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HipHop nach Ferguson Wie #BlackLivesMatter Rap gerettet hat

Die Black-Lives-Matter-Bewegung hat nicht nur politisch an Einfluss gewonnen. Auch den HipHop hat die schwarze Bürgerrechtsbewegung verändert – vielleicht sogar gerettet.

Von: Lili Ruge

Stand: 04.02.2016

BlackLivesMatter im Rap  | Bild: BR

Als in Ferguson die Schüsse auf Michael Brown fallen, berauscht sich Rap gerade an Gunshot-Samples, an den ratternden Snare-Salven und flackernden HiHats von Trap. Ein Genre, das in den miesesten Vierteln amerikanischer Städte entstanden und in Windeseile von der belanglosen Glitzerwelt der Charts geschluckt worden ist - kommerzialisiert, gezähmt, jeglicher Substanz beraubt.

So hätte es zu Ende gehen können mit Rap, einst afroamerikanisches Sprachrohr Nummer 1: der perfekte Soundtrack für durchzechte Partynächte, während draußen vor der Clubtür jeder dritte schwarze Jugendliche im Laufe seines Lebens ins Gefängnis geht oder mit erschreckender Häufigkeit zum Opfer von Polizeigewalt wird. Who cares?

So geht die Story aber nicht weiter. Oder anders gesagt: jemand hat mal vor die Clubtür geguckt und gesehen, dass sich gegen das, was da passiert, die momentan wichtigste Bürgerrechtsbewegung der USA formiert: Black Lives Matter.

Die Mitglieder sind zum großen Teil junge schwarze Amerikaner, die in Rassismus, Polizeigewalt und den brutalen Toden von Trayvon Martin, Eric Garner, Michael Brown den Scherbenhaufen gescheiterter Politik vor sich sehen. Während aber der gesellschaftliche Einfluss der Black-Lives-Matter-Bewegung ständig steigt, hat ihr lange der perfekte Soundtrack gefehlt. Bis sie es irgendwann geschafft hat, den zugedröhnten Riesen "HipHop" aufzuwecken.

Einer der ersten, der auf den Tisch gehauen hat, ist Rapper Killer Mike von Run The Jewels. Als die Anklage gegen den Polizisten, der Michael Brown erschossen hat, fallen gelassen wird, unterbricht er sein Konzert für eine Brandrede.

Zum Soundtrack des Protests wird dann aber Kendrick Lamars Album "To Pimp a Butterfly", das nur so vor schwarzem Selbstbewusstsein strotzt und sich an einer DER schwarzen Protestmusiken überhaupt orientiert: Jazz. Also alles andere als clubtaugliches, chartkonformes Bassgewummer.

Sogar Dr. Dre, der hauptberuflich mittlerweile Kopfhörer vertickt, fühlt sich zu einem Album verpflichtet, auf dem er daran erinnert: "Dis wo ich herkomm". Darauf featured er Untergrundrapper wie Jon Connor, der es schafft, das Erbe der schwarzen Bürgerrechtsbewegung der Sechziger Jahre auf coole Art ins Heute zu transportieren.

Der Witz ist natürlich, dass der neue, kantigere, politischere Rap dann trotzdem in den Charts landet. Denn: Dank der Black-Lives-Matter-Bewegung gibt es nicht nur eine neue Dringlichkeit, wichtige Themen anzusprechen - es gibt auch das Publikum dafür. So hat die Bürgerrechtsbewegung dazu geführt, dass sich HipHop als politische Musik wiederentdeckt hat, die mehr ist, als nur kommerziell nutzbarer Soundtrack für den Turnup im Club.


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