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Godfather of Popmusic Wie David Bowie die Popkultur geprägt hat

Am 10. Januar jährt sich der Todestag von David Bowie zum ersten Mal. Die Lücke, die er hinterlassen hat, ist riesig. Denn kaum ein anderer Künstler hat die Welt des Pop so sehr beeinflusst wie er - und das bis heute.

Von: David Würtemberger

Stand: 11.01.2016 | Archiv

Er hat den Popstar als Kunstfigur etabliert.

Man muss sich David Bowie so vorstellen, wie einen Meteoriteneinschlag in die Popgeschichte. So etwas wie ihn gab es zuvor schlichtweg nicht. David Bowie hat den Popstar als absolute Kunstfigur etabliert. Seine Persönlichkeiten und Inkarnationen Ziggy Stardust, Thin White Duke oder Aladin Sane sind bis heute wahre Ikonen der Popgeschichte. Dazu hat er schon mit den Geschlechterrollen und queerer Sexualität gespielt, als das noch wirklich geschockt hat. Das Phänomen David Bowie ist und bleibt die Messlatte für jeden Popstar – und viele behaupten, bis heute sei niemand in seine Sphären vorgedrungen.

Er war der größte Kulturmotor der Popgeschichte.

David Bowie hat der Popwelt nicht nur mit Kunstfiguren seinen Stempel aufgedrückt, er hat auch alle möglichen Genres ausgelotet und geprägt. Und zwar schon bevor diese groß aufgeblasen wurden und als "Next Big Thing" gelten sollten. Glam Rock, New Wave, Art Rock, Soul, Funk bis hin zu Disco und zuletzt Jazz – David Bowie war vielleicht das größte Chamäleon in der Musik überhaupt. Ohne ihn würde unser ganzer Popzirkus vielleicht ganz anders aussehen. Ein Beispiel: Der Londoner New Romantic Szene um Boy George und Steve Strange von Visage hat er mit seinem Video zu "Ashes To Ashes" zum weltweiten Hype verholfen – bevor es den Begriff überhaupt gab.

Er war sogar im Misserfolg konsequent.

In den 80ern verblasste die musikalische Relevanz von David Bowie allmählich. Auch wenn wohl die meisten Künstler niemals das Level erreichen, auf dem David Bowie unerfolgreich war – mit Poprock konnte er nicht wirklich punkten. Aber: Er war immer da, nur eben nicht mehr als die zentrale Figur im Pop. Spannend an dieser Phase: David Bowie blieb sich treu und konsequent. Und er zelebrierte förmlich seine Außenseiterrolle und das Scheitern. Sei es nun solo oder mit seiner Band Tin Machine. Sich selbst verraten? Niemals!

Er war der Godfather of Popmusic für die nachfolgenden Generationen.

David Bowie hat von Anfang an andere Künstler beeinflusst und die Poplandschaft durch seine Person, ob Kunstfigur oder nicht, immer wieder neu befruchtet. Beispiele? Lady Gaga hat sich prominent den Blitz von Aladin Sane ins Gesicht geklatscht, bei Arcade Fire und TV On The Radio war er Feature-Gast – und gesampelt wurde und wird sein Werk immer und überall. Im Rap von Public Enemy bis Jay Z, Elektrotüftler wie die Chemical Brothers oder Benni Banassi nehmen seinen Sound auf – und sogar im Industrial Rock kann man ihn bei den Nine Inch Nails hören. Von unzähligen Coverversionen ganz zu schweigen.

Er hat sein ganzes Leben (und selbst sein Sterben) als Kunstwerk inszeniert.

David Bowie hat es wie kein anderer verstanden, Mythen um seine Person zu schaffen und sich immer wieder neu zu erfinden. Auch in der Gegenwart. Zehn Jahre hat er kein Album mehr veröffentlicht, es war schon vom Ruhestand die Rede. Und dann das: Sein 2013er Comeback-Album "The Next Day" hat er bis zwei Monate vor Veröffentlichung komplett geheim gehalten und hat damit sozusagen den Surprise Release vorweg genommen, der jetzt die Veröffentlichungsstrategie du jour ist. Mit dem letzten Akt hat er sich einmal mehr übertroffen: Das aktuelle Album "Black Star" erscheint am Freitag, den 8. Januar 2016. Und zwei Tage später, an seinem Todestag, macht die Single "Lazarus" auf einmal erst so richtig Sinn:

"Look up here, I’m in heaven / I’ve got scars that can’t be seen / I’ve got drama, can’t be stolen / Everybody knows me now"

David Bowie - Lazarus

David Bowie verarbeitet seinen eigenen Tod. Wäre es nur nicht so traurig und schmerzhaft, dann könnte man sagen: Selbst den Abgang von der großen Bühne hätte David Bowie nicht besser inszenieren können.


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