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Ihr Name war Maria Interviews mit den deutschen Hauptdarstellern

Der bildgewaltige, aufwändig produzierte TV-Zweiteiler "Ihr Name war Maria" läuft 2013 Ostersonntag, um 12.50 Uhr und Ostermontag, um 11.05 Uhr im Ersten. Hier finden Sie Interviews mit den deutschen Schauspielern Alissa Jung (Maria), Andreas Pietschmann (Jesus), Johannes Brandrup (Herodes Antipas) und Nikolai Kinski (Judas).

Stand: 13.02.2013

Jesus (Andreas Pietschmann) | Bild: BR/Tellux-Film GmbH/Angelo Turetta

"Ihr Name war Maria“ erzählt die Geschichte der Maria von Nazareth. Im Mittelpunkt des Films stehen Marias Liebe zu Gott, aber auch ihre Gefühle als Mutter und Ehefrau und ihr schwerer Weg unters Kreuz von Golgatha. Es ist aber auch die Geschichte ihrer Freundin Maria Magdalena, die für sich zunächst die Welt des Luxus und der Macht im Palast des Königs wählt, bevor sie ihre wahre Berufung erkennt.

Interview mit Alissa Jung (Maria)

Sie spielen die Hauptrolle in einer internationalen Koproduktion – wie kam es dazu?
Das war das absurdeste Casting, das ich je erlebt habe. Genau am Tag, als ich nach Haiti fliegen wollte, um mich dort wieder um mein soziales Projekt „Schulen für Haiti“ zu kümmern, rief meine Agentur an und erzählte mir von der Einladung zum Casting. Da ich aber weder meine Reise absagen noch auf die Möglichkeit, für die Maria vorzusprechen, verzichten wollte, habe ich noch am selben Tag, zwei Stunden vor Abflug, ein e-Casting gemacht, spielte also zu Hause vor meiner Webcam einige Szenen und schickte sie per E-Mail zur Casterin. Aus Haiti zurück, habe ich die Einladung zu einem weiteren Casting in Rom erhalten. Ja, und schließlich bekam ich die Rolle.

... und haben damit alle Konkurrentinnen übertrumpft. Das klingt nach einer aufwändigen Suche nach der passenden Darstellerin.
Ja. Zuerst hat man nur in Italien nach einer Maria-Darstellerin gesucht, später dann die Suche international ausgeweitet.

Was hat Sie daran gereizt, sich um die Rolle zu bewerben?
Es war eine Mischung. Zum einen war es die Aussicht, erstmals in einer internationalen Koproduktion mitzuwirken und auf Englisch zu drehen, zum anderen natürlich die Rolle der Maria. Das ganze Projekt klang überhaupt spannend, und ich bin sehr glücklich, dass es geklappt hat.

Empfanden Sie die Rolle der Maria als etwas Besonderes?
Ja klar. Ich denke, es besteht eine gewisse Verantwortung, sie zu spielen. Für viele Menschen, auch in anderen Ländern, hat sie eine sehr, sehr große religiöse Bedeutung, und es gibt so viele Geschichten und Bildnisse von ihr. Insofern war mir klar, ich muss sehr respektvoll und verantwortungsvoll mit der Rolle umgehen. Andererseits habe ich mich irgendwann von der Ikone Maria befreit, das hätte mich sonst in meiner Darstellung eingeengt. Ich habe versucht, die Maria als Menschen darzustellen, nicht nur als Heilige. So sieht man sie als junges Mädchen, das den Mann, den sie liebt, heiraten möchte, und das plötzlich vor einer Riesenaufgabe steht. Ich wollte auch ihre Zweifel zeigen, ob sie all dem gewachsen ist. Auch Maria ist nicht immer sicher. Im zweiten Teil ist sie dann als Mutter zu sehen, die ihren Sohn loslassen muss, wie ja, im Kleinen, jede andere Mutter eines Tages auch. Diesen Konflikt, den Sohn gehen zu lassen, fand ich besonders spannend.

Ist Maria auch so etwas wie eine Traumrolle – vielleicht schon seit der Schule?
Ich war noch nie die Maria, habe als Kind immer den Engel gespielt, da die Maria in unserem Schul-Krippenspiel gar keine Sprechrolle hatte. Von daher, nein, Maria war nicht die immer ersehnte Traumrolle, aber sie jetzt in „Ihr Name war Maria“ zu spielen, war großartig.

Auffällig ist auch, dass vieles im Film bei Maria nicht im Dialog, sondern über die Mimik abläuft. War das eine besondere Herausforderung für Sie?
Als ich das Drehbuch das erste Mal durchblättere, dachte ich spontan: Für eine Hauptrolle ist das gar nicht so viel Text. Dann fiel mir auf, dass Maria eigentlich in fast jeder Szene zu sehen ist. Und es passt zu Maria, dass sie auch ohne Worte Menschen überzeugen kann. Und auch wenn ich keinen Text spreche, läuft ja sozusagen im Innern mein Text ab. Für jede Szene überlege ich mir, egal, ob ich spreche oder nicht, was denkt meine Figur gerade, was fühlt sie, was passiert mit ihr.

Man bekommt den Eindruck, es ist auch ein Film über drei starke Frauen - neben Maria die Freundin Maria Magdalena und Herodias, die Ränkeschmiedin...
Ja stimmt, und alles wunderbare Frauenrollen. Es war die Idee des Drehbuchautors Francesco Arlanch, diese Frauen stärker in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen eine eigene Geschichte zu geben. So hat er sich von der biblischen Darstellung der Maria und auch Maria Magdalena gelöst, und in Herodias, die zwar eine historische Figur ist, steckt viel Fiktionales. Paz Vega und Antonia Liskova sind beide tolle Schauspielerinnen, und ich habe mich sehr gut mit ihnen verstanden. Wir mochten uns sofort sehr, sind alle drei Mütter, und das verbindet auch irgendwie. Leider hatten wir nicht so viele gemeinsame Szenen, und da die Italiener ein straffes Drehpensum durchzogen, hatten wir auch nicht so viel Freizeit neben dem Dreh.

Wie sah das straffe Pensum denn aus?
Wir haben zwei Monate am Stück gedreht. Sechs Tage die Woche, samstags einen „kurzen Tag“, acht Stunden ohne Mittagspause. Es war zwar anstrengend, aber eine sehr, sehr schöne Zeit, die ich nicht missen möchte.

Wie muss man sich als Laie überhaupt eine internationale Koproduktion vorstellen, wie ein babylonisches Sprachgewirr?
So ungefähr. Insgesamt waren es wohl sechs Sprachen dort. Paz ist Spanierin, Antonia Liskova, Luca Marinelli und viele andere kommen aus Italien, Andreas Pietschmann, Nikolai Kinski und ich aus Deutschland, und die tunesischen Komparsen und die Hälfte des Teams sprachen Arabisch und Französisch. Meistens herrschte dort ein italiensch-französisch-arabischer-englischer Mix, der aber gut zu verstehen war.

Gab es in den Drehpausen auch Kontakt zwischen all den Nationen oder blieb man eher unter seinesgleichen?
Wir haben sehr viele Gespräche miteinander geführt, und es sind zahlreiche Diskussionen entstanden, auch über die Thematik des Films und die verschiedenen Religionen. Jeder ging auch anders mit dem Filmstoff um. Bei manchen Darstellern spielte der eigene Glaube eine große Rolle oder sie haben sich neu mit ihrem Glauben beschäftigt, für andere wiederum war es ein Job wie jeder andere.

Wie war denn die Kooperation mit den tunesischen Bewohnern?
Sehr gut. In Tunesien gibt es riesengroße Studios, in denen schon viele Filme entstanden sind – die Tunesier sind es gewöhnt, dass bei ihnen gedreht wird. Wir hatten verschiedene Drehorte, der große Palast stand in Hammamet, die Tempelszenen entstanden in Monastir, und als Kulisse für Nazareth wurde ein kleines Bergdorf ausgesucht, das wirklich perfekt zum Film passte.

Giacomo Campiotti, der Regisseur, ist Italiener. Wie klappte es mit der Verständigung? Ändert sich dadurch die Arbeit an einer Figur, an einer Szene, wenn die Regie-Anweisungen in einer fremden Sprache gegeben werden?
Giacomo Campiotti hat mit mir zunächst Englisch gesprochen, aber mit der Zeit habe ich mich am Set immer mehr auf Italienisch verständigt, erst mit der Kostümbildnerin ein paar Worte, dann wurde es mehr. Ich hatte vier Jahre Italienisch in der Schule, und während der Dreharbeiten klappte es immer besser, bis ich sogar mit Giacomo Campiotti nur noch Italienisch sprach. Irgendwann wusste ich einfach, was er in den Szenen wollte, und es war eine sehr intensive Zusammenarbeit.

Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet? Anders als bei Ihren bisherigen Rollen?
Ich habe mir einige Bibelverfilmungen angeschaut und Bücher gelesen, aber ich habe das Material dann nicht zum Vorbild für meine Darstellung genommen. Ich habe mir überlegt, was ich aus meinen persönlichen Erfahrungen in die Rolle einbringen kann. Wie habe ich mich als 16-Jährige gefühlt, welche Gemeinsamkeiten gibt es? Und bei der älteren Maria – wir haben sie nur ein wenig altern lassen, da sind wir doch bei den Bildnissen der Maria geblieben – habe ich immer an meine Oma denken müssen. Sie ist ebenfalls ein Mensch voller Liebe und Wärme, das habe ich gut in die Rolle einbringen können.

Sind Sie selbst ein religiöser Mensch? War das hilfreich für die Rolle?
Ich bin christlich erzogen worden, und ich glaube daran, dass es einen Gott gibt. Aber ich denke, man muss nicht katholisch sein, um die Maria darzustellen. Ich bin Schauspielerin. Wenn ich eine Mörderin spielen soll, muss ich das ja vorher auch nicht ausprobieren.

Was ist Ihnen von den Dreharbeiten am meisten in Erinnerung geblieben?
Da gibt es so vieles... Die wunderbaren Kollegen, die Gespräche, das Sprachenwirrwarr, die vielen Menschen – wir hatten rund 100 Komparsen – die Stimmungen, die intensiven Farben und Lichter des Landes. Manchmal schwirrte ein Karussell in meinem Kopf, von den vielen Eindrücken. Noch heute ist die Zeit sehr präsent für mich.

Interview mit Andreas Pietschmann (Jesus)

War es etwas Besonders für Sie, Jesus zu verkörpern, oder haben Sie die Rolle ganz und gar professionell betrachtet?
Es war in vielerlei Hinsicht eine besondere Rolle, selbst unter professionellen Aspekten. Ich habe persönlich großen Respekt vor der Figur Jesus Christus. Kaum eine andere Person hat die Menschheit so nachhaltig beeinflusst, sein Leben und seine Lehre haben die Menschen geprägt und die Welt verändert. Die einen begegnen Jesus mit Liebe, andere mit Furcht und Abneigung. Um als Schauspieler Zugang zu finden, habe ich versucht, all das, was man mit Jesus gemeinhin verbindet, auszuschalten, sonst hätte mich die Aufgabe zu sehr eingeschüchtert.

Wie wurden Sie für die Rolle ausgewählt?
Ursprünglich hatte ich für die Rolle des Joseph vorgesprochen. Während des Castings unterhielt sich der Regisseur Giacomo Campiotti, der mich genau beobachtete, immer wieder mit der Casting-Agentin Cornelia von Braun und den Produzenten und fragte mich dann, ob ich auch eine Szene als Jesus spielen wollte. Aus dem Internet druckte er den Text der Bergpredigt aus, die ich in 20 Minuten einigermaßen auswendig lernen sollte. Ich spielte also die Szene und bekam schließlich die Zusage für die männliche Hauptrolle.

Was war das für ein Gefühl?
Es waren gemischte Gefühle. Auf der einen Seite war es großes Glück und ich freute mich auf die außergewöhnliche Aufgabe, gleichzeitig war ich auch beeindruckt von dem, was auf mich zukommen würde. Es ist auch ein großer Verdienst von Regisseur Giacomo Campiotti, dass alles so gut geklappt hat. Er ist ein großartiger intuitiver Schauspieler-Regisseur. Wir haben uns sehr gut verstanden und hatten ähnliche Ideen zur Darstellung des Jesus. Er hat mich sehr unterstützt und gut geführt.

Wie haben Sie sich auf Ihre Darstellung vorbereitet?
Da ich in einer großen katholischen Familie aufgewachsen bin, habe ich mich schon früh mit der christlichen Religion beschäftigt. So waren die Dreharbeiten für mich auch eine große Chance und Herausforderung, eine neue Sichtweise zu wagen. Ich habe noch einmal die vier Evangelien gelesen und auch etwas in den Apokryphen – was ich in den ganzen Jahren nicht mehr getan hatte, auch wenn in den Hotelzimmern immer die Bibel ausliegt. Ich wollte wissen, was da eigentlich genau berichtet wird und wie es auf mich wirkt, um mir ein eigenes Bild von Jesus zu machen. Freigeklopft von den allgemeinen Interpretationen habe ich dann eine sehr persönliche Sicht gefunden. Für mich ein spannender Prozess.

Wie sieht die Interpretation zu „Ihrem“ Jesus aus?
Ich denke, er war ein außergewöhnlicher Mensch mit unglaublichem Charisma, ungeheurer Wirkung auf die Menschen und einer großen Liebe zu ihnen. Er hatte etwas ganz Besonderes, und ich kann verstehen, dass diese Macht manchen Menschen auch Angst gemacht hat, so dass sie ihn verfolgt haben. Wichtig für unseren Film war mir, vor allem das Beziehungsgeflecht aufzuzeigen, zu seinen Jüngern, seiner Mutter Maria und zu Maria Magdalena. Alle Facetten von Jesus konnten wir natürlich nicht aufzeigen, wie zum Beispiel seine revolutionäre Seite, etwa bei der Vertreibung der Geldwechsler aus dem Tempel. Unser Schwerpunkt lag auf dem umarmenden, dem verzeihenden Jesus.

Haben auch andere Filme oder Abbildungen in der Kunstgeschichte Sie inspiriert?
Zum Einstieg ins Thema und vor allem unter ästhetischen Gesichtspunkten habe ich mir Ausschnitte aus Franco Zeferellis Film „Jesus von Nazareth“ angeschaut. Auch Mel Gibsons „The Passion of the Christ“ habe ich gesehen, der sehr detailgetreu die letzten 24 Stunden aus Jesus’ Leben bis zur Auferstehung zeigt. Jesus-Darstellungen in der Kunst waren wegen ihrer Wirkung wichtig für mich. Ich wollte wissen, was empfinde ich beim Betrachten, welche Gefühle weckt es in mir? Auch mit Giacomo Campiotti, der mir verschiedene Abbildungen gezeigt hat, sprach ich darüber, beispielsweise über die berühmte Pietà von Michelangelo, die mich schon immer sehr berührt hat. In unserem Film gibt es eine ähnliche Szene, in der Maria den toten Jesus im Arm hält – ein sehr ausdrucksstarkes Bild. Darüber hinaus haben mich die Bibel und das Drehbuch inspiriert.

Inwiefern?
Das Drehbuch von Francesco Arlanch ist phantastisch, sehr gut recherchiert, sehr präzise, aber auch extrem behutsam bei der Umsetzung des Themas. Die Texte sind sehr bibeltreu, und vieles, was ich selber in der Bibel gelesen hatte, fand ich darin wieder. Eine tolle Arbeit, denn um das Beziehungsgeflecht zwischen den Hauptpersonen zu schildern, mussten ja sozusagen die fehlenden Bibel-Passagen - über Maria wird dort wenig berichtet - entsprechend ergänzt werden. Die fiktiven Dialoge fügen sich sehr gut ein, ebenso die Alltagsszenen. Im Mittelpunkt stehen diesmal Maria und Maria Magdalena, und diesen Ansatz finde ich sehr wichtig, die Geschichte auch mal aus der Perspektive dieser Frauen zu schildern.

Als Sie nach so vielen Jahren die Bibel wieder gelesen haben, welche Wirkung hatte das auf Sie jenseits des Films?
Es ist überraschend, dass vieles im Neuen Testament nichts an Bedeutung verloren hat und im Prinzip heute noch gültig sein könnte. Beeindruckend ist für mich vor allem das Prinzip der Vergebung. Wenn sich mehr Menschen danach richten würden, wäre die Welt sicher ein besserer Ort.

Waren die Dreharbeiten strapaziös für Sie, besonders in der Kreuzigungsszene?
Es war schon etwas anstrengend, aber ich mag es lieber, wenn körperliche Strapazen echt sind und nicht zu sehr gespielt. Die Wirkung ist größer. So habe ich mir für die Szene, in der Jesus das Kreuz nach Golgatha schleppen muss,  das schwerste und massivste unter den vorhandenen Holzkreuzen ausgesucht – der Ausstatter sprach von ca. 100 Kilo – um den Leidensweg so realistisch wie möglich darzustellen. An der Kreuzigungsszene auf dem Hügel haben wir mehrere Tage gedreht, bis sie abgedreht war, unter sengender Sonne, vor der man sich schlecht schützen konnte. Trotz der Creme bekam ich einen ziemlichen Sonnenbrand.

Was ist Ihnen von den Dreharbeiten am meisten in Erinnerung geblieben?
Da gibt es vieles. Die aufwändige internationale Produktion, der 2000 Jahre alte Stoff, die vielen unterschiedlichen Sprachen am Set, das hatte etwas vom biblischen Pfingsterlebnis. Die zahlreichen Statisten in historischen Kostümen, die Bauten - diese Bilder haben sich eingeprägt mit ihrer Wucht. Besonders gern erinnere ich mich an die große Herzlichkeit und Freundlichkeit des italienischen Teams, ich fühlte mich die ganze Zeit sehr wohl und eingebettet. Sogar Freundschaften sind entstanden, die wir bis heute pflegen.

Interview mit Johannes Brandrup (Herodes Antipas)

Sie haben schon mehrfach in aufwändigen Bibelverfilmungen gespielt – worin besteht für Sie der besondere Reiz?
Zum einen bieten die Filme die Möglichkeit, einen Mythos lebendig werden zu lassen, zum anderen macht es Spaß, in historischen Kostümen zu spielen. Es ist reizvoll, berühmte Szenen darzustellen, die jeder kennt, wie zum Beispiel der Tanz der Salome vor König Herodes, der sie wunderschön findet und ihr sogar ein ganzes Königreich verspricht. Unser Job ist es, all das so zu interpretieren, dass es neu belebt wird.

Sie verkörpern Herodes Antipas, den neuen Herrscher, der sich gegenüber den Machtspielen am Hof zu behaupten weiß. Wie muss man sich Antipas als Menschen vorstellen?
In unserem Film erheben wir natürlich keinen historischen Anspruch, denn niemand weiß ja, wie er wirklich war. Auch hier spielt der Mythos eine Rolle. Ich stelle mir Herodes als jemanden vor, der sehr viel Glück hatte. Sein ältester Bruder wurde ermordet, so dass er König werden konnte. Ich halte ihn für relativ schlau, und mit der Heirat von Herodias beginnt sein Machtrausch. Seinen Kritiker Johannes den Täufer findet er eher amüsant als gefährlich und möchte ihm gern Narrenfreiheit gewähren, beeindruckt von dessen Mut. Doch dann wird Herodes ein Opfer der Waffen der Frauen, denn Herodias legt ihn herein. Da er ihrer Tochter Salome als Belohnung für ihren Tanz jeden Wunsch gewähren will und Salome sich auf Geheiß ihrer Mutter den Kopf des Johannes wünscht, ist er als Herrscher an sein Wort gebunden und schließlich gezwungen, Johannes enthaupten zu lassen.

Spielt Religion auch in Ihrem Privatleben eine Rolle?
Meine Eltern kommen aus Ostdeutschland, und da galt das Karl-Marx-Wort „Religion ist das Opium des Volkes.“ Da ich mit dieser Einstellung aufgewachsen bin, hat die Religion keine große Bedeutung für mich. Aber dadurch, dass ich mehrere Filme mit biblischen Themen gedreht habe, wie „Paulus“ oder „Petrus – Die wahre Geschichte“ mit Omar Sharif als Petrus und mit mir in der Rolle des Jesus, bin ich immer wieder auf das Thema gestoßen. Das weckte mein Interesse, und ich habe angefangen, mich mit Religionsgeschichte zu beschäftigen, habe viel gelesen und recherchiert.

Sie wurden bereits für viele internationale Produktionen engagiert, was hat Sie denn bei den Dreharbeiten zu „Ihr Name war Maria“ am meisten beeindruckt?
Das riesengroße Filmstudio in Tunesien, in dem wir die Jerusalem-Szenen gedreht haben, ist sehr beeindruckend. Ich kannte es noch von den Dreharbeiten zu „Augustinus“ – damals standen dort die Kulissen für Rom – und es ist wirklich imposant. Außerdem erinnere ich mich gern an das sehr nette und professionelle tunesische Filmteam. Schade nur, dass ich meine deutschen Kollegen dort nicht getroffen habe, wir hatten leider keine gemeinsamen Szenen.

Interview mit Nikolai Kinski (Judas, Jünger Jesu)

Sie haben mal gesagt, dass Sie gern historische Persönlichkeiten verkörpern - was war Ihre Motivation, die Rolle des Judas zu übernehmen?
Ich finde das Spielen historischer Figuren aus mannigfaltigen Gründen interessant. Die Vorbereitung und Recherche, die ich dafür brauche, unterscheidet sich natürlich komplett von dem Prozess, eine fiktionale Figur ohne historisches Vorbild aus sich selbst heraus zu kreieren. Die Wahrnehmung des Publikums ist auch eine andere. Von historischen Figuren besteht in den Köpfen der Zuschauer bereits ein Bild, bevor sie den Film sehen. Mich reizt die Idee, etwas Neues oder gar Widersprüchliches in dieses vorgefertigte Bild zu bringen. Judas, einer der berüchtigtsten Schurken des Neuen Testaments, erfüllt für mich alle Kriterien einer verlockenden Rolle. 

Inwiefern? Was für ein Mensch war Judas in Ihren Augen?
Ich sehe Judas als tragische Figur. Ungeachtet seiner Beweggründe für den Betrug an Jesus waren Judas und Jesus dennoch beste Freunde und Verbündete. Die Tatsache, dass er seinem Leben nach dem Betrug ein Ende setzt, verstärkt seine Menschlichkeit für mich. Und seine eigene Bereitschaft, sich selbst für Jesus' Martyrium und Unsterblichkeit zu opfern, ganz wie Gottes Vorsehung es will.

Sie sind haben schon mehrfach in internationalen Produktionen gearbeitet, was war für Sie das Besondere an den Dreharbeiten zu "Ihr Name war Maria"?
Die Möglichkeit, zu reisen und mit Menschen aus anderen Kulturen zu arbeiten, ist für mich ein aufregender und sehr erfüllender Aspekt des Filmemachens. Wir haben während einer Zeit der politischen Veränderung in Tunesien gedreht und waren Zeugen der ersten demokratischen Wahlen in Tunesien, eine Folge des Arabischen Frühlings. Die Tunesier, die ich während dieser Zeit kennenlernen durfte, waren unglaublich offen, gastfreundlich und sehr kultiviert. Bei "Maria" gab es außerdem das gemischteste Drehteam, mit dem ich je gearbeitet habe - mit Schauspielern aus aller Welt und sechs Sprachen, die am Set gesprochen wurden: Italienisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Arabisch. 

Haben Religion und Kirche eine Bedeutung in Ihrem Leben, sind Sie ein gläubiger Mensch?
Mich faszinieren die verschiedenen Wege, die Religion findet, um sich in einer Gesellschaft zu manifestieren, und auch, wie Religionen die Kultur prägen. Ich bin jedoch nicht religiös erzogen und betrachte mich selbst nicht als religiösen Menschen. 


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