Wissen - Tempelstadt Naga


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Tempelstadt Naga 7 Fakten über die geheimnisvolle Kultur

Naga, was ist das für eine Stadt, die keiner kennt? Zu welcher Kultur gehörte die Tempelstadt? Wir haben für Sie zusammengefasst, was man bislang über diesen rätselhaften Ort weiß.

Stand: 08.02.2016

Hathor-Kapelle in der Tempelstadt Naga | Bild: BR/Klaus Uhrig

1. Meroe - das vergessene Königreich

Eigentlich kaum zu glauben: Es gibt eine antike Zivilisation, von der sogar viele Historiker noch nie gehört haben. Eine Hochkultur im Norden des Sudans, die faszinierende Kunstwerke und spektakuläre Tempel geschaffen hat, mit einer eigenen Schrift und engen Kontakten in den Mittelmeerraum. Und trotzdem: Im Geschichtsunterricht wird das Königreich von Meroe (300 v. Chr. bis 350 n. Chr.) nicht erwähnt.

2. Mächtige Rivalen der Ägypter und Römer

Für die Nachbarn im Norden war Meroe ein mächtiger Kriegsgegner. Gegen die Römer führten die Meroiten im 1. Jahrhundert vor Christus mehrere Kriege und schlossen dann mit Kaiser Augustus einen Friedensvertrag. Ihr Vorgänger-Staat, das Königreich von Kusch, hatte ein paar Jahrhunderte früher sogar ganz Ägypten erobert: 100 Jahre lang herrschten dort Könige aus dem Sudan, die sogenannten "Schwarzen Pharaonen".

3. Eisenschmiede und Elefantenhändler

Meroe war einst ein antikes Handelszentrum. Meroitisches Eisen wurde bis in den Mittelmeerraum gehandelt. Außerdem versorgten meroitische Kaufleute die antike Welt mit exotischen Waren aus Zentralafrika. Vor allem Gold war gefragt, aber auch Elefanten, die in den großen Schlachten der Antike als Kriegselefanten eingesetzt wurden.

4. War Widdergott Amun Sudanese?

In Meroe verehrte man eine Vielzahl von Göttern. Einige davon haben die Meroiten von ihren ägyptischen Nachbarn übernommen. Doch der Fall des berühmten Widdergottes Amun könnte anders liegen. Manche Forscher vermuten: Der spätere Hauptgott der Ägypter stammt ursprünglich aus dem Nordsudan, wo er bereits von einer Kultur verehrt wurde, die viel älter ist als das Reich von Meroe.

5. Pyramiden - nicht nur in Gizeh!

Pyramiden - typisch ägyptisch. Aber nicht nur: Pyramiden gibt es auch in Meroe, und zwar ziemlich viele. Zugegeben, sie sind mit ihren bis zu 30 Metern Höhe ein bisschen kleiner. Und leider sind die meisten ziemlich kaputt. Im 19. Jahrhundert hatte ein italienischer Abenteurer namens Giuseppe Ferlini an die 40 Pyramiden abtragen und sogar sprengen lassen, auf der Suche nach Gold. Als er unter den Grabbeigaben der Königin Amanischacheto tatsächlich Gold gefunden hatte, tat er sich allerdings schwer, es zu verkaufen. In Europa wollte ihm schlicht niemand glauben, dass der fein gearbeitete Goldschmuck tatsächlich von antiken Sudanesen stammte.

6. Naga - Das Geheimnis in der Wüste

Der rätselhafteste Ort im Reich von Meroe ist Naga. Denn anders als die anderen meroitischen Städte lag Naga nicht im fruchtbaren Niltal, sondern mitten in der Wüste. Warum die Könige von Meroe hier eine prächtige Tempelstadt bauten, wissen wir bis heute nicht. Genauso wenig wissen wir, warum die Bewohner ihre Stadt um 200 nach Christus scheinbar plötzlich aufgaben und verschwanden.

7. Arbeit für Generationen

Heute gehört Naga zu den spannendsten Ausgrabungsstätten überhaupt. Der Ort ist ein archäologisches Biotop, wurde nie geplündert oder überbaut. Rund 1.800 Jahre lang lagen die Tempel und Paläste unberührt und geschützt im Wüstensand. Jetzt gräbt ein Team des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst München die verschüttete meroitische Geschichte Stück für Stück wieder aus. Die Forscher vermuten, dass in Naga noch zehn weitere Tempel unter der Erde liegen. Dazu kommen: Paläste, Gräberfelder und vielleicht auch Häuser. Auf jeden Fall genug, um mehrere Generationen von Archäologen zu beschäftigen.


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