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BR-Benefizaktion Fragen an den Sternstunden-Gründer Thomas Jansing

1993 hatte der Thomas Jansing, damals Chef der Programmplanung im BR Fernsehen, die Idee einer eigenen Benefizaktion für Kinder in Not. Er kämpfte für das Projekt und gründete schließlich den gemeinnützigen Verein Sternstunden e. V. Heute, 25 Jahre später, blickt Sternstunden auf eine erfolgreiche Zeit zurück: Seit der Gründung wurden rund 235 Millionen Euro gesammelt, die mehr als 2950 Kinderhilfsprojekten in Bayern, Deutschland und der ganzen Welt zugutekamen. 25 Jahre - ein guter Anlass für eine Zwischenbilanz.

Stand: 30.11.2018

Thomas Jansing (Geschäftsführer und Initiator Sternstunden), November 2018. | Bild: BR/Markus Konvalin

Wie kamen Sie vor 25 Jahren zu der Idee, Sternstunden zu gründen?

Anlass war 1993 der Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien. In meiner damaligen Funktion als Programmplanungschef des Bayerischen Fernsehens stand ich natürlich in Kontakt mit unseren Auslandskorrespondenten. Die Schilderungen über die Grausamkeiten und die schlimmen Auswirkungen, vor allem für Frauen und Kinder, machten mich betroffen und nachdenklich. Ich wollte es nicht bei der bloßen Berichterstattung bewenden lassen, sondern durch Hörfunk und Fernsehen konkrete Hilfe mobilisieren. Das war die Geburtsstunde der Benefizaktion.

Welche Hindernisse mussten Sie auf dem Weg von der Vision bis zum Startschuss überwinden, und hatten Sie jemals Zweifel?

Innerhalb des Senders war anfänglich viel Überzeugungsarbeit zu leisten, zumal für das Projekt kein Etat da war und die Skeptiker die aus damaliger Sicht durchaus nachvollziehbare Frage nach der Legitimation einer Benefizaktion als Bestandteil des öffentlich-rechtlichen Programmauftrages stellten. Neben einem inhaltlich schlüssigen Konzept gehörte also auch die Akquise von Sponsoren zu unseren Aufgaben, und es war ein Glücksfall, mit der Bayern LB, der Deutschen Telekom und Apple Computer namhafte Unternehmen für unsere Idee zu gewinnen. Ohne deren Kooperationsbereitschaft und enorme Vorleistungen hätten wir niemals starten können. Um sich mit aufkommenden Zweifeln zu beschäftigen, fehlte es im Übrigen schlicht an Zeit.

Wie haben sich die Aufgabenfelder von Sternstunden verändert, und wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf für Benefizaktionen heute?

Während damals in der Gründerzeit noch die Unterstützung der Auslandsprojekte im Vordergrund stand, haben sich unsere Förderschwerpunkte in den letzten Jahren verändert. Laut neuesten Zahlen wächst jedes fünfte Kind in Deutschland in Armut auf, was für ein so reiches Land eine beschämende Statistik ist. 20 Prozent der Kinder in der westlichen Welt, so schätzt man, sollen von sexuellem Missbrauch betroffen sein. Die Zahl der Anträge von Wohngruppen, weil Kinder aus dem häuslichen Umfeld wegen Misshandlungen und Verwahrlosung genommen werden müssen, ist gestiegen, ebenso wie die Anfragen zur Unterstützung von heilpädagogischen Fördereinrichtungen. Ganz zu schweigen von der dramatischen Zunahme psychischer Erkrankungen durch Überforderung unserer Jugendlichen infolge völlig unangemessener Erwartungshaltungen. Wir hätten vor 25 Jahren sicher nicht gedacht, dass diesbezügliche Probleme vermehrt vor unserer eigenen Haustür auftreten.

Im vergangenen Jahr wurde am großen BR-Sternstunden-Tag einmal mehr ein Rekord-Spendenergebnis eingefahren. Worin sehen Sie das Erfolgsrezept der Marke Sternstunden?

Die Prosperität unserer Gesellschaft ist die Grundvoraussetzung für ein hohes Spendenaufkommen. Ganz entscheidend für unseren Erfolg ist darüber hinaus aber das große Vertrauen unserer Spender in die korrekte Abwicklung der Spendengelder und die nachvollziehbare Projektförderung. Im Rechenschaftsbericht, auf unserer Homepage und über die Berichterstattung in Hörfunk, Fernsehen und online schaffen wir die erforderliche Transparenz. Wir gelten als seriöser und kompetenter Treuhänder der uns anvertrauten Spenden und legen Wert darauf, dass diese auch weiterhin zu 100 Prozent Prozent in die Hilfsprojekte fließen.

Welches Projekt hat Sie in all den Jahren am meisten berührt?

Wenn es um lebensverkürzend erkrankte Kinder geht, bin ich persönlich immer besonders erschüttert.  Als Vater von zwei Töchtern versetze ich mich natürlich auch in die Lage der Eltern und leide mit. Dann fällt es schon schwer, nach Dienstschluss so einfach abzuschalten.

Was wünschen Sie Sternstunden für die Zukunft?

Dass sich unsere Arbeit irgendwann erübrigt, weil sich die Umstände für notleidende Kinder so verbessert haben, dass es einer Benefizaktion nicht mehr bedarf. Aber dieser fromme Wunsch wird wohl eine Utopie bleiben. Deshalb wünsche ich mir auch weiterhin die wohlwollende mediale und finanzielle Unterstützung und Begleitung des Bayerischen Rundfunks und unserer Partner im Bewusstsein um die Notwendigkeit und Bedeutung unserer Arbeit.  


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