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Familienunternehmen 2.0 "Das ist in unseren Genen"

Vater-Tochter, zwei Brüder oder Großmutter und Enkel. Wer einen Streifzug durch Bayern unternimmt, entdeckt jede Menge Familienunternehmen. Das hat Tradition - aber statt einfach die Firma der Eltern zu übernehmen, gründen die Kinder heute lieber selbst.

Von: Caroline von Eichhorn

Stand: 05.10.2015

Familienunternehmen | Bild: BR

Vater-Tochter. Vater-Sohn. Zwei Brüder oder Großmutter und Enkel. Wer - wie wir für unser Projekt "Bavarian Makers" - einen Streifzug durch Bayern unternimmt, entdeckt jede Menge Familienunternehmen. Das hat natürlich Tradition: Viele erfolgreiche Marken, wie Aldi, BMW, Tengelmann oder Henkel, sind einst in der Familie entstanden. Erfolgreiche Unternehmer geben seit Jahrzehnten ihr Lebenswerk an die nächste Generation weiter.

Anders als in diesen großen Konzernen sind es heute aber die Kinder, die die Unternehmen gründen. Oft zusammen mit ihren Eltern. Statt einfach nur mit einer Geldspritze auszuhelfen, werden die dann zu Mitgründern. Beide Seiten profitieren dabei voneinander - die Jungen von der Erfahrung der Eltern, die wiederum vom Input ihrer Kinder. Wie Jacky aus Emersacker. Sie macht unter dem Label "Blumenkronen" Blumenschmuck für die Haare mit ihrer Mutter:

"Ich finde, es bringt viele Vorteile mit sich, wenn zwei Leute aus unterschiedlichen Altersgruppen zusammenarbeiten. Wenn wir eine Kundin haben, die in meinem Alter ist, kann sie sich eher mit mir identifizieren. Wenn wir jemanden Älteres haben, spricht meine Mutter mit ihr. Das haben wir auf Märkten gemerkt, dass es ganz schön ist, wenn man eine Bezugsperson im gleichen Alter hat, die Styling-Tipps geben kann."

Jacky von Manouche

Trau keinem außer Papa

Wer erfolgreich sein will, muss seinem Geschäftspartner blind vertrauen können. So jemand ist nicht immer leicht zu finden. Der 25-jährige Lukas Hertkorn hat diesen Menschen zuhause gefunden, nämlich seinen Vater. Jetzt stellen die beiden handgefertigte Holzbrillen her. Allerdings mit einer umgedrehten Hierarchie: Vater Hertkorn ist Produzent, Sohn Hertkorn ist Chef.

"Da wird’s schon interessant, wenn ich eine Anweisung gebe und sage: Ich hab‘s mir so und so vorgestellt. Da ist man sich nicht immer gleich einig. Aber durch das gute Verhältnis, was wir in der Familie haben, klappt das dann auch."

Lukas Hertkorn von Hertkorn

Durch Lukas‘ Idee wird sein Vater auch noch weiter als Schreiner arbeiten können, wenn er nicht mehr so schwer tragen kann – die Brillenproduktion ist die ideale Beschäftigung, wenn sein Vater älter wird.

Ganz die Oma

Manche Gründer tragen auch den Geist der vorherigen Generation in ihre Unternehmen. Familientraditionen leben so weiter. Das passiert manchmal unbewusst. Zum Beispiel bei den Schwestern Stephanie und Dominika Sabatier. Unter dem Label Schwesternliebe entwerfen sie Mode und Geschenkideen - wie die Oma. Nur moderner.

"Unsere Oma hatte auch einen kleinen Laden in Regensburg mit einer Nähmaschine drin. Sie hat sich alles selber beigebracht. Sie hat Dirndl genäht - ohne Schnitt, einfach drauf los. Als wir im Laden neben der Nähmaschine gesessen sind, kam es uns plötzlich: Mensch, wir sind wie die Omi - in jung. Ich glaube, es ist in unseren Genen, dass wir gerne etwas erschaffen."

Dominika Sabatier von Schwesternliebe

Die gemeinsame Arbeit kann die persönliche Beziehung in der Familie auf die Probe stellen. Es ist gar nicht so leicht, geschäftliche Probleme und Privates auseinander zu halten. Für Blumenkronen-Macherin Jacky überwiegen aber die Vorteile, die die Geschäftsbeziehung zu ihrer Mutter Marion mit sich bringt.

"Wir verbringen durch die Arbeit viel mehr Zeit zusammen. Wir reden mehr miteinander, weil es Dinge zu besprechen gibt oder Entscheidungen zu treffen sind. Ich würde sagen, dass wir auf einer Ebene sind. Früher hatten wir ein reines Mutter-Tochter-Verhältnis, wo die Mutter Ratschläge gibt. Jetzt gebe auch ich ihr Ratschläge."

Jacky von Manousche

Bavarian Makers - die neuen bayerischen Macher

Mit bavarianmakers.de will PULS den kreativen Machern aus allen Ecken Bayerns eine überregionale Bühne bieten - und zeigen, dass ums Eck jede Menge kreative Köpfe aktiv sind. Die Macher aus Bayern sind dabei so vielfältig wie die verschiedenen Regionen: vom Schreiner bis zum App-Entwickler ist alles dabei.

Um diese Vielfalt zu zeigen, hat PULS eine Website entwickelt, auf der wir zum Start am 5. Oktober 2015 anlässlich der ARD-Themenwoche Heimat 85 Macher aus Bayern, ihre Geschichten und Ideen in Interviews und Videos vorstellen. Weitere Macher werden regelmäßig hinzukommen.


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