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Interview // Drogenbeauftragte Marlene Mortler "Befürworter sind eine absolute Minderheit"

Die Legalisierung von Cannabis wird derzeit mal wieder so hitzig diskutiert, dass der grüne Rauch aufsteigt. Gerade im Zuge der Bewegungen in den USA wollten wir von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung wissen, welche Chancen für eine Legalisierung in Deutschland bestehen.

Von: Michael Bartlewski

Stand: 24.02.2015

Marlene Mortler mit Drogenbericht | Bild: picture-alliance/dpa

PULS: Wieso ist Cannabis in Deutschland noch nicht legal?

Marlene Mortler: Cannabis ist eine illegale Droge und vor allem für junge Menschen gesundheitsschädlich. Das heißt, je früher ich mit dem Konsum beginne, desto größer können die Gesundheitschäden sein und auch bleiben.

Aber selbst die Befürworter bezweifeln ja auch gar nicht, dass es gesundheitsgefährdend ist. Die sagen auch gar nicht, dass es für junge Leute frei gegeben werden soll - sondern zum Beispiel ab 21.

Wenn Sie von Legalisierung sprechen, dann sprechen Sie natürlich davon, dass ich eine bestimmte Botschaft vor allem an junge Menschen sende: "Es ist doch nicht so gefährlich, es ist doch eigentlich harmlos." Aber wenn Sie die Suchtberatungsstellen besuchen, da finden Sie die Wirklichkeit. Und die Wirklichkeit sieht so aus: Der häufigste Grund, wieso junge Menschen Rat suchen und behandelt werden müssen, ist Cannabis.

Aber die Mehrzahl kommt doch mit dem Konsum von Cannabis offenbar klar?

Das ist eine absolute Einzelmeinung. Und wenn ich die Mehrheit in unserer Bevölkerung frage, dann wird die mit Sicherheit auch einen Unterschied machen und sagen: Cannabis als Medizin? Ja. Cannabis just for fun? Nein. Denn für mich ist wichtig festzuhalten: Jede Droge ist Betrug am Gehirn. Jede Droge schädigt, jede Droge hat ihren Preis. Es gibt immer Menschen in unserem Land, die sagen, dass sie alles im Griff haben. Aber es gibt eben auch Menschen in unserem Land, die ihr Leben nicht so im Griff haben. Und vor allem diese Menschen habe ich im Blick. Denn wenn diese am Ende dann legal abgefüttert werden, dann bleibt das Risiko zu erkranken genauso bestehen. Und deshalb warne ich davor, Cannabis zu legalisieren.

Momentan passiert gerade in diese Richtung allersings einiges. Zum Beispiel in den USA. Da könnten sie doch auch hierzulanden vorangehen und für Erleichterung in Sachen "Krieg gegen Drogen" sorgen.

Hanfparade für die Legalisierung von Gras in Berlin

Ich glaub, da wird gerade vieles vermischt. In unserem Land gibt es keinen Krieg und es gibt vor allem auch keinen Krieg gegen Drogen. Wir haben aus meiner Sicht eine sehr liberale Gesetzgebung. In über zehn Bundesländern ist der Eigenbedarf bei sechs Gramm. Das finde ich gut. Und in Berlin liegt er sogar bei zehn Gramm. Und da frage ich mich natürlich, warum ausgerechnet in Berlin die meisten Probleme auftauchen. Das hat aus meiner Sicht Ursachen - das hat Gründe. Ich frage auch in Suchthilfeeinrichtungen, ich frage auch die Polizei. Bin ich noch auf der richtigen Spur? Sollen wir hier grundsätzlich legalisieren? Die Menschen mit denen ich gesprochen habe, sagen mir eindeutig: Nein!

Eigentlich hat man den Eindruck, dass es mittlerweile eher ziemlich schwierig ist, noch Leute zu finden, die gegen eine Legalisierung sind.

Man versteckt sich oft hinter der Aussage "Cannabis als Medizin". Darüber können sie mit mir reden. Da bin ich sogar sehr offensiv, auch in meinem Haus im Bundesgesundheitsministerium. Und deshalb arbeiten wir an einer Lösung, Cannabis als Medizin nicht nur verschreibungsfähig zu machen. Cannabis als Medizin kann im Verhältnis teuer sein, so dass es der eine oder andere gar nicht selber bezahlen kann. Und das ist mein Ansatz. Vor allem auch schwer kranken Patienten mit Hilfe von Cannabis als Medizin zu helfen. Ich sehe das Thema Cannabis und Legalisierung durch die Gesundheitsbrille, andere sehen es durch die Strafbrille und wieder andere, wie in den USA, sehen es mittlerweile durch die Geldbrille. Auch das gehört zur Wahrheit.

Aber der entgegengesetzte Weg zur Legalisierung - Cannabis komplett einzudämmen - funktioniert offenbar auch nicht.

Wir haben zum Beispiel im Bereich Rauchen ganz tolle Erfolge. Denken Sie an die Nichtrauchergesetze, denken Sie daran, dass an Schulen jetzt nicht mehr geraucht werden darf. Denken Sie daran, dass die Abgabe von Tabak an junge Menschen gesetzlich verboten ist. All das hat dazu geführt, dass weniger geraucht wird. Und ich sehe nicht ein, warum ich diese Linie als Drogenbeauftragte verlassen soll. Ich finde, es ist konsequent zu sagen, dass alle Drogen schädlich sind. Und deshalb plädiere ich für Aufklärung, für Prävention. Ich bin aber als Drogenbeauftragte auch offen zu fragen: Wo können wir optimieren? Wo können wir verbessern? Meine erste Priorität ist aber nicht einfach zu sagen: Cannabis legalisieren! Das haben meine Vorgängerinnen auch nicht gefordert.

In anderen Ländern gibt es verschiedene Kompromisslösungen. Zum Beispiel in Spanien. Da gibt es Cannabis Social Clubs, also Vereine, wo eine kontrollierte Abgabe stattfindet. Wäre so etwas nicht auch ein Modell für Deutschland? Eine staatlich kontrollierte Institution, wo es gewisse Regeln dafür gibt, wie viel man konsumieren darf und wo konsumiert wird?

"4:20 Smokers Club" in Barcelona

Ich glaube, Sie haben mittlerweile gemerkt, dass ich nicht jedem Zeitgeist hinterherlaufe. Und für mich ist das alles so eine Lifestyle- und Zeitgeistbewegung. Ich bin so fest auf dem Boden, dass meine Botschaft schon früher war und es auch heute noch ist: nicht jeder Entwicklung hinterherlaufen. Schwer für Sie?

Für mich nicht – für die Leute mit denen wir gesprochen haben. Die werden nicht zufrieden sein.

Schauen Sie. Man tut so, als ob das die Mehrheit wäre. Aber das ist aus meiner Sicht eine absolute Minderheit. Die ich natürlich ernst nehme, ich komme ja aus einer Volkspartei. Aber ich kann nicht nur - um mal in der Agrarsprache zu sprechen - die Biobauern im Blick haben, ich muss auch die konventionellen Bauern im Blick haben, die dafür sorgen, dass unsere Nahrungsmittel sicher sind. Und deshalb habe ich nicht nur den Konsumenten im Blick, der für die Legalisierung ist, sondern ich hab auch den im Blick, der sein Leben nicht so gut im Griff hat.

Darf ich fragen, ob Sie selbst schon mal gekifft haben?

Ich hab noch nicht gekifft. Ich brauch das auch nicht. Ich will das auch nicht.

Sie sind noch nie auf irgendeiner Party gewesen und da packt jemand ein bisschen Gras aus?

Nein!

Sicher?

Ganz sicher!


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deBaer, Donnerstag, 05.März 2015, 13:09 Uhr

47. Cannibis

Moin! Von was für einer "Volkspartei" redet die Olle da? Ich lach mich schlapp. Naja, und ihre Partys müssen echt langweilig sein. Sind bestimmt Spießertreffen....
Also, ich hab mit Gras & Co. nix am Hut. Ja, ich rauche. Gras? Nö. Und hin und wieder mal ein Glas Jack. Aber ich finde, es sollte legalisiert werden. Abgabe über spezielle Shops und Cafè's. Na, man wird schon was finden. Der Vorteil liegt doch auf der Hand: Die Beschaffungskriminalität wird mit Sicherheit zurück gehen. Und das wäre doch echt ein Erfolg. Aber, mit solch alten Tanten wird dat nix..... so long! deBaer

Hans Vogel, Mittwoch, 04.März 2015, 01:11 Uhr

46. Jugendschutz?

Wenn unsere Drogenbeauftragte wircklich am Jugendschutz interessiert währe, würde der Weg in Richtung Legalisiserung gehen, in deutschen Großstädten sind die Orte an denen man sich mit Gras versorgen kann Stadtbekannt, da kann sich jeder 14 jährige mit gestrektem Gras versorgen und bekommt gleich noch die Palette an chemischen Drogen angeboten.

Vielen dank Fr. Mortler das sie sich ihren politischen Vorgängern anschließen, das stärkt mein Vertrauen in die heutige Politik ungemein.

Dani, Dienstag, 03.März 2015, 23:40 Uhr

45. Lösung wurde doch von frau mortler schon verkündigt!

Die meint ja das die mit dem Tabak gut durchgekommen ist aber jeder der volljährig ist kann trotzdem in jeden laden gehen und sich seine Zigaretten kaufen. Warum sollte das mit Cannabis nicht auch funktionieren? Der Gesetzesentwurf muss erstmal besrbeitet werden und wenn die mehrheit dafür ist sollte er auch durchgehen.

nw85, Dienstag, 03.März 2015, 14:43 Uhr

44. Minderheiten dürfen nicht diskriminiert werden.

Die Konsumenten von Drogen schädigen keinen Dritten, der überwiegende Teil führt ein ganz normales Leben. Wer tatsächlich ein Suchtproblem hat benötigt Hilfe und keine Bestrafung. Die Anwendung des Strafrechts gegen Drogenkonsumenten ist wirkungslos und teuer für den Steuerzahler. Jedes Verfahren kostet mehrere 100 Euro und zerstört den Lebenslauf vieler (junger) Menschen. Durch das bestehende Totalverbot werden der Jugendschutz grundsätzlich und der Gesundheitsschutz von mehreren Millionenen Bürgern (darunter 2-5 Millionen Cannabis-Konsumenten in Deutschland) ausgehebelt. Warum sind die Menschen im US Bundesstaat Colorado, in Uruguay, Spanien, Portugal und Holland aus deutscher Sicht Kriminelle, nur weil sie eine andere Droge als Alkohol konsumieren? Wenn die Lügen von Frau Mortler stimmen würden, dann müssten die Suchtkliniken dort längst wegen Überfüllung geschlossen sein. Ein kontrollierter Umgang ist die bessere Lösung als das verantwortungsabweisende Totalverbot.

Peter klein, Dienstag, 03.März 2015, 12:09 Uhr

43. reality check

Was die gute Frau nicht realisiert ist, dass jeder der kiffen will in Deutschland das schon immer problemlos tun kann. Die Aufgabe des Staates wäre doch einen ehrlichen Umgang damit zu finden anstelle die Kids die es eh tun damit alleine zu lassen und die Menschen die ihren Alltag problemlos geregelt bekommen nicht zu Verbrechern zu machen wenn sie nach Feierabend anstelle von Bier oder Wein welches krasse GesundheitsRisiken birgt Canabis konsumieren.

All die Alkoholopfer in den Beratungsstellen zählt sie die auch mit in ihrer Statistik?

Hopfen und Malz sind des Volkes Liebling, der Cousin Hanf der Konservativen Propaganda des letzten Jahrhunderts zu folge das schwarze Schaf! Zeit die eigene Schulbildung und Prägung zu hinterfragen - und mal mit Ur-Oma zu reden..