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Mit weißem Sakko und Ehemann Zum vierten Mal Merkel: So lief die Wahl der Kanzlerin

Angela Merkel ist im Bundestag zum vierten Mal zur Kanzlerin gewählt worden. Für die CDU-Chefin war es trotzdem kein Routine-Termin. Denn die Mehrheit war knapper als sonst. Und das war nicht die einzige Abweichung an diesem Tag.

Von: Anita Fünffinger

Stand: 14.03.2018

14.03.2018, Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) legt ihren Amtseid ab vor Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) im Reichstagsgebäude. | Bild: dpa-Bildfunk/Gregor Fischer

Der Plenarsaal des Reichstags wirkt um kurz vor neun Uhr ein bisschen so wie ein Klassentreffen. Alte Bekannte kommen zusammen, sie haben sich heute - bis auf ein paar Ausnahmen - extra fein angezogen. Der Selfie-Wahn ist übrigens auch an Politikern nicht vorbeigegangen, vor allem in der AfD-Fraktion nicht. Alice Weidel und Beatrix von Storch schießen ein Foto nach dem anderen vor dem Bundesadler. Angela Merkel kommt im weißen Sakko in den Plenarsaal. Mal was Neues wagen! Bei den drei vorangegangenen Wahlen trug sie schwarz.

Angela Merkel begrüßt Martin Schulz und Sigmar Gabriel besonders herzlich

Beim Blitzlichtgewitter drängt sich noch der künftige Außenminister Heiko Maas an die Seite der Kanzlerin. Die aber dreht ab und geht entschlossenen Schrittes auf Martin Schulz zu. Der tief gefallene ehemalige SPD-Chef und Nicht-künftige-Außenminister hatte tags zuvor versprochen, er werde Angela Merkel wählen. Die Bundeskanzlerin zieht ihn zu sich und neigt sich zu den Fotografen. Das Foto will sie ihm schenken.

Ebenso herzlich geht sie mit Sigmar Gabriel um, der verstohlen in den hinteren Reihen der Fraktionsbänke umherzieht. Etwas mehr Aufmerksamkeit hatte sich wohl FDP-Chef Christian Lindner erhofft. Ungelenk steht er vor der ersten Reihe der Unionsfraktion, wo Angela Merkel sitzt. Als sie auf sein Gespräch nicht so recht eingehen will, trollt er sich zurück zu den Liberalen.

Auf der Ehrentribüne tuscheln zwei künftige Kolleginnen

Giffey und Klöckner auf der Regierungsbank

Noch vor ihrer Vereidigung als Minister bilden sich auf der Besuchertribüne erste Allianzen. Dort sitzen alle künftigen Minister, die kein Bundestagsmandat haben. Und zwei Frauen scheinen sich gesucht und gefunden zu haben: Die künftige Familienministerin Franziska Giffey von der SPD und die künftige Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner von der CDU tragen beide ein royalblaues Kleid, exakt derselbe Farbton. Sie haben sich sehr viel zu erzählen. Dass Horst Seehofer viel zu spät auf der Tribüne Platz nimmt, nehmen sie gar nicht wahr.

Zum ersten Mal ist Merkels Ehemann da – mit Laptop auf dem Schoß

Wenig Lust auf Unterhaltung hat ganz offensichtlich Joachim Sauer. Der Ehemann von Angela Merkel ist zum ersten Mal bei der Wahl seiner Frau dabei, aber anscheinend geht die Arbeit vor. Fast eine Stunde lang hackt er auf der Ehrentribüne viele Wörter in seinen Laptop. Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sitzt neben ihm und setzt mehrmals zu einem Gespräch an. Aber so recht will keine Unterhaltung zustande kommen. Erst als Wolfgang Schäuble das Ergebnis der Kanzlerwahl bekannt gibt, klappt Sauer seinen Laptop zu.

SPD versichert: die Abweichler kommen nicht von uns

Angela Merkel verzieht keine Miene, als Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble das Ergebnis verkündet. 364 Abgeordnete haben für sie gestimmt, das sind gerade mal neun mehr als erforderlich. Sie lächelt verlegen, weiß nicht, ob sie aufstehen oder sitzen bleiben soll.

Volker Kauder überbrückt die Situation und stimmt donnernden Beifall an. Noch während des Applauses sieht man die Fragezeichen in den Gesichtern. Wer waren die Abweichler? Niemand von der SPD!, tönt es von der SPD. Fraktionschefin Andrea Nahles wird fast sauer, als man den Schwarzen Peter den Sozialdemokraten zuschieben will:

"So eine Unterstellung weise ich ausdrücklich zurück."

Andrea Nahles, SPD-Fraktionschefin

Sogar die ausgewiesenen Groko-Kritiker wie die SPD-Linke Hilde Mattheis hätten ihre Ja-Stimme versichert. Die Schuldigen müssen also in der Unionsfraktion sitzen.

Bundespräsident Steinmeier appelliert an das Gewissen der Demokraten

Angela Merkel hat gleich zwei Termine beim Bundespräsidenten. Beim ersten Mal bekommt sie die Ernennungsurkunde von Frank-Walter Steinmeier, dann muss sie zurück ins Parlament, um den Amtseid zu leisten.  

Danach fährt eine Kolonne aus schwarzen Limousinen mit lauter künftigen Ministern an Bord vor dem Schloss Bellevue vor, wo Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine bemerkenswerte Rede hält. Wo Grenzen missachtet würden, müssten Demokraten wachsam und bereit sein, sich zu zeigen, sagt Steinmeier. Und er warnt das Kabinett vor einem Weiter-so:

"Um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, wird ein schlichter Neuaufguss des Alten nicht genügen. Diese Regierung muss sich neu und anders bewähren."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Nacheinander bekommen die Minister ihre Urkunden ausgehändigt. Zuerst Olaf Scholz als Vizekanzler. Horst Seehofer nimmt die Urkunde gelassen entgegen. Heiko Maas ganz stolz. Die dienstälteste Ministerin, Ursula von der Leyen, lächelt immer noch wie beim ersten Mal. Der jüngste im Kabinett, Jens Spahn, dagegen wirkt, als würde er zum vierten Mal so eine Urkunde bekommen.

Beim Gruppenfoto will sich Julia Klöckner neben die Bundeskanzlerin drängen, die aber zieht Heiko Maas an ihre Seite. Klöckner muss zwei Häuschen weiter. Und dann zurück in den Bundestag. 

Auch die Minister leisten noch den Amtseid im Parlament, fast alle mit dem Zusatz "So wahr mir Gott helfe". Olaf Scholz, Katarina Barley und Svenja Schulze verzichten darauf. Die Ministerinnen in den blauen Kleidern nicht. Julia Klöckner und Franziska Giffey haben sich auf der Regierungsbank gleich nebeneinander gesetzt.


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Realistin1, Donnerstag, 15.März, 10:53 Uhr

9. Wichtig für uns ist, ein würdevolles menschliches Existenzrecht......!

Merkels Wahl zur Bundeskanzlerin war wie die vorher gehenden auch, es war kein Gegenkandidat da. Von den vorhergehenden Pseudo Gegenkandidaten, Steinmeier, Schulz usw. wollte doch außer Gerhard Schröder keiner die Wahl gewinnen. Schon ihre Aussage " nun mehr für alle Bürger tun zu wollen..." ist die eigene Bankrotterklärung für ihre Politik der letzten Jahre. Oder bei ihren Worten in ihrem Amtseid "Schäden vom Volk abzuwenden.." wird mir Angst und Bange.
Diese ganze Koalition besteht aus Menschen die sich keiner als Vorgesetzter, Freund usw. wünschen würde und der einzige Grund warum sie nicht im Knast landen wegen ihrer Fehlentscheidungen und "Gesetzesauslegungen", ist ihre politische Immunität.
Viele Menschen, auch ich bestätigen einem ungutes Gefühl zu bekommen wenn man an diese Politik von heute und in der Zukunft denkt.
Wer die Wahrheit nicht kennt ist nur ein Dummkopf, wer sie aber kennt und leugnet ist ein Verbrecher. Es ist wichtig unser eigenes Leben zu schützen!

konstanze, Mittwoch, 14.März, 19:56 Uhr

8. abweichler

in absehbarer zeit werden hundert koalitionäre behaupten einer der abweichler gewesen zu sein. ansonsten war es ein schlechter tag für deutschland. unter merkel hat sich der staat immer mehr zum feind der bürger entwickelt und sie wird weitermachen, denn sie weiß ja immer noch nicht, was sie falsch gemacht hat. oft macht sie nichts, dann wieder legt sie urplötzlich in eine undurchdachte kehrtwende hin. alles was zuvor gut war wird umgehend für schlecht erklärt. die ihr wohlgesonnen medien wollen uns dann einreden, dass sie alles von hinten her denkt. viele glauben das nur zu gern. denn würden sie es nicht glauben, müssten sie sich eingestehen, dass sie von einer "unfähigen" regiert werden. doch: "man kann einen teil des volkes die ganze zeit täuschen und das ganze volk einen teil der zeit. aber man kann nicht das gesamte volk die ganze zeit täuschen." (abraham lincoln, 29.10.1886) das muss doch auch für westdeutschland gelten. ich gebe die hoffnung jedenfalls nicht auf.

  • Antwort von Truderinger, Mittwoch, 14.März, 20:30 Uhr

    Richtig konstanze und genau das macht mir Hoffnung, dass jene obskuren 10% AfD-Wähler bald merken, welchen Weg sie beschreiten! So hat das Lincoln nämlich eigentlich gemeint. Er bezog sich auf Feinde der Demokratie, der Wahrheit und des Anstandes!

  • Antwort von konstanze, Mittwoch, 14.März, 21:37 Uhr

    Truderinger: 12,6 % die nun von sich behaupten können nicht schuld an der gegenwärtigen situation zu sein. auch nicht an der wahl von merkel. ich muss sagen, es ist ein gutes gefühl !!!

Dieter, Mittwoch, 14.März, 18:28 Uhr

7. Na, es ist eine KleGroKaZ

Letzten Endes hat diese Regierungsbildung nur sehr deutlich gemacht, was viele schon lange vermuteten: Deutschland wird von parteipolitischen Überlegungen regiert. Was gut ist für die Partei, ist auch gut für die Bürger. Sehr einfach, aber mehr ist wirklich nicht dahinter.
Die notwendige "Erneuerung" der Parteien ist übrigens eine Erfindung der Medien. Warum sollte sich eine Partei, die bereits als "sozialdemokratisch" oder als "konservativ" bekannt ist, erneuern und eine andere werden? Unsinn. Merkel hat da alles durcheinandergewirbelt, weil sie linker als die SPD oder grüner als die Grünen sein wollte. Aber jetzt besinnen sich alle wieder zu ihren traditionellen Werten. Also nicht "Erneuerung", sondern "Rückbesinnung" ist angesagt und das haben wir nicht deren Einsicht zu verdanken sondern der AfD.
M.f.G.

  • Antwort von Truderinger, Mittwoch, 14.März, 19:20 Uhr

    Rückbesinnung auf welche Epoche der deutschen Geschichte?

  • Antwort von PeterZä, Mittwoch, 14.März, 20:13 Uhr

    Zögern sie nicht, über dieses Stöckchen werden sie wie gewohnt doch selber drüber springen.

    Nur ihre MIenung ist die richtige!

  • Antwort von konstanze, Mittwoch, 14.März, 20:41 Uhr

    @Truderinger: auf die zeit des "rheinischen kapitalismus". eine zeit in der es auch eine enge verbindung zwischen politik und wirtschaft gab. jedoch hatte da noch oft die politik , im interesse der bürger und arbeitnehmer, das sagen. doch wenn, wie heutzutage, die politik nur nachbetet was die unternehmen sagen, ist das das genaue gegenteil vom "rheinischen kapitalismus". es ist pure kumpanei. der flirt mit dem sozialismus führt ins nichts. ist ihnen ihre gute alte bundesrepublik nichts mehr wert ? es ist für mich unbegreiflich ! wir hier haben gekämpft. wir hatten dann die wahl zwischen freiheit und sicherheit. wir haben die freiheit gewählt. und die sicherheit verloren. jetzt verlieren wir die freiheit.

Handwerker, Mittwoch, 14.März, 17:26 Uhr

6. Diese Regierung muß sich neu und anders bewähren.

Na da bin ich mal gespannt wie das gehen soll, aber ein Ende ist schon in Sicht.

Atze, Mittwoch, 14.März, 17:23 Uhr

5. Unendliche Geschichte

Eine unendliche Geschichte? Was soll das
Weiss bedeuten?
Den Grund warum Merkel immer wieder an die Macht kommt, werde ich wohl nie schlüssig erfahren. Trotzdem erwarte ich jetzt Nägel mit Köpfen und besonders Rentenangleichung Ost/West. MfG

  • Antwort von wessi, Mittwoch, 14.März, 18:24 Uhr

    Wer nichts gearbeitet hat und nichts einbezahlt hat soll auch keine Rente bekommen. Sozialkassenplünderer gibt es eh schon viel zu viele.

  • Antwort von Atze, Mittwoch, 14.März, 19:11 Uhr

    @Wessi:
    "Wer nichts gearbeitet hat..."
    Hallo, Sie gehen wohl von sich aus? Wir haben eben im Osten nicht so viele Blender. Falsche Antwort, setzen 5! MfG