer ich bin.

Sendung: Plattenbau, 15.01.2017 - ab 19.00 Uhr