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Hintergrund Woher das Material stammt und wie es bearbeitet wurde

Eine wichtige Quelle für die Filme ist das historische Archiv "Helden der Geschichte" von Hermann Pölking-Eiken. Weitere wertvolle Quellen auf der Suche nach privaten Filmaufnahmen in Farbe wurden die Sammlungen der "Agentur Karl Höffkes" sowie die des "Hauses des Dokumentarfilms" und der "Saeculum Archivgesellschaft".

Stand: 05.11.2019

Ordinari-Fahrt mit Blick auf Schloss Wallsee an der Donau 1938. | Bild: Agentur Karl Höffkes/BR/DOKfilm Fernsehproduktion GmbH

Die filmischen Fundstücke landen auf unterschiedlichen Wegen bei den Agenturen, Verlagen und Sammlern: Mal sind es private Chronisten, die auf Flohmärkten fündig werden, mal handelt es sich um Dachbodenfunde, die einem Archiv geschenkt oder verkauft werden, und in anderen Fällen landen die Funde durch gezielte Suchaufrufe in Lokalblättern bei den Archivaren. Fest steht: Diese Aufnahmen sind von historisch unschätzbarem Wert.

Monatelange Bild-für-Bild-Restaurierung

Die verwendeten Amateurfilme wurden in den Formaten 8 mm, 16 mm und 35 mm mit Filmmaterial von Kodacolor und Agfacolor gedreht. Anders als das 35-mm-Farbfilmmaterial von Agfa, mit dem ab 1939 in Deutschland Kulturfilme in Farbe gedreht wurden, drehten Amateure auf Umkehrfilm, um die Kosten einer Negativkopie zu sparen. Umkehrfilm produziert statt einem Negativ- nur ein Positivbild. Es gibt also kein Negativ, das digitalisiert werden kann. Das Positiv ist das einzige Master und wurde von den Filmamateuren als Schnitt- und Vorführmaterial benutzt. Nach 80 Jahren weist es dann zahlreiche Gebrauchs- und Lagerspuren wie Kratzer, sich lösende Klebestellen, unregelmäßige Perforation und Wellungen auf. Zudem sind den Amateuren schon bei der Aufnahme oft Schmutzpartikel vor die Linse gekommen. Um die beste Farbbrillanz und die höchstmögliche Qualität und Schärfe des seltenen Farbfilmmaterials aus den Jahren 1931 bis 1945 zu erhalten, war für das Filmprojekt "Jahre der Verführung" und "Jahre des Untergangs" eine sehr aufwendige Bildrestaurierung notwendig. Diese monatelange Bild-für-Bild-Restaurierung erfolgte unter Leitung des "Filmarchäologen" Hermann Pölking-Eiken durch dessen Firma "Helden der Geschichte" mit einem Team von Deutschen und Israelis in Berlin und Niedersachsen.

Das Ergebnis überrascht selbst viele professionelle Betrachter.

Ton nachträglich hinzugefügt

Auch die Tonebene erforderte einen besonderen Umgang: Die Bilder wurden, wie üblich in der Zeit von 1931 bis 1945, ohne Ton gefilmt. Für die Produktion der beiden Filme bedeutete das, dass nach Abschluss der Schnittphase in Zusammenarbeit mit dem Geräuschemacher Olaf Simon und der Sounddesignerin Helen Neikes jede Bildsequenz naturalistisch vertont wurde: das im Hintergrund vorbeifahrende Auto, der Mann, der gerade dezent in sein Stofftaschentuch schnäuzt, die muhende Allgäuer Kuh, der klirrende Schnee, durch den die Menschen in Nürnberg mit ihren Lederstiefeln stapfen. Jedes Bild bekam im Nachhinein seinen eigenen, handgemachten Ton und wird durch seinen eigenen zurückhaltenden Klang zum Leben erweckt.


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