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Verleihung im November Bayerischer Kabarettpreis 2021

Auch 2021 verleiht der Bayerische Rundfunk gemeinsam mit dem Münchner Lustspielhaus den "Bayerischen Kabarettpreis" in vier Kategorien. Die Preise gehen in diesem Jahr an Wilfried Schmickler (Ehrenpreis), Django Asül (Hauptpreis), das Duo Suchtpotenzial (Musikpreis) sowie Eva Karl Faltermeier (Senkrechtstarter-Preis). Die Preisverleihung findet am Montag, 8. November 2021, im Münchner Lustspielhaus statt und wird voraussichtlich am Donnerstag, 11. November 2021, im BR Fernsehen ausgestrahlt. Luise Kinseher führt als Gastgeberin durch den Abend.

Stand: 10.03.2021

Django Asül, Eva Karl Faltermeier, Suchtpotenzial, Wilfried Schmickler | Bild: Dirk Beichert, Ingo Pertramer, Torsten Goltz; Ilona Klimek, Montage: BR

"Ob aus Niederbayern oder der Oberpfalz, ob aus dem Rheinland, dem Schwäbischen oder Berlin – die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger des Bayerischen Kabarettpreises eint vor allem eines: ihre Leidenschaft und ihre Virtuosität in dem, was sie tun. Ihre Kabarettprogramme sind rasant und lebendig, überraschend und mitreißend. Ihre Kunst vereint analytische Schärfe und große Komik, Esprit und Emotion. Herzlichen Glückwunsch an Wilfried Schmickler, Django Asül, Ariane Müller und Julia Gámez Martín von 'Suchtpotenzial' und Eva Karl Faltermeier."

BR-Kulturdirektor Dr. Reinhard Scolik

"Wenn uns das letzte Jahr eines gezeigt hat, dann, dass wir den Wert von Künstlerinnen und Künstlern gar nicht hoch genug einschätzen können. Was sie für die Gesellschaft leisten, ist unverzichtbar: Unsere Preisträgerinnen und Preisträger lassen eine einzigartige Magie entstehen, die das Publikum im Saal und vor den Bildschirmen fesselt, eine Melange aus Lachen, Inspiration und (Selbst-)Erkenntnis. Ich gratuliere von ganzem Herzen!"

Annette Siebenbürger-Holtz, Leitung Programmbereich Unterhaltung und Heimat

Senkrechtstarter-Preis: Eva Karl Faltermeier
Wenn es die Kategorie „Senkrechtstarter“ beim Bayerischen Kabarettpreis noch nicht gäbe – für die diesjährige Preisträgerin Eva Karl Faltermeier hätte man sie erfinden müssen. Denn die Oberpfälzerin ist offiziell erst seit dem 1. April 2020 freischaffende Kabarettistin. Und dafür wurde es allerhöchste Zeit. An der etwas naiv dreinschauenden, wunderbar unprätentiösen Dunkelhaarigen und ihrem ersten Kabarettprogramm "Es geht dahi" kommt keiner mehr vorbei. Mit originärer Weltsicht, geprägt von der Gegend am östlichen Ende Bayerns und den Lebensweisheiten ihrer Oma, analysiert sie die Ansprüche der Gegenwart: dass Frauen immer perfekt sein sollen und das dann tatsächlich auch von sich selbst erwarten – das Ganze ins Groteske übersteigert durch Instagram und all die angeblich so sozialen Medien. Eva Karl Faltermeier, geboren in Regensburg, aufgewachsen in Eichhofen, kultiviert dabei eine Eigenschaft, die man Männern verzeiht und Frauen vorwirft. Die Rede ist vom Grant, den sie auf der Bühne gekonnt einsetzt, um sich in Rage und weit darüber hinaus zu reden. Und je schneller sie spricht, im feinsten Südoberpfälzer Dialekt natürlich, umso klarer scheinen ihre Gedanken zu leuchten, umso furioser webt sie ihre Geschichten aus der Provinz, die alles sind, nur nicht provinziell. Eher universell. Die 37-Jährige sagt alles geradeheraus, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, und schert sich nicht darum, ob sie vielleicht scheitern könnte. Das Bittere ist ihr lieber als das Süße: Das erträgt man eh, aber alles Schwierige ist doch viel interessanter.
Ausgestattet mit böser Ironie und schwarzem Humor entlarvt Eva Karl Faltermeier in ihrem Programm die Absurditäten des Lebens, eigenwillig-grotesk und herzlich-komisch. Und zurück bleiben: eine beglückte Künstlerin und ein hochzufriedenes Publikum.

Musikpreis: Suchtpotenzial
Im ersten Moment könnte man meinen, statt bei einem Auftritt sei man als Zaungast bei einem Frauenabend gelandet. Es wird viel gelacht, kräftig gebechert, geraucht und ab und an auch mal eine Zote gerissen. Dabei hat das Duo Suchtpotenzial – wie der Name schon sagt – ein viel höheres Potenzial für einen unvergesslichen Abend als Ersteres. Denn das, was die beiden gestandenen Frauen da tun, ist schreiend komisch, oft überraschend und vor allem musikalisch mitreißend. Kurzum: Ihre Auftritte bergen nicht nur Suchtpotenzial, sondern fast schon Suchtgarantie.
Pianistin Ariane Müller (40), gebürtige Ulmerin, und Julia Gámez Martín (34), aus Berlin stammend, lernten sich 2011 am Theater Ulm kennen und machen seit 2013 die Bühnen der Republik unsicher. Stimmgewaltig fegt Julia Gámez Martín durch die Programme, von ihrer Partnerin Ariane Müller immer souverän und pointiert am Klavier begleitet. Gerne spielen die beiden einerseits mit allen musikalischen Genres von Country über Folk bis Chanson, andererseits gegen Klischees und Erwartungen an – gerade solche, die man Frauen im Allgemeinen und hübschen Frauen im Besonderen entgegenbringt. Trotz ihrer prächtigen Haarmähnen ist nichts an ihnen mädchenhaft, nichts lieblich. Ihr Bekenntnis zu Alkohol, Zigaretten, Sex und Rock'n'Roll ist echt und authentisch. Zwar nennen sie sich gerne mal ein singendes "Alko-Pop-Duo", dennoch setzen sie ihr Können nicht für simple Spaßmacherei ein, sondern verschicken klare, politische Botschaften: gegen Sexismus, Diskriminierung, Rassismus und all die anderen Gefahren, die eine Demokratie schnell zersetzen können. Wer sich Suchtpotenzial aussetzt, gerät in die Gefahr der Abhängigkeit. Aber mit allergrößter Wahrscheinlichkeit ist man von nichts lieber abhängig als von ihren klugen Texten, der schwungvollen Musik und den erstaunlichen Erkenntnissen über den Nonsens des Lebens, den sie lustvoll offenlegen.

Hauptpreis: Django Asül
Django Asül bereichert die bayerische Kabarett-Landschaft seit über 20 Jahren mit seinen oftmals provokanten Pointen. Er fungiert als humoristischer Seismograph für die politischen Erschütterungen in Bayern. So mancher Politiker, dessen undurchsichtigen Beweggründe für sein politisches Handeln Django Asül beim alljährlichen Maibockanstich derbleckt, kann ein Lied davon singen. Durch messerscharfe Analysen zerlegt der 2004 offiziell zum Botschafter von Niederbayern Ernannte komplexe Zusammenhänge so, dass seine immer überraschenden Erkenntnisse sein Publikum nicht nur zum Lachen bringen, sondern es auch klüger als zuvor nach Hause geht.
Nach Ambitionen im Finanzwesen (Ausbildung zum Bankkaufmann) und im Sport (unter anderem ein gewonnenes Tennis-Doppel im Gaudi-Match gegen Roger Federer) entdeckte Django Asül ab Mitte der 90er-Jahre die Satire und spielte sich kurzerhand an die Spitze der bayerischen Kabarettszene. In seinen bisher neun Soloprogrammen und seiner Sendung "Asül für alle" seziert er den Irrsinn der Welt und vor allem des Polit-Alltags auf seine ureigene Art. Mit minimaler, aber dennoch eindrucksvoller Mimik referiert er ungezwungen über ein breites Themenspektrum. Das reicht vom Westfälischen Frieden über den Nahen Osten bis hin zur Europäischen Integration. Django Asül geht keinem Thema aus dem Weg, er setzt seinen ihm eigenen Rhythmus virtuos ein und versteht es, das Publikum in seinen Bann zu ziehen: mal provokant, mal philosophisch und immer pointiert. Mit bissigem Humor und meisterhaftem Timing trifft er dabei zuverlässig ins Schwarze. Django Asül beherrscht die Klaviatur des Kabaretts wie kein Zweiter.

Ehrenpreis: Wilfried Schmickler
Der Mann redet einen schwindelig – und das seit über 30 Jahren. Der gebürtige Rheinländer macht Kabarett in Reinform. Er nimmt sich des Lebens, der Gesellschaft, der Politik in all ihren Facetten an und fokussiert das Menschsein an sich, um dessen künstlerisch habhaft zu werden. Es drängt ihn, den Dingen auf den Grund zu gehen, sie zu durchschauen, sie zu präzisieren und sie erklärbar zu machen. Fragen beantwortet er mit Gegenfragen, die beweisen, wie ambivalent unsere Gesellschaft ist, in welchen Widersprüchen wir leben und dass nichts, was wir als selbstverständlichen Wohlstand hinnehmen, selbstverständlich ist. Wenn er spricht – oder eher verbale Maschinengewehrsalven abfeuert – gestikuliert er gleichzeitig mit den Händen, als dirigiere er seine Kabarettnummern für das Publikum. Er ist und macht atemlos, manchmal möchte man seine Gedankensprünge in Zeitlupe ablaufen lassen, um seine Analyse ebenso messerscharf nachvollziehen zu können. Der 66-Jährige ist ein Mahner, wütend und mitfühlend zugleich, hochemotional und dabei doch immer sezierend genau. Seine Ansprüche an Moral und Wahrheit sind hoch – doch man hat immer den Eindruck, er selbst wird diesen jederzeit gerecht. Neben all dem Furor spürt man auch immer seine Liebe zum Komödiantischen, zum Spiel und auch zur Sprache. Vor allem in Frauenfiguren schlüpft er mit großem Spaß: sei es als Angela Merkel, Loki Schmidt, als Carmen Geiss oder die Queen. Politisches und Alltägliches bringt er geschmeidig zusammen, über den korrupten Politiker wettert er genauso wie über den bigotten Kleinbürger. Wilfried Schmickler zeigt Können auf allerhöchstem Niveau und so, dass es noch lange in den Zuschauerinnen und Zuschauern nachhallt.

Der Bayerische Kabarettpreis

Der Bayerische Rundfunk fördert Kabarett und bietet mit der Verleihung des Bayerischen Kabarettpreises namhaften Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne und jungen Talenten ein Sprungbrett. Der Bayerische Kabarettpreis ist eine Gemeinschaftsinitiative des Bayerischen Rundfunks und des Münchner Lustspielhauses. Seit 1999 wird der Preis jährlich in vier Kategorien an Künstler aus dem deutschsprachigen Raum verliehen. Er würdigt scharfsinniges Kabarett, das auf unverzichtbare Weise die Gesellschaft und das Zeitgeschehen künstlerisch ergründet.


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