"Black & Proud: Vom Blues zum Rap" Dieser Comic zeigt, wie wichtig die afroamerikanische Kultur für die Popmusik ist

Von Billie Holiday zu Kendrick Lamar: Die Sach-Graphic-Novel "Black & Proud" erzählt die Geschichte der afroamerikanischen Musik. Das ist nicht nur guter Geschichtsunterricht, sondern macht auch richtig Bock auf Mukke hören.

Von: Ines Peyser-Kreis

Stand: 24.01.2019

Albumcover "How To Pimp A Butterfly" aus dem Graphic Novel "Black & Proud" | Bild: Brüno und Hervé Bourhis

Dass Kendrick Lamar heute bei uns im Radio "Bitch, be humble" singt oder neuerdings sogar für seinen Soundtrack zu "Black Panther" für einen Oscar nominiert ist – das kommt uns total selbstverständlich vor, denn HipHop ist Mainstream. Musik von Afroamerikanern musste sich aber erst ihren Platz in der Popkultur erkämpfen. Bis in die späten 80er gab es zum Beispiel kaum Radio- oder Fernsehsender, die HipHop gespielt haben – auch, weil es ja vor allem die Musik von Schwarzen war. Erst mit dem Erfolg von Run DMCs Album "Raising Hell" 1986 wurde das Genre so richtig als dauerhaftes Phänomen wahrgenommen.

Rap, Soul, Funk, RnB, Blues – das Graphic-Novel-Sachbuch "Black & Proud" erzählt die Geschichte der afroamerikanischen Musik, von 1945 bis 2015. Nur Jazz wurde ausgelassen, denn das hätte ein eigenes Buch gebraucht.

Der Einfluss von Afroamerikanern auf die Pop-Musik wird krass unterschätzt

Maßgebliche kulturelle Ereignisse, welche wichtigen Hits eigentlich von Afroamerikanern geschrieben wurden oder wer sich wo "inspirieren" lassen hat – all das erzählt der Comicband. Man erfährt, dass Kanye Wests Vater früher Teil der politischen Widerstandsgruppe der Black Panther war, dass T-Pain Autotune berühmt gemacht hat oder dass "Get Lucky" von Daft Punk nur so geil funky geworden ist, weil 70er-Jahre Discolegende Nile Rodgers seine Finger mit im Spiel hatte. Selbst richtige Nerds erkennen hier neue Verbindungen und können die heutige Popmusik in ganz neuem Licht sehen.

Von Song zu Song

Das Buch ist chronologisch geordnet und nimmt sich pro Jahr eine Doppelseite Platz, um bedeutende Ereignisse, witzige Anekdoten und die wichtigsten Releases aufzuzählen. Man bleibt beim Durchblättern an absurden Zeichnungen hängen, erkennt Musiker und Albencover wieder und gerät beim Lesen furchtbar schnell in einen Strudel, der sich anfühlt wie die Vorschläge-Leiste bei YouTube: Ein Song führt zum nächsten, man hört ihn nebenbei am Laptop an und bekommt alle wichtigen Informationen dazu – in Tweetlänge.

Eure Spotify-Playlist wird bis zum Gehtnichtmehr gefüttert

Trotzdem ist "Black & Proud" kein Lexikon. Beim ersten Blättern stößt man immer wieder auf vermeintliche Lücken (Wo ist Jay Z und Kanyes "Watch The Throne" von 2011?!) – aber recht schnell wird klar: Das Buch will in erster Linie ein Anstoß zum Weiterforschen sein und neues Futter für eure Playlisten bieten. Denn die müssen ja nicht immer mit dem neuesten heißen Shit gefüllt sein – auch in der Vergangenheit finden sich richtig feine Schätze. Und "Black & Proud" liefert mehr als genug davon.

"Black & Proud: Vom Blues zum Rap" von Hervé Bourhis und Brüno, avant-Verlag, 30€.

Sendung: Plattenbau, 23. Januar 2019, ab 19 Uhr.