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Info James Murphy alias LCD Soundsystem hatte die feste Absicht, sich ab 2010 nur noch um sein Label DFA Records zu kümmern. Aber 2017 hat er doch noch mal all seine Instrumente rausgekramt für ein neues Album mit "Call The Police".

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Kommentar zu Greta Van Fleet Hommage an Led Zeppelin oder dreiste Kopie?

Vier blutjunge Jungs aus Frankenmuth, Michigan spalten gerade die Musikwelt in Hater und Hardcore-Fans - dazwischen scheint es nichts zu geben. Denn Greta Van Fleet klingen eins-zu-eins wie Led Zeppelin - und sind damit aktuell die erfolgreichste Rockband der USA.

Von: Jan Limpert

Stand: 28.11.2018 | Archiv

Pressebild von Greta Van Fleet | Bild: Republic Records

Greta Van Fleet haben erst im Oktober ihr Debut-Album veröffentlicht, trotzdem standen schon zwei Songs von ihnen an der Spitze der Rock Charts. Sie waren Vorband von Guns’n’Roses, zu Gast bei Jimmy Fallon und haben eine riesige Fangemeinde. Vor allem sind sie aber der Mittelpunkt einer riesigen Debatte, die vor allem englischsprachige Magazine und Websites beschäftigt: Klingen Greta Van Fleet viel zu sehr nach Led Zeppelin?

Es wirkt absurd, dass die Diskussionen immer noch anhalten, denn die Antwort lautet eindeutig: Ja!

Dreist geklaut statt ehrlich selbstgeschrieben

Eins vorneweg: Alle vier Mitglieder von Greta Van Fleet beherrschen ihre Instrumente und sind zweifelsfrei talentierte Musiker. Trotzdem gibt es eine Grenze zwischen Inspiration und dreistem Kopieren, die das Quartett in der denkbar plakativsten Art und Weise überschreitet.

Die Songs von Greta Van Fleet funktionieren wie ein Flickenteppich aus Riffs, Rhythmen und Texten von Led Zeppelin. Das merkt man schnell, wenn man sich Greta Van Fleets bislang größten Youtube-Hit "Highway Tune" reinzieht - ein Track à la Frankensteins Monster, zusammengebastelt aus verschiedenen Elementen dreier Led Zeppelin Songs.

Das Gitarren-Riff stammt aus Led Zeppelin’s "The Rover" (0:23) - ein bisschen langsamer gespielt und mit minimalsten Änderungen.

Den Drum Groove findet man im Led Zeppelin Song "Dancing Days" wieder.

Und sogar einzelne Textzeilen erinnern stark an Led Zeppelin Lyrics, kommen dabei aber fast wie verdrehte Zitate rüber.

"No stopping on the highway, girl, 'cause I want to burn my gas"

Greta Van Fleet – 'Highway Tune'

"Grooving on the freeway […], Mama, let me pump your gas"

Led Zeppelin – 'Trampled Under Foot'

Wer dort immer noch einen respektablen Eigenanteil der jungen Rocker aus Michigan sieht, sollte sich den Greta Van Fleet Song "Lover, Leaver" reinziehen. Gitarrist Jacob Kiszka spielt hier bei Minute 1:45 ein Riff …

… das Led Zeppelins Jimmy Page schon 1976 im Song "Nobody’s Fault But Mine" rausgehauen hat (1:09).

Auch beim Texten bleibt es manchmal nicht nur bei einzelnen Zeilen. Ganze Led Zeppelin-Passagen scheinen Blaupausen für die Lyrics von Greta Van Fleet gewesen zu sein und wirken dabei, als wären Sie halbherzig umgereimt worden.

Greta Van Fleet – Black Smoke RisingLed Zeppelin – The Rover
And the black smoke risesAnd the wind is crying
From the fires, we've been toldFrom a love that won't grow cold
It's the new age crisisMy lover, she is lying
And we will stand up in the coldOn the dark side of the globe

Von der Stilkopie zur Stylekopie

Im Mittelpunkt vieler Debatten um den scheinbar geklauten Sound steht Greta Van Fleet Sänger Joshua Kiszka. Der klingt nicht nur wie eine junge Version von Led Zeppelin Frontmann Robert Plant, sondern hat sich wohl auch bei dessen Kleiderschrank bedient. Als ob das nicht schon genug Parallelen zwischen den beiden Schreihälsen wären, schwören beide auch noch auf die gleichen Gesten.

Robert Plant selbst sieht das Ganze zwiespältig.

Was dem Led Zeppelin Frontmann und sehr, sehr vielen Musikliebhabern auf der ganzen Welt aber vor allem aufstößt, ist die Tatsache, dass Greta Van Fleet jeglichen Einfluss von Led Zeppelin abstreiten.

Die Band weicht den Plagiats-Vorwürfen konsequent aus. Auf die Ähnlichkeiten mit Robert Plant angesprochen, verweist Joshua Kiszka absurder Weise auf Joe Cocker und James Brown.

Leugnen als Promo-Masche

Ein klares ja oder nein von Greta Van Fleet wird es zu den Ripp-Off Vorwürfen wohl nicht geben - und das hat durchaus System. Denn solange die Debatten um Sound und Optik anhalten, bleiben Greta Van Fleet im Gespräch, polarisieren die Musikwelt und ernten damit reichlich Aufmerksamkeit und kostenlose Promo.

Led Zeppelin selbst werden die Greta-Jungs wohl auch nicht wegen Plagiats-Vorwürfen vor Gericht ziehen, da sie selbst vom umstrittenen Image der Band profitieren. Led Zeppelin haben ihr letztes Studio-Album 1979 aufgenommen, also vor fast 40 Jahren. Durch den aktuellen Greta Van Fleet Hype könnten sich jetzt viele junge Fans auf ihre Musik stürzen, die von Led Zeppelin noch nie etwas gehört haben. Aber auch viele Anhänger der legendären Hard Rock Band aus den 70ern sind froh, dass es mit Greta Van Fleet wieder eine Gruppe gibt, die quasi neues Material liefert - Plagiat hin oder her. Eine klassische Win Win Situation für beide Parteien.

Hommage, Inspiration, Kopie

Natürlich lassen sich Musiker inspirieren. Led Zeppelin haben sogar von alten Blues und Folk-Songs Textzeilen und Melodien geklaut. Nur hat die Band gestohlene Elemente in einen neuen, bis dato innovativen Hard Rock Sound gesteckt und somit aus altem Material ein neues Genre geschaffen. Damit haben sie die Entwicklung von Musik an sich vorangebracht.

Bei Greta van Fleet dagegen sind die Led Zeppelin Anleihen zweifellos in Optik, Sound und Text nachweisbar und haben aufgrund ihrer Geballtheit mit Inspiration oder Hommage nichts mehr zu tun. Obwohl das jetzt mittlerweile überdeutlich sein sollte, wird das die Fans nicht stören. Wir hoffen trotzdem, dass Greta Van Fleet damit keinen Trend angestoßen haben. Denn erfolgreiche Musiker sollten sich in jedem Genre weiterhin wegen ihrer individuellen Handschrift durchsetzen - nicht, weil sie bereits Dagewesenes eins-zu-eins kopieren.

Sendung: Filter, 28.11.2018 - ab 15.00 Uhr